
Vor einem Jahr saß Tarkan Kozluklu noch im Hörsaal der Universität Bayreuth. Anfang dieses Jahres stand der 24-Jährige in Los Angeles bei den 68. Grammy Awards und kam dort mit Stars wie Bad Bunny ins Gespräch. Inzwischen hat der Bayreuther sein Studium beendet und arbeitet hauptberuflich als Musikproduzent und Songwriter. Er baut Beats und entwickelt die musikalische Grundlage für einige der größten Namen der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene. Wie hat er den Durchbruch im Musikbusiness geschafft?
Angefangen hat alles mit einem Schulfreund, erzählt Tarkan im Gespräch mit unserer Redaktion. Der produzierte damals selbst Musik und zeigte ihm nach und nach, wie das funktioniert. Während der Corona-Pandemie und des Lockdowns probierte sich der damals 18-Jährige schließlich selbst an den entsprechenden Programmen aus. Mit der Zeit begann er, seine Musik immer aktiver zu verfolgen. Der entscheidende Moment folgte 2024. Der US-Rapper Rod Wave wurde auf ihn aufmerksam und wollte mit ihm zusammenarbeiten. Einige Monate später erschien das Album, an dem der Bayreuther mitgewirkt hatte. Für Tarkan war spätestens da klar, dass aus seinem Hobby mehr werden könnte. „Die Vorstellung, von Musik zu leben, gefällt mir schon deutlich besser als ein normaler Job“, sagt er mit einem Schmunzeln.
„Einfach viel arbeiten und wenig schlafen“
Nach der Zusammenarbeit mit Rod Wave folgten weitere Künstler, schließlich kamen auch Angebote verschiedener Musiklabels. Am Ende unterschrieb Tarkan bei Sony Music. Der Vertrag veränderte einiges. Tarkan konnte sich stärker auf seine Musik konzentrieren, hatte mehr finanzielle Sicherheit und wurde in der Branche bekannter. „Leute kannten mich plötzlich. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt er. Mittlerweile ist er regelmäßig in den USA. Zwei- bis dreimal im Jahr fliegt er für etwa vier Wochen dorthin, um mit Künstlern und anderen Produzenten zu arbeiten. Während seine Karriere Fahrt aufnahm, steckte Tarkan allerdings noch mitten im Studium.
Als die ersten großen Deals kamen, hatte er bereits rund 75 Prozent seines Studiums geschafft. Aufgeben wollte er deshalb nicht. „Es wäre undenkbar für mich gewesen abzubrechen. Ich hasse es, Sachen abzubrechen“, sagt er. Leicht war die Doppelbelastung allerdings nicht. Neben dem Studium arbeitete Tarkan zweitweise auch noch in einem Minijob. Wie er das alles unter einen Hut bekommen hat? „Einfach viel arbeiten und wenig schlafen“, beschreibt er seinen Alltag. Teilweise habe er nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen, aber „wenn man eine Leidenschaft hat und ein Ziel vor Augen, dann schaut man nicht auf die Uhr“, sagt er.
Heute ist das Studium abgeschlossen und Tarkan kann sich vollständig auf die Musik konzentrieren. Bis zu 13 Stunden arbeitet er nach eigenen Angaben täglich daran - sieben Tage die Woche.
Grammy-Nominierung im Hörsaal
Sein großes Ziel war dabei schon früh klar: Die Grammys. Dass dieser Traum so schnell Realität werden könnte, hätte er selbst allerdings nicht erwartet. Ende 2025 wurde Tarkan für die 68. Grammy Awards 2026 in der Kategorie „Best Song Written for Visiual Media“ nominiert. Er war als einer der Songrwriter an „Sinners“ von Rod Wave beteiligt, einem Lied aus dem Soundtrack des gleichnamigen Films.
Von seiner Nominierung erfuhr Tarkan ausgerechnet als er gerade in der Uni war. Er lernte gerade für seine letzten Prüfungen, als die Nachricht kam. „Das war ein krasses Gefühl. Es war surreal, ich wusste gar nicht, wie ich reagieren soll“, erinnert er sich. Für ihn sei die Nominierung ein „Meilenstein“ gewesen.
Bei den Grammys selbst traf er zahlreiche große Namen der Musikbranche. Besonders beeindruckt habe ihn, mit Musikern ins Gespräch zu kommen, die er selbst schon lange verfolgt. „Es war cool, mit allen großen Künstlern, die man kennt, zu quatschen“, erzählt er - unter anderem mit Bad Bunny.
Den Grammy in seiner Kategorie gewann Tarkan letztlich nicht. Für eine weitere Produktion, an der er beteiligt war, gab es allerdings einen Award. Weil er dort nicht offiziell als Beteiligter aufgeführt war, zählt der Preis zwar nicht als sein offizieller Grammy-Sieg. Eine Urkunde bekam er dennoch. „Das war definitiv ein Höhepunkt“, sagt er.
„Die Grammys waren die Spitze von allem“
Auch abseits der Grammys hat Tarkan bereits einige Erfolge gesammelt. Er erreichte nach eigenen Angaben mit Produktionen Platz eins der Billboard-Charts und Platin-Status. „Alles so Errungenschaften - vor allem, wenn man dann von einer zur nächsten kommt“, sagt er. Die Grammy-Nominierung sei dabei aber definitiv „die Spitze von allem“ gewesen.
Ganz ohne Rückschläge läuft die Karriere allerdings nicht. Besonders ärgerlich sei es, wenn Songs, in die er viel Zeit und Arbeit investiert habe, am Ende doch nicht veröffentlicht werden. Rund 200 bis 300 unveröffentlichte Songs habe er mittlerweile auf seinem Rechner. „Die bringen dann aber ja nichts“, sagt er. Solche Situationen seien sowohl finanziell als auch emotional enttäuschend.
Ein Wunsch ist noch offen
Auf eine lange Liste unerfüllter Wünsche kann der 24-Jährige trotzdem nicht zurückblicken. Seine Lieblingskünstler Rod Wave, Future und Lil Baby kennt er inzwischen persönlich und arbeitet bereits mit ihnen zusammen. Einen großen Namen gibt es allerdings noch: Drake. Mit ihm würde Tarkan gerne einmal arbeiten.
Sein langfristiges Ziel formuliert er hingegen vergleichsweise schlicht: „Mein Ziel ist, konstant Musik zu machen und große Hits zu produzieren.“ Momentan schreibt er auch vermehrt Songs für verschiedene Künstler. Vor allem wolle er „einfach weiter Gas geben“.
Dabei kann er sich auf seine Familie und Freunde verlassen. Seine besten Freunde kennt er bereits seit seiner Kindheit und sie unterstützen ihn, wo sie können. Auch seine Eltern und sein Bruder stünden voll hinter ihm. „Ich liebe meine Arbeit einfach und hoffe, dass ich weiter gute Musik machen kann“, sagt der 24-Jährige.


