Fürth - Nicht zum ersten Mal drückte Julian Justvan einem Frankenderby seinen Stempel auf. Der FCN-Spielmacher hatte im Anschluss ebenso viel Lob für den zweiten Matchwinner des Tages übrig.

Für einen Nürnberger fühlt sich Julian Justvan im Fürther Ronhof erstaunlich wohl. Dreimal lief der 28-Jährige seit seinem Wechsel zum Club beim fränkischen Nachbarn auf, verloren hat der gebürtige Niederbayer noch nie. Nach seinen beiden Assists beim 4:0-Erfolg vor knapp zwei Jahren setzte Justvan nun noch einmal einen drauf. Mit zwei Toren und einer Vorarbeit war der Feingeist - neben Piet Scobel - der gefeierte Mann auf Seiten des FCN und ein Garant für den Derbysieg.

Liegt ihm etwa die große Bühne besonders? Justvan selbst verknüpfte seine fabelhafte Derbybilanz vielmehr mit dem abermals passiven Auftreten der SpVgg. Die dadurch entstehenden Räume vor der Abwehr kämen den Stärken des Linksfußes entgegen, wie dieser im Anschluss an den 4:2-Auswärtserfolg betonte. Für die Gegner der Klose-Elf ergibt sich dadurch ein handfestes Dilemma: Sichert man die Tiefe, kann Justvan aus den Halbpositionen heraus kreieren. Versucht der Kontrahent hingegen, die Räume vor der Abwehrkette möglichst klein zu halten, läuft er Gefahr, vom blitzschnellen Mohamed Zoma überrannt zu werden - wie gesehen in der Vorwoche gegen Dresden.

Justvan: „Wir haben zu viel zugelassen“

Nicht nur die Hauptprotagonisten waren diesmal andere als beim heimischen Saison-Auftakt, sondern auch der Spielverlauf: „In der ersten Halbzeit haben wir einfach zu viel zugelassen. Das darf uns so nicht passieren, weil wir genau wussten, dass Fürth nur über lange Bälle und Tiefenläufe gefährlich werden kann“, monierte Justvan, der sich zudem bei seinem Vorgesetzten Jan Reichert bedankte. Der Kapitän hatte den Club kurz vor der Pause per exzellenter Fußabwehr im Spiel gehalten, ehe Justvan den erneuten Ausgleich markierte. „Wir strahlen einfach mehr Gefahr aus als letztes Jahr und das ist wichtig. Wir haben eine bessere Box-Besetzung, sind mit mehr Leuten in gefährlichen Räumen und deswegen springt dann auch mal so einer rein“, verwies der Kreativspieler auf seinen ersten Treffer.

Nach dem Seitenwechsel nahm der FCN dann die Zügel in die Hand. Der Ertrag sollte nicht lange auf sich warten lassen. Erneut war es Justvan, der den Nürnberger Anhang jubeln ließ: „Ich wusste, ich habe viele Füße vor mir und habe es deswegen mal weniger fest und platzierter probiert.“ Dass mehrere Gegenspieler dem Edeltechniker nur Geleitschutz leisteten, tat ein Übriges. Dieser bugsierte das Spielgerät aus rund 18 Metern überlegt in die Maschen.

Scobel beendet seine Durststrecke eindrucksvoll

Mindestens einen kongenialen Partner hatte der Derbyheld allerdings. Seit Januar wartete Piet Scobel auf ein Erfolgserlebnis, nun platzte der Knoten zum denkbar günstigen Zeitpunkt. „Ich bin froh, dass er sich heute mal belohnen konnte. Er ist ein extrem fleißiger Spieler und extrem wichtig für uns. So etwas tut ihm gut“, freute sich Justvan über den anderen Doppelpacker beim Club. Welche Wichtigkeit Scobel als Ziel- und Wandspieler besitzt, demonstrierte dieser derweil in mehreren Szenen. Unmittelbar vor dem zwischenzeitlichen 2:2 behauptete er das Leder im Strafraum mustergültig und behielt die Übersicht. „Die Spieler um ihn herum sind eher klein, flink und wendig“, erklärte Justvan, warum sich das Nürnberger Offensivtrio fabelhaft ergänzt.

Mit der Maximalausbeute im Gepäck reist der Club am kommenden Wochenende zu Viktoria Köln. Beim Drittligisten peilen die Franken den Einzug in die zweite Pokalrunde an. An Selbstvertrauen sollte es dem FCN hierbei nicht mangeln. „Für uns war es wichtig, gut zu starten. Im Pokal wollen wir jetzt genauso weitermachen“, gab Justvan die Marschroute vor. Der Derbysieg so früh in der Saison müsse dem Team nun extrem viel geben. „Diese Energie, die wir zurzeit in der Mannschaft haben, und die Qualität, die wir auf den Platz bringen, sind enorm viel wert und das werden wir auch in den nächsten Spielen brauchen.“