
Am Anfang stand das Gefühl: „Eine so tolle Location kann man nicht sterben lassen“, sagten sich Dorko und seine Frau Birgit Grell, als Anfang Juni 2026 klar war, dass der frühere Nürnberger Kultclub Der Cult an der Stadtgrenze seinen Abschied einläutete. Sie fassten sich ein Herz: „ „Meine Frau und ich haben uns gesagt: Das Abenteuer gönnen wir uns. Und haben eine GmbH gegründet“, erzählt der 64-jährige Betreiber im ersten Gespräch mit nordbayern im Juni.
Denn der Club an der Grenze zwischen Nürnberg und Fürth ist in der Region Kult, eine Institution, die vielen Subkulturen über Jahrzehnte hinweg ein Zuhause gab. Jetzt erwacht der ehemalige Cult unter neuem Namen Werk68 in seinen zweiten Frühling. Dennoch: Grells ist wichtig, den besonderen Charakter der Location bewahren - sie soll weiterhin ein Zuhause für Gothic-, Rock-, Metal-, Wave- sowie Fetisch- und andere Subkulturen sein.
Am 1. Juli 2026 erst haben die neuen Betreiber die Schlüssel für das Areal in der Dooser Straße 60 erhalten - eineinhalb Monate später erstrahlt der ehemalige Cult in frischem Glanz und feiert am Samstag, 15. August, ab 22 Uhr seine Eröffnung: „Es ist und bleibt weiterhin unser Wohnzimmer, aber abgestaubt“, fasste eine Sprecherin des Clubs im Gespräch mit der Redaktion nun zusammen. Das vertraute „Wohnzimmergefühl“ soll erhalten bleiben, aber mit zeitgemäßer Technik und etwas mehr Moderne in die Zukunft starten. Die bekannten Veranstaltungen bleiben unter neuen Namen bestehen, aber auch Konzerte sind wieder stärker geplant – trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen die Bandauftritte inzwischen mit sich bringen.
Zunächst sollte der Club den Namen Subcultura tragen, doch dann, so die Sprecherin ging kurz vor Fristablauf der Markenanmeldung der Einspruch eines französischen Konzerns ein, man wollte Aufwand und vor allem Kosten eines Prozesses sparen. „Wir mussten Subcultura loslassen. Das war kein guter Tag“, heißt es auch in einem Instagram-Post der neuen Lokalität.
Aus Der Cult wird letztlich Werk68
Schnell entwickelte sich mit dem neuen und nun festen Namen Werk68 eine Alternative, die zu vielem passte: Zum derben Mauerwerk der Fassade, zur Geschichte des Gebäudes, in dem früher ein Fabrikwerk und eine Werkstatt waren und - vor allem - zu dem Werk von 68 festen und registrierten Helferinnen und Helfern, die in den vergangenen eineinhalb Monaten Tag und Nacht daran gearbeitet haben, die neue Lokalität mit der Verbundenheit in ihre Vergangenheit schnell Wirklichkeit werden zu lassen. „Ohne diese 68 hätten wir es niemals geschafft“, sagt die Club-Sprecherin, „es war wirklich ein Sprint“. Als dann auch das Bauamt durchwinkte und die Konzession im ersten Anlauf direkt vorlag, stand behördlich gesehen dem Neuanfang nichts mehr im Wege - oder verzögerte ihn.
Während ein Teil der helfenden Hände draußén das Unkraut jätete, eine andere Helferin die Spinnweben entfernte, lackierten andere beispielsweise die Bar frisch oder installierten die Lichtanlage für das neue Werk68. „Dass unser Zuhause bald zurückkehrt und Dorko Grell sagte: ‘Wir eröffnen am 15. August‘, hat bei allen eine Energie und Schwung freigesetzt.“ Der leidenschaftliche Spirit sei „so greifbar gewesen“, so die Sprecherin. Dennoch erinnert vieles an die Geschichte der Club-Legende, an den Vorbetreiber Rick, der vor wenigen Jahren starb. „Wir geben der Erinnerung Platz und ermöglichen Raum für Neues.“
Am Samstag, 15. August, wird zunächst ein Soft Opening und die erste Veranstaltung „Nachtwerk“ gefeiert, DJ Dark-Wanderer und DJ Frank legen auf. Später, Mitte September, soll eine große Feier den Neustart von Werk68 markieren. Dazwischen tummeln bereits sich einige Clubnächte und auch ein erstes Konzert.
