
Es ist nicht nur das Duell zwischen David und Goliath, das den Reiz des DFB-Pokals ausmacht. Entscheidend ist die Gewissheit, dass der vermeintliche Außenseiter den Favoriten tatsächlich besiegen kann – wie zahlreiche Pokalsensationen zeigen. Dazu zählt auch das Erstrunden-Aus des 1. FC Nürnberg im vergangenen Jahr: Beim Regionalligisten FV Illertissen blamierte sich der Club, als er im Elfmeterschießen den Kürzeren zog. Damit verschärfte er seinen Fehlstart in der 2. Bundesliga um ein frühes Pokal-Debakel.
Ein Jahr später kann die Blamage, gegen einen Viertligisten in der ersten Runde auszuscheiden, nicht passieren – weil die Elf von Cheftrainer Miroslav Klose gegen einen Drittligisten antritt, und weil das Team gewarnt ist: „Ich weiß, dass im K.O.-System ganz andere Gesetze eine Rolle spielen. Wenn man keine gute Tagesform hat, kann man schnell ausscheiden. Das wollen wir am Samstag nicht, wir wollen in der Pokalrunde weit kommen“, erklärte Trainer Klose auf der Pressekonferenz.
Im Laufe der Woche habe er „Illertissen vor der Mannschaft nicht in den Mund genommen, sondern nur Viktoria Köln“. Der Drittliga-Dino, der inzwischen zum achten Mal in Folge in Deutschlands niedrigster Profiliga an den Start geht, sei insbesondere spielerisch nicht zu unterschätzen: „Der Fußball lässt sich sehen“, attestierte Klose dem kommenden Kontrahenten. Tatsächlich setzt die junge Truppe von Coach Marian Wilhelm auf sehr offensiv- und ballbesitzausgerichteten Fußball und bringt insbesondere auf den Flügeln reichlich Qualität mit.
Anzeichen von Übermut vernahm der 48-Jährige in seiner Mannschaft nach dem starken Saisonstart und vor dem Duell gegen einen Drittligisten aber nicht – im Gegenteil: „Man sieht, dass sie den Schwung mitnehmen wollen. Ich bin von meiner Mannschaft vollends überzeugt. Wenn wir sehr konsequent sind, gehen wir als Sieger vom Platz.“
Erschwert wird die Aufgabe durch einige Ausfälle. Finn Ole Becker fällt aufgrund einer Kniereizung aus, man möchte kein Risiko eingehen. Außerdem fehlen derzeit Christian Mathenia, Mikayil Fayé, Rafael Lubach und Rayan Ghrieb allesamt erkrankt – wenn überhaupt schafft es nur ein Spieler dieses Quartetts, rechtzeitig fit zu werden. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund, dass Lubach und Ghrieb die primären Kandidaten als Becker-Ersatz wären, bitter. Entsprechend darf sich Can Moustfa Hoffnungen auf einen ersten Startelf-Einsatz machen, wodurch Julian Justvan auf die Zehner-Position rücken würde.
