
Raphael - sein Nachname ist unbekannt - postet auf TikTok über Gym und Selbstoptimierung. Seit einiger Zeit lässt er vor Dates Deo und Parfum weg - und berichtet für seinen, wie er selbst sagt, „ekligen Zwiebelgeruch“ von mehr Komplimenten als je zuvor. Sein Fazit, wie er auf TikTok sagt: „2026 machen wir alle Pheromone-Maxxing.“
Was zunächst wie ein schlechter Witz klingt, ist ein echter Trend, der sich seit Monaten auf TikTok und X ausbreitet: Junge Männer verzichten vor Dates bewusst auf Dusche, Deodorant und Parfum, denn sie sind davon überzeugt, ihr natürlicher Körpergeruch enthalte Pheromone, die Frauen instinktiv anziehen. Manche tragen tagelang dieselbe Kleidung, während andere noch weiter gehen: In einigen Videos kursiert die Empfehlung, sogar den eigenen Urin zu trinken, um „Toxine auszuschwitzen“. Eine Mutter klagte auf TikTok, sie versuche seit zehn Tagen, ihren Sohn zum Duschen zu bringen - vergeblich.
Die Idee hinter dem Trend stammt aus der Tierwelt. Pheromone sind chemische Botenstoffe, die viele Tiere ausschütten, um Artgenossen zu beeinflussen - beispielsweise als Aufforderung zur Paarung, zur Warnung oder auch zur Reviermarkierung. Dass Menschen ähnliche Substanzen produzieren und damit unbewusst auf andere wirken, klingt verlockend, ist nur wissenschaftlich alles andere als gesichert.
Ein Stoff, der in dem Kontext seit Jahrzehnten im Fokus der Forschung steht, ist Androstadienon, ein Steroid im männlichen Schweiß. Eine Übersichtsarbeit, die 2025 im Fachjournal Physiology & Behavior erschien, kam allerdings zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Einordnung als menschliches Pheromon bleibe „nicht schlüssig“, so die Autoren. Kurz gesagt: Ob Menschen überhaupt funktionale Sexualpheromone besitzen, ist bis heute nicht klar.
Wie Körpergeruch tatsächlich entsteht, ist dagegen gut belegt: vor allem durch Bakterien. Der typische Achselgeruch entsteht nicht durch den Schweiß selbst, sondern dadurch, dass Hautbakterien dessen Bestandteile zersetzen. Wer tagelang nicht duscht, maximiert also nicht seine Pheromone, sondern züchtet einfach nur eine Menge Bakterien.
Teil der Looksmaxxing-Bewegung
Dieser neue Trend ist kein isoliertes Phänomen, sondern er muss im weitesten Sinne der Looksmaxxing-Bewegung zugerechnet werden, die seit etwa 2022 über TikTok und Instagram den Mainstream erreicht hat. Ursprünglich stammte sie aus Incel-Foren im Netz und folgt dem Grundprinzip, die eigene physische Attraktivität systematisch maximieren, um auf dem „sexuellen Markt“ konkurrenzfähiger zu werden. Die Methoden reichen von harmlosen Ansätzen wie Hautpflege, Fitness und Frisuroptimierung (sogenanntes „Softmaxxing“) bis hin zu drastischen Praktiken wie dem „Bonesmashing“, also dem gezielten Brechen von Wangenknochen für eine markantere Gesichtsstruktur.
Pheromone-Maxxing verfolgt allerdings eine gegenteilige Strategie: Statt maximalen Aufwand zur vermeintlichen Steigerung der Attraktivität zu betreiben, wird die Körperpflege mehr oder weniger einfach eingestellt und das dann als Strategie verkauft. Da dringen auch Mediziner und Wissenschaftler nicht mehr durch, die auf TikTok darauf hinweisen, dass es „keine wissenschaftliche Grundlage“ für diesen Trend gebe und man sich durch tagelanges Nichtduschen vermutlich eher unattraktiver als attraktiver mache.