
Sie hat kein Gehirn, keine Zähne, keine Klauen und noch nicht mal ein Maul, mit dem sie zubeißen könnte. Trotzdem ist sie für den Menschen hochgefährlich. Die Rede ist von der Portugiesischen Galeere – kein Kriegsschiff aus der Antike, sondern eine sogenannte Staatsqualle. Die macht aktuell die Küsten Spaniens unsicher und auch an der französischen Atlantikküste, etwa in der Bretagne und im Département Landes, gibt es mancherorts bereits Badeverbote. An einem Tag wurden in einer spanischen Region rekordverdächtige 120 Menschen gestochen.
Wer die mit giftigen Nesselzellen besetzten Tentakel des Tieres berührt, das im Englischen nicht ohne Grund als „Portuguese man o‘ war“ und „Floating Terror“ bezeichnet wird, den erwarten qualvolle Schmerzen. In seltenen Fällen sogar der Tod. Worauf Urlauber unbedingt achten sollten, wann und wo man nicht ins Wasser sollte – und was bei Kontakt zu tun ist.
Was ist die Portugiesische Galeere und was macht sie so gefährlich?
Die Portugiesische Galeere ist keine klassische Qualle, sondern ein sogenanntes Staatsnesseltier, wie das Wissenschaftsmagazin Geo schreibt. Es handelt sich um einen Verbund verschiedener spezialisierter Polypen, der nur wie ein einzelner Organismus wirkt. Der Körper der Staatsqualle erinnert äußerlich an eine kleine Luftmatratze oder eine Art aufblasbares Segel: Eine gasgefüllte, blau-violett schimmernde Blase treibt an der Wasseroberfläche. Das Gebilde ist üblicherweise zehn bis 30 Zentimeter lang und driftet mit der Strömung an der Wasseroberfläche, die kaum sichtbaren gallertartigen Tentakel und Fangfäden können unter der Oberfläche hingegen bis zu 25, manchmal sogar 50 Meter lang sein.
Diese enorme Reichweite macht die Portugiesische Galeere derart trügerisch und gefährlich. Der Körper auf dem Wasser mag meterweit entfernt sein, dennoch ist der Kontakt mit den nesselbewährten Fangfäden problemlos möglich. Bei Kontakt setzen diese einen hochwirksamen Giftcocktail frei.
Wer beim Schwimmen das auffällige lila-farbene Segel entdeckt, sollte deshalb schleunigst das Wasser verlassen. Wer es vom Strand aus bemerkt, tut gut daran, das Wasser von vornherein zu meiden.
Invasion der Portugiesischen Galeeren führt zur Sperrung von Stränden – 120 Menschen an einem einzigen Tag gestochen
Ein massenhaftes Auftreten von Portugiesischen Galeeren entlang der Küste des Baskenlandes in Spanien führte jüngst zur vorübergehenden Sperrung mehrerer beliebter Strände, wie die die Zeitschrift The Portugal News berichtet. Mehr als 120 Menschen, die an einem einzigen Tag gestochen wurden, mussten medizinisch behandelt werden.
Am Dienstag, 4. August, registrierten Rettungsteams demnach an den Stränden San Sebastians etwa 120 Fälle, bei denen Menschen wegen Stichen Hilfe benötigten. Das Phänomen traf die Küste der Provinz Gipuzkoa besonders stark. Rettungsschwimmer hissten letztlich die rote Flagge und das Schwimmen in bei Touristen beliebten Bereichen wurde verboten. Vorübergehend betroffen waren bekannte Strände wie La Concha, Ondarreta und Zurriola. Die örtlichen Behörden betonten jedoch, dass die meisten Fälle leichter Natur waren.
Auch das Département Pyrénées-Atlantiques, ein südliches Département in Frankreich, hat Besucher vor dem Auftreten von Portugiesischen Galeeren gewarnt. Lifeguards im südfranzösischen Département Pyrénées-Atlantiques raten aktuell weiter davon ab, an einigen Stränden der Region baden zu gehen. Dabei warnen weiße Flaggen mit Quallensymbol oder lila Flaggen vor der Portugiesischen Galeere, während eine rote Flagge das Schwimmen untersagt.
Was bei Kontakt passiert - welche Symptome auftreten
Eigentlich nutzt die Portugiesische Galeere ihre Tentakel dazu, kleine Fische und andere Beute zu fangen. Das Gift lähmt die Tiere innerhalb kürzester Zeit. Beim Menschen verursacht es starke Schmerz- und Entzündungsreaktionen. Die Nesselzellen reagieren empfindlich auf Berührung und Druck, schießen dann mikroskopisch kleine Harpunen in die oberen Hautschichten, die dann das hochwirksame Toxin abgeben. Schon einzelne Fäden können drastische Spuren hinterlassen – mehrfacher Kontakt über größere Hautareale hinweg erhöht die Giftdosis und damit das Risiko.
Typische Symptome sind plötzliche auftretende, stechende bis brennende Schmerzen, meist verglichen mit einem sehr starken Wespenstich. Dazu bilden sich entlang der betroffenen Hautpartien binnen Sekunden rote, schwielige Streifen, Blasen oder Quaddeln. Begleitend können Übelkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie -krämpfe, Bauch- oder Brustschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Schwindel auftreten.
Leichte bis moderate Reaktionen bei vergleichsweiße geringem Kontakt klingen normalerweise innerhalb von Stunden, spätestens Tagen ab. Bräunliche oder rötliche Verfärbungen der Haut bleiben hingegen meist noch deutlich länger sichtbar.
In etwa bis zu 15 Prozent der Fälle berichten Behörden von schwereren Verläufen. Diese gehen einher mit Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und – im Extremfall – Herzstillstand.
Für gesunde Erwachsene ist ein Kontakt zwar extrem schmerzhaft, verläuft jedoch nur in den allerseltensten Fällen tödlich – mit einer Ausnahme: Wer beim Schwimmen nach einem Stich in Panik gerät, läuft ernsthaft Gefahr, zu ertrinken. Reisemediziner gehen laut Geo davon aus, dass so mancher ungeklärte Badeunfall im offenen Meer auf einen vorherigen Kontakt mit den Staatsquallen zurückzuführen ist.
Erste Hilfe: Was nach einem Stich zu tun ist
Deshalb gilt in erster Linie die Devise: Ruhe bewahren. Wer mit einer Portugiesischen Galeere in Kontakt gerät, sollte ruhig und konsequent handeln. Folgende Punkte gilt es zu beachten.
- Unbedingt das Wasser verlassen.
- Rettungsschwimmer oder Helfer alarmieren – falls das nicht möglich ist, andere Badegäste auf sich aufmerksam machen und umgehend vor der Gefahr warnen.
- Die betroffene Hautstelle gründlich mit Meerwasser abspülen, um etwaige Tentakelreste abzuspülen – diese können ihr Gift auch dann noch abgeben, nachdem sie längst vom Mutterorganismus getrennt wurden. Auf keinen Fall mit bloßen Händen abstreifen – eine Pinzette, Kreditkarte oder einen Messergriff verwenden. Süßwasser, Alkohol oder andere Lösungen können Nesselzellen zum weiteren Giftabschuss anregen und sollten ebenfalls tunlichst vermieden werden – ebenso keinen Urin, Cremes oder Gels gegen Quallenstiche einsetzen.
- Bei Atemnot, Brustschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Bewusstseinsstörungen, großflächigem Kontakt mit vielen Tentakeln oder wenn Kinder betroffen sind, umgehend den Notruf wählen.
- Bei anhaltend starken Schmerzen kann im Nachgang ein heißes Wasserbad (etwa 40–45 Grad, 15 Minuten) Abhilfe schaffen; Hitze kann gewisse Eiweißgifte teilweise denaturieren – prinzipiell aber erst nach ärztlicher Rücksprache anwenden.


