Fürth - Im ausverkauften Fürther Ronhof kommt der 1. FC Nürnberg trotz zweimaligem Rückstand zurück und feiert euphorisch den ersten Derbysieg seit März 2025 - Matchwinner sind dabei nicht nur die Torschützen.

26, 45+3, 54, 74: Das sind die Minuten, die die Clubfans im 277. Derby mit dem Stadtnachbarn in Ekstase versetzt haben. Die doppelten-Doppelpacker Julian Justvan und Piet Scobel bescheren dem FCN den prestigeträchtigen Erfolg. Doch die Basis ist neben mannschaftlicher Resilienz vor allem die Leistung von Keeper Jan Reichert. Zwei Momente stechen heraus:

In der 44. Minute hätte sich der Schicksalsfaden des Clubs im Franken-Kracher in eine gänzlich andere Richtung entspinnen können. Beim stand von 1:2 aus FCN-Sicht hält Reichert die Gäste mit einem Mega-Reflex per überragender Fußabwehr im Spiel und bewahrt sein Team so vor dem 1:3. In Minute 63. entschärft die Nürnberger Nummer eins dann auch noch einen Elfmeter von Kleeblatt-Kapitän Felix Klaus und verhindert so den Fürther Ausgleich.

So darf am Ende Klose mit seinem Team jubeln - und verrät einen weiteren Schlüsselmoment, für den Reichert gesorgt hat. In der Halbzeit wurde es nämlich laut, wie der Übungsleiter nach Spielende verrät - sein Kapitän hat wohl ordentlich auf den Tisch gehauen. „Jan hat in der Halbzeitpause richtig den Mund aufgemacht und die Jungs zusammengestaucht und auf das vorbereitet, was sie in Hälfte zwei erwartet“. Er habe der Mannschaft „Feuer gemacht“, berichtet Matchwinner Julian Justvan nach Spielende in der Mixed-Zone. „Danach sind wir raus, haben eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt und gewinnen schlussendlich verdient“, sagt der Keeper selbst zum Effekt seiner Standpauke für die Vordermänner.

Von einem „typischen Derby“ spricht Klose dann nach Abpfiff. Eine Partie, in der seine Mannschaft zwei verschiedene Halbzeiten bringt und dennoch ein Kompliment erntet: „Hier zweimal zurück zu kommen, das ist Charakter“. Während Fürth-Coach Vogel dem Club „Glück“ und durch eigene Fehler geschenkte Tore attestiert, darf Nürnbergs Cheftrainer sich über den Ausbau seiner höchst positiven Derby-Serie freuen. Auch im fünften Vergleich bleibt der Ex-Weltmeister als Trainer ungeschlagen (drei Siege, zwei Remis).

Der Großteil der Mannschaft sei zusammengeblieben, erklärt er den guten Saisonstart im Vergleich zum Vorjahr. „Die Jungs haben es sich verdient, hier in der Kabine zu feiern. So ein Ergebnis, auswärts, bei einem Derby - da gibt es nichts Schöneres. Wir hatten die Bilder von den Siegen vor zwei Jahren noch im Kopf und wollten diese unbedingt auffrischen.“

Und Jan Reichert? Auf die Frage, ob er der heimliche Derbyheld sei, erwidert er im Vereinsinterview: „Das würde ich nicht sagen. Klar ist es schön, den Elfmeter zu halten und damit der Mannschaft zu helfen. Aber wir sind jetzt alle Derbyhelden.“ Das Gefühl dürfen die Profis in die neue Woche mitnehmen, dann steht die erste K.o.-Probe an. In Runde eins des DFB-Pokals trifft der FCN am nächsten Samstag auf Drittligist Viktoria Köln.