
„Eine so tolle Location kann man nicht sterben lassen“, sagt Dorko Josef Grell, der neue Pächter des kultigen Clubs an der Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth. „Meine Frau und ich haben uns gesagt: Das Abenteuer gönnen wir uns. Und haben eine GmbH gegründet“, erzählt der 64-jährige Betreiber weiter. Der gebürtige Nordrhein-Westfale kam wegen der Arbeit nach Franken, feierte gerne im nun ehemaligen Cult: „Ich hänge an der Szene und hatte eine enge Verbindung mit Rick.“
Als sich herauskristallisierte, dass Vor-Betrieberin Verena nach dem Tod ihres Partners und Co-Betriebers Rick vor ein paar Jahren den Betrieb des Cult nicht mehr führen konnte, nahmen sich Grell und seine Gattin ein Herz und übernahmen den Pachtvertrag. „Ich bin nun ein Geschäftsführer ohne Gehalt“, sagt er und lacht kurz auf. „Das ist jetzt mein Hauptjob.“
Kurz allerdings muss sich Grell noch gedulden, bevor er mit Subcultura in der Dooser Straße 60 durchstarten kann. Der Pachtvertrag läuft ab dem nächsten Monat, am 1. Juli ist die Schlüsselübergabe anberaumt. „Wir sind aber natürlich längst in der Planung, leisten viel Arbeit im Hintergrund - schon seit Wochen und Monaten“, gibt Julia Stump, die Pressesprecherin der kommenden Location und auch eine Szeneliebhaberin, Einblicke in das, was für die Öffentlichkeit im Verborgenen passiert. „Wir möchten einen neuen technischen Aufsatz; einige Dinge werden an die Zeit angepasst und folglich ersetzt.“ Daher wurde auch das Inventar des vormaligen Cult versteigert. Doch Stump betont: „Die Aura, das Interior, der Charme des Cult, sein Spirit, das Herz, das darin schlägt, wollen wir erhalten.“ Die Neuen am Hebel konnten das ein oder andere lieb gewonnene Stück in der Auktion ergattern - und im neuen Betrieb in Szene setzen. Einiges aber musste raus, die Technik war in die Jahre gekommen, ebenso die Möbelstücke. „Es wird wie der Cult - wir erneuern das was nötig ist.“
Die Eröffnung von Subcultura soll auf jeden Fall noch 2026 stattfinden
Nach der Schlüsselübergabe folgt dann der Umbau. Grell ist zuversichtlich, dass von ihrer Seite alles einigermaßen flott über die Bühne gehen wird. „Wir haben einen ehrenamtlichen Helferkreis von 70 Leuten und mit ihnen viel Expertise im Haus, darunter Musiker und Handwerker.“ Die wesentlichen Knackpunkte, die den Eröffnungstermin bedingen, seien das Bauordnungsamt und die Abteilung „Gaststättenwesen“ im Ordnungsamt der Stadt Nürnberg. Daher tut sich Grell auch mit einer Prognose schwer, wann der neue Betrieb starten kann. So schnell wie möglich will er loslegen, schätzt aber grob, dass es Frühherbst 2026 werden könne. „Am liebsten wäre mir schon der Juli“, schiebt er noch hinterher. „Die Crew, die helfenden Hände aus der Community… alle brennen darauf diesen Ort wieder zu etwas Besonderem zu machen“, sagt auch Pressesprecherin Stump. Maßgeblich sei aber auch, wie die Räumlichkeiten übergeben werden.
Wichtig ist Dorko Josef Grell, dass der kommende Club „alle Szenen ansprechen möchte, die sich bereits vorher hier wohl gefühlt haben. Wir werden uns auch etwas öffnen, aber eines ist sicher: Wir werden keine Technohölle.“ Die Signatur des Cult soll weiterleben, das lässt sich auch in neuen Namen Subcultura herauslesen, der nicht nur den Namen des vorherigen Betriebs hommagial in sich trägt, sondern auch auf Subkultur verweist. „Es ist einer der letzten subkulturellen Läden, der nicht sterben sollte. Überhaupt ist das Clubsterben eine große Sache“, so Grell. „Wir selbst sind die Leute, die dort gerne feiern“, sagt er über sich, seine Frau und Pressesprecherin Julia Stump.
Ort für Subkulturen - aber mit neuem Glanz
„Wir wollen genau die Szenegänger ansprechen, aber auch offen sein. Gemeinsam, unter Einbeziehung der Stammgäste, wollen wir das angehen, was wir aus Subcultura machen. Der Cult dient dabei als Leinwand.“ Das „geliebte Wohnzimmer“ wird also erhalten bleiben, „aber mehr Glanz bekommen“. Auch Konzerte wollen sie wieder mehr fahren, „das ist zwar wirtschaftlich schwierig geworden, aber das werden wir querfinanzieren“, stellt Grell in Aussicht. Ebenso Jam-Sessions seien wieder denkbar und mal die ein oder andere Veranstaltung, die auch ins Spektrum des Techno ragt. „Der bekannte Spirit ist unsere Leidenschaft. Die Location mit all den Menschen“, fügt Stump hinzu.
Der Umstieg soll erstmal „soft“ stattfinden, zunächst soll freitags und samstags geöffnet sein. „Wir wollen möglichst unverändert loslegen“, sagt Betreiber Grell, „und dann nachziehen“. Nachdem es möglichst schnell gehen soll und bis dahin wenig Zeit zur Vorbereitung bleibt, wird der Betrieb zunächst mit einem Soft Opening starten - die Webseite ist bereits online. Eine dicke Party im neuen Subcultura an der Dooser Straße 60 soll aber auf jeden Fall folgen: „Wir wollen ja auch zeigen, dass wir wieder da sind.“
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