Kaufbeuren - Nach mehr als 700 Jahren Brautradition muss eine bayerische Brauerei Insolvenz anmelden und jede zweite Stelle streichen. Doch der Braubetrieb soll weiterlaufen - und es gibt Hoffnung auf einen Neustart.

Seit dem Jahr 1308 wird in Kaufbeuren Bier gebraut. Doch die mehr als 700 Jahre alte Tradition steht vor einem tiefen Einschnitt: Die Aktienbrauerei Kaufbeuren (ABK) ist insolvent. Das Insolvenzverfahren über die operative ABK Betriebsgesellschaft wurde laut Informationen des Kreisboten am 28. August in Eigenverwaltung eröffnet. Von bislang 84 Arbeitsplätzen sollen künftig nur noch 38 Stellen übrig bleiben. Damit fällt mehr als jeder zweite Job weg. Für die Betroffenen soll nach Unternehmensangaben der Wechsel in eine Transfergesellschaft ermöglicht werden.

Ganz aufgegeben wird der Standort allerdings nicht. Der Braubetrieb soll im bisherigen Umfang fortgeführt werden, heißt es laut einer Pressemitteilung der Aktienbrauerei Kaufbeuren. Auch Biere, Weinmischgetränke und Limonaden sollen weiterhin produziert werden. Gleichzeitig laufe die Suche nach einer langfristigen Lösung und möglichen Investoren.

Eine der ältesten Brauereien Deutschlands muss Insolvenz anmelden - das sind die Gründe

Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer hatte bereits im Juni gegenüber dem Kreisboten die Probleme der Brauerei erklärt. Neben dem sinkenden Bierabsatz und gestiegenen Rohstoffpreisen nannte er unter anderem einen Investitionsstau und eine zu hohe Kostenstruktur als Gründe für die Schwierigkeiten.

Im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche habe die Brauerei laut Zimmerer deutlich zu viele Mitarbeiter beschäftige. Er sprach damals von einer „aus den Fugen geratenen Kostenstruktur“. Auch die Löhne hätten über dem branchenüblichen Niveau gelegen.

Hinzu komme, dass bei dem Sortiment nach Einschätzung des Sanierungsteams, nicht schnell genug auf neue Trends reagiert wurde. Zimmerer nannte unter anderem fehlende „innovative, zuckerfreie Getränke“ als Beispiel. Die Brauerei habe es versäumt, ihr Angebot rechtzeitig anzupassen.

Trotz des harten Sparkurses gebe es aber eine Perspektive. „Ohne die erforderlichen Mittel hätten wir das Unternehmen nun stilllegen müssen“, sagte Zimmerer laut der offiziellen Unternehmensmitteilung.

Die gesamte Bierbranche kämpft - Zahl der Brauereien stark gesunken

Die deutsche Braubranche steht insgesamt unter Druck. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank der Bierabsatz 2025 um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993.

Auch die Zahl der Brauereien geht zurück: 2025 gab es in Deutschland noch 1415 Brauereien, 53 weniger als ein Jahr zuvor. Bayern bleibt zwar mit 588 Brauereien das Bundesland mit den meisten Braustätten, doch auch hier ist die Zahl deutlich gesunken.