Nürnberg - Viktoria Köln - das ist der Gegner des 1. FC Nürnberg in der ersten Runde des DFB-Pokals. Was zeichnet das Team von der rechten Rheinseite aus, wo liegen die Stärken und Schwächen? Eine Gegnervorstellung.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre liegen zwischen dem ersten und dem zweiten Duell des 1. FC Nürnberg mit Viktoria Köln: Am 20. August 2016 besiegten die Franken um Cheftrainer Alois Schwartz und Torhüter Raphael Schäfer den damaligen Regionalligisten in der ersten Pokalrunde erst im Elfmeterschießen. Am Samstag kommt es zur Neuauflage des Duells: Der Club gastiert am Sportpark Höhenberg, Anpfiff ist um 15.30 Uhr.

Der Sommer

Die Viktoria hatte abermals einen beträchtlichen Umbruch zu bewältigen: Insgesamt stehen bislang über 24 Kaderbewegungen zu Buche, darunter auch schmerzhafte Abgänge einiger Führungsspieler und Leistungsträger. Im Gegenzug verpflichtete der Drittligist von der rechten Rheinseite insbesondere junge Spieler mit Potenzial: Nur drei Neuzugänge sind älter als 24 Jahre. Zu den Neuverpflichtungen zählen mit Noah Maboulou (Leihe) und Niklas Jahn (Wechsel vom VfL Bochum) auch zwei Altbekannte aus Nürnberg, die gemeinsam mit Taylan Duman das Trio an Ex-Nürnbergern im Kader der Kölner bilden.

Der Saisonstart

Ein Sieg, eine Niederlage, fünf Tore und sechs Gegentore. Die Elf von Cheftrainer Marian Wilhelm startete mit einer 2:5-Niederlage gegen den SSV Jahn Regensburg in die Saison, konnte aber am zweiten Spieltag einen 3:1-Sieg bei der Reserve des VfB Stuttgart einfahren. In beiden Partien fand die Viktoria schnell ins Spiel und kreierte insbesondere in der Anfangsphase teils hochkarätige Chancen, die sie aber – vor allem gegen die Jahnelf – nicht nutzen konnte.

Die Stärken

Beide bisherigen Spiele haben sowohl die Stärken als auch die Schwächen der jungen Truppe aufgezeigt. Trainer Wilhelm setzt auf ballbesitzorientierten, offensiv ausgerichteten Fußball: Das Epizentrum der Chancenkreation befindet sich im Kölner Spiel auf dem Flügel, wo das Team über Tempo und variable Lösungen verfügt. Im Anschluss folgen zumeist Flanken oder Hereingaben von den Außenbahnen, ein bereits in der Vorsaison erprobtes Stilmittel der Viktoria. Insbesondere auf der rechten Angriffsseite verfügen die Rheinländer mit Schienenspieler Alexander Prokopenko und Halbraum-Zehner Niklas Castelle über viel Kreativität und Torgefahr: Die beiden Neuzugänge waren an der Hälfte der Kölner Treffer in dieser Saison direkt beteiligt.

Die Schwäche

Die Schwäche ist – darauf deuten auch sechs Gegentore aus den ersten zwei Partien hin – in der Defensive zu verorten. Mitunter präsentiert sich die junge Mannschaft enorm wacklig und anfällig. Dabei wird es besonders gefährlich, wenn Gegner schnell umschalten und versuchen über die Halbspuren hinter die Kette zu kommen, sowie bei schnellen Verlagerungen: Gegen Regensburg resultierte ein Gros der Großchancen aus Verlagerungen auf den eingerückten Flügel, der in der Folge vergleichsweise zentral und auf Höhe der Kette gen gegnerisches Tor marschieren konnte.

Die Chance

Gerade letztere Schwäche dürfte dem Spiel des 1. FC Nürnberg entgegenkommen. Mit Mohamed Ali Zoma verfügt der Club über einen herausragenden Empfänger solcher Verlagerungen, der sich auch in zentraleren Gefilden wohlfühlt sowie Tempo und Zug zum Tor mitbringt. Zugleich kann das Nürnberger Spiel darauf abzielen, die Viktoria-Defensive auf eine Seite zu locken, um Räume auf der Gegenseite zu kreieren.

Insgesamt bieten die Kölner also freilich Angriffsfläche, sind aber aufgrund ihres Offensivpotenzials und einiger spannender Akteure, darunter auch Sturmtalent Jakob Sachse, nicht zu unterschätzen. Interessant wird zu sehen sein, inwiefern die Wilhelm-Elf ihrem aktiven, ballbesitzorientierten und dominanten Spiel auch gegen einen Zweitligisten treu bleiben wird – und wie der 1. FC Nürnberg damit umgeht.