Nürnberg - Nürnbergs Leitungswasser zählt zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln Deutschlands. Doch was steckt hinter den Werten – und warum sollten Mieter trotzdem genauer hinschauen?

Wasser aus dem Hahn oder lieber die Flasche aus dem Supermarkt? Für viele Menschen in der Metropolregion stellt sich diese Frage täglich. Leitungswasser zählt zu den am besten überwachten Lebensmitteln Deutschlands – es hat eine sehr gute Qualität und kann in den meisten Fällen bedenkenlos getrunken werden. Trotzdem gibt es auch Einschränkungen und wichtige Hinweise, die es zu beachten gilt. Wir haben uns die Lage in Nürnberg genauer angesehen und die Empfehlungen der Verbraucherzentrale Bayern eingeholt – mit Erkenntnissen, die weit über die Frankenmetropole hinaus gelten.

Die N-Ergie versorgt Nürnberg und Schwaig mit Trinkwasser. Rund 70 Prozent des Bedarfs stammen aus eigenen Wasserwerken – gewonnen aus natürlichem Grund- und Quellwasser aus fünf Gewinnungsgebieten in und um Nürnberg. Die restlichen 30 Prozent bezieht das Unternehmen vom Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum über eine Fernleitung aus dem Wasserwerk Genderkingen im Landkreis Donau-Ries.

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<p>Im Maschinenhaus des Wasserwerks Erlenstegen fördern drei Pumpen bis zu 350 Liter „Rohwasser“ pro Sekunde aus dem Sammelschacht.</p> © Hans-Joachim Winckler/NN

Kann ich Leitungswasser in Nürnberg trinken?

Die aktuellen Analysewerte der N-Ergie aus diesem Jahr sprechen eine deutliche Sprache: Nitrat, Blei, Pestizide, PFAS – all diese Stoffe liegen in Nürnberger Leitungswasser weit unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten, teils sind sie schlicht nicht nachweisbar. Der neue PFAS-Grenzwert, der seit Januar 2026 gilt, wird klar unterschritten. Die N-Ergie untersucht das Grundwasser seit 2009 auf diese besonders langlebigen Chemikalien – lange vor der gesetzlichen Pflicht.

Allgemein wird das Nürnberger Trinkwasser in rund 35.000 physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Einzeluntersuchungen pro Jahr von der N-Ergie geprüft. Das Fazit des Unternehmens: Das Nürnberger Leitungswasser ist uneingeschränkt trinkbar und sogar für die Zubereitung von Säuglings- und Babynahrung geeignet.

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<p>Seit 1896 in Betrieb: Das Wasserwerk in Nürnberg-Erlenstegen.</p> © Hans-Joachim Winckler/NN

In einer Nürnberg-Teilauswertung der bundesweiten Langzeitstudie „Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland“ (Erhebungszeitraum 2023/24) bewerteten über 87 Prozent der Befragten die Qualität des Nürnberger Leitungswassers als „sehr gut“ oder „gut“.

Vorsicht: Was zwischen Wasserwerk und Wasserhahn passieren kann

Soweit die guten Nachrichten. Doch die Verantwortung der N-Ergie endet an der Grundstücksgrenze. Ab dort liegt es an den Hauseigentümern und Vermietern, die Wasserqualität sicherzustellen. Wer in älteren Gebäuden wohnt, sollte beachten: Alte Installationen können die Wasserqualität negativ beeinflussen. Bleirohre, die bis 1973 verbaut wurden, müssen seit Januar 2026 ausgetauscht oder außer Betrieb genommen sein – Vermieter waren bereits ab 2013 gesetzlich verpflichtet, ihre Mieterinnen und Mieter über vorhandene Bleileitungen zu informieren.

Nicht nur Bleirohre können ein Problem sein – auch aus anderen älteren Leitungsmaterialien wie Kupfer oder Stahl können sich Schwermetalle ins Wasser lösen. Auch Legionellen können in schlecht gewarteten Warmwassersystemen ein Thema sein, besonders wenn Wasser längere Zeit in Leitungen steht. Vermieter sind gesetzlich verpflichtet, alle drei Jahre eine Legionellenprüfung durch ein zugelassenes Labor durchführen zu lassen – wer das versäumt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

So holst du das Beste aus deinem Leitungswasser heraus

Viele kennen das Phänomen: Ein Glas Wasser steht eine Weile auf dem Tisch – und schmeckt plötzlich abgestanden. Das hat einen einfachen Grund, wie die Verbraucherzentrale Bayern erklärt: Da Leitungswasser weder Eiweiße noch Zucker oder andere Nährstoffe für Mikroorganismen enthält, kann es zwar nicht verderben, kommt es jedoch längere Zeit mit Luft in Kontakt, verändert sich sein Geschmack.

Ähnliches gilt für Wasser, das länger als vier Stunden in den Rohren steht. Fachleute sprechen dabei von „Stagnationswasser“ – es kann Stoffe aus Armaturen oder Leitungen aufnehmen und eine erhöhte Keimzahl aufweisen. Ernährungsexpertin Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt deshalb: „Wasser zum Trinken oder Kochen sollte immer erst so lange aus dem Hahn laufen, bis es kühl wird. Das kann bis zu 30 Sekunden dauern. Dann ist das Wasser frisch.“ Den ersten Wasserschwall am Morgen oder nach dem Urlaub nutzt man am besten zum Blumengießen oder Putzen.

Fazit

Die Zahlen und Experten sprechen eine klare Sprache: Leitungswasser an sich hat in Nürnberg eine sehr gute Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden. Wer in einem älteren Gebäude wohnt, tut gut daran, seinen Vermieter auf die Hausinstallation anzusprechen – und mit ein paar einfachen Handgriffen holt man aus dem Wasser aus dem Hahn noch mehr heraus.

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