
„Ich dachte nicht, dass ich das jemals schreibe“, sind die einleitenden Worte eines Facebook-Posts, der am Dienstag für Aufsehen sorgte. Das Wirtspaar Kerstin Gößl und Vladimír Kloz hat am Dienstag (1. September 2026) auf Facebook bekannt gegeben, dass der Gasthof Zur Sägemühle in Großenohe, einem Gemeindeteil des Marktes Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim, zum 1. Oktober 2026 schließt. Der voraussichtlich letzte Öffnungstag ist der 20. September.
Das Wirtspaar ist weder pleite, noch haben die beiden die Lust verloren. „Wir verlegen unseren Standort“, schreiben Gößl und Kloz auf Facebook. Sobald die Freigabe von der Bank komme, planen die beiden weitere Details bekannt zu geben. Die Wirtsleute streben einen Umzug nach Bad Neualbenreuth an, zumindest habe man sich dort ein Objekt angesehen. Bad Neualbenreuth ist ein Markt im Osten des oberpfälzischen Landkreises Tirschenreuth. Der neue Standort liegt über einhundert Kilometer und eineinhalb Autostunden vom jetzigen Lokal entfernt.
Die Reaktionen unter dem Beitrag auf Facebook sprechen eine deutliche Sprache: Über 30 Kommentare sind binnen kurzer Zeit eingegangen, die meisten voller Zuspruch und guten Wünschen. „Eine Tür schließt sich, eine neue Tür geht auf. Von Herzen alles Gute und viel Erfolg beim neuen Projekt“, schreibt ein Gast. Eine andere kommentiert schlicht: „Oh das ist aber weit... aber wir bleiben in Verbindung.“ Und eine weitere: „Sehr schade, dass es jetzt noch weiter weg für mich ist. Aber ich wünsche euch viel Erfolg, wenn alles mit der Immobilie klappt.“
Alkoholfreier Gasthof in Franken: Ein Konzept, das bundesweit für Aufsehen sorgte
Die Geschichte hinter dem besonderen Angebot der Sägemühle ist eine sehr persönliche. Im Januar 2024 verbannte der Gasthof in der Fränkischen Schweiz Alkohol vollständig von der Karte. Der Grund war Vladimírs Alkoholkrankheit: Nach seiner Rückkehr aus einer Entzugsklinik war klar: Ein Gastronomiebetrieb mit Alkohol im Angebot war keine Option mehr. Statt zu schließen, räumten die Betreiber alle alkoholischen Getränke aus dem Haus und nahmen stattdessen rund 30 alkoholfreie Biere ins Angebot. Die Reaktionen waren enorm. Medien weit über die Region hinaus berichteten, TV-Sender standen vor der Tür.
Glutenfrei, laktosefrei, vegan: Ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Land
Das alkoholfreie Konzept ist dabei nur eine Seite der Medaille. Die Sägemühle kocht und backt zu 100 Prozent gluten- und laktosefrei – für Betroffene von Zöliakie oder Laktoseintoleranz ein seltenes Angebot auf dem Land. Kerstin Gößl ist selbst von Zöliakie betroffen, das Konzept ist also auch aus eigenem Erleben entstanden. Dazu gibt es vegetarische und vegane Gerichte. Die Kuchen und Sahnetorten, von Gößl selbst gebacken, haben sich ebenfalls einen treuen Fankreis erarbeitet. Der Biergarten zog im Sommer Ausflügler von nah und fern an. Bei Google kommt das Lokal auf 4,9 Sterne bei 474 Bewertungen. Ein Konzept, das offenbar aufgegangen ist – was daraus am neuen Standort wird, bleibt abzuwarten.
