Kiel - Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Die Gretchenfrage nach jedem Unentschieden stellte sich auch dem 1. FC Nürnberg nach dem 2:2 bei Holstein Kiel. Für beide Lesarten lieferte Miroslav Kloses Mannschaft Argumente.

In den ersten drei Spielen der neuen Saison zeichnete sich der 1. FC Nürnberg durch gnadenlose Effizienz vor dem gegnerischen Tor aus. In allen Partien übertraf die Klose-Elf den Wert der erwartbaren Tore deutlich: Gegen Dynamo Dresden machte der FCN aus Chancen für 1,50 xG drei Tore, im Derby beim Fürther Kleeblatt vier Treffer bei 2,14 xG und gegen Arminia Bielefeld benötigte man lediglich Chancen für 1,33 xG um viermal zu treffen (gemäß der Datenerfassung von bundesliga.com). Gegen Holstein Kiel blieb der 1. FC Nürnberg erstmals leicht unter dem erzielten xG-Wert: Zwei Tore standen am Ende zu Buche, nachdem sich Mannschaft von Miroslav Klose Chancen für 2,38 erwartbare Tore erspielt hatte.

Erste Risse bekam die fast schon zur Gewohnheit verkommene Nürnberger Kaltschnäuzigkeit bereits in der ersten Spielminute: Nach einem schnellen Vorstoß von Tim Janisch über rechts scheiterte ausgerechnet Mahamed Ali Zoma aus kurzer Distanz an Kiels Schlussmann Weiner, der Abschluss des begehrten Angreifers geriet zu zentral. Auch Piet Scobel erwischte keinen perfekten Tag: Zwar trug sich der Youngster mit seinem Treffer zum 2:2 in die Torschützenliste ein, doch im weiteren Verlauf vergab der 21-Jährige teils hochkarätige Gelegenheiten auf weitere Treffer. Erst setzte er einen Kopfball unbedrängt über den Kasten (66. Minute), dann traf nach einem Bilderbuchkonter über Janisch und Zoma den Ball aus bester Position nicht richtig (68.). Keine Schuld traf den Stürmer, als sein mustergültiger Kopfball nach einer Ecke auf der Linie geklärt wurde (83.).

FCN bringt sich selbst in Bedrängnis

Im Abschluss hatte der FCN also reichlich Pech an diesem Samstagnachmittag. Blickt man nur auf die Nürnberger Torchancen, wäre durchaus mehr drin gewesen als „nur“ ein 2:2. Doch in dieser Betrachtungsweise steckt nur die halbe Wahrheit, denn in der Defensive war den Nürnbergern mehr als einmal das Glück hold. Immer wieder produzierte der FCN fahrlässige Fehler, die Holstein Kiel jedoch allesamt nicht zu nutzen wusste.

Wie schon gegen Arminia Bielefeld leistete sich Javier Fernández einen krassen Aussetzer: In der 29. Minute verlor der Mittelfeldmann vor dem eigenen Strafraum den Ball, doch Kalageropoulos konnte den Abschluss von Kiels Kapralik in höchster Not noch blocken und so einen möglichen Gegentreffer verhindern. Gut zehn Minuten später wackelte auch der sonst so souveräne Jan Reichert: Der Keeper ließ sich unter vehementem Kieler Angriffspressing viel zu viel Zeit beim Abschlag und wurde schließlich kurz vor der eigenen Torlinie geblockt - der Ball prallte aus kürzester Distanz noch über den Kasten. Und in der 43. Minute wurde ein Seitenwechsel tief in der eigenen Hälfte fast zum Boomerang, einmal mehr konnte die Nürnberger Hintermannschaft in letzter Instanz bereinigen. Dass keine der Aktionen in einem Gegentreffer resultierte, lässt sich auch so interpretieren: Am Spielglück mangelte es dem FCN trotz der vielen vergebenen Chancen nicht.

Jan Reichert sprach nach der Partie von einem gerechten Ergebnis, auch Miroslav Klose sah eine ausgeglichene Partie. Was darauf schließen lässt, dass sich die Verantwortlichen beim 1. FC Nürnberg mehr über einen gewonnenen Punkt freuen, als sich über zwei vermeintlich verlorene zu ärgern.