Nürnberg - Bisher kann sich Miroslav Kloses Derby-Bilanz mehr als nur sehen lassen. Nun will der FCN-Coach auch im fünften Anlauf unbesiegt bleiben, weiß aber um die Schwere der Aufgabe.

Nach dem souveränen 3:0-Erfolg an Spieltag eins grüßt der Club von einem Aufstiegsrang. Freilich fehlt dieser Momentaufnahme so früh in der Saison noch die ganz große Aussagekraft. Auf der Pressekonferenz vor dem 277. Frankenderby verriet Miroslav Klose aber, dass sich schon in wenigen Wochen - nämlich „nach fünf bis sieben Spieltagen“ - erste gehaltvollere Wasserstandsmeldungen anbieten. „Dann sieht man, wer sich wo einreiht und wie die Mannschaften drauf sind.“

Das Derby und die „eigenen Gesetze“

Ordentlich drauf war in der Vorwoche auch der ungeliebte Rivale vom Ronhof, der dem Bundesliga-Absteiger aus St. Pauli ein 1:1-Remis abtrotzte. Dabei präsentierte sich die SpVgg durchaus variabel im Spiel mit Ball. Im Laufe der Begegnung zog sich das Team von Heiko Vogel dann zunehmend in einen tiefen Block zurück, wobei es das Kleeblatt versäumte, für ausreichend Entlastung zu sorgen. Final stand dennoch eine unterm Strich leistungsgerechte Punkteteilung. Am Samstag jedoch werden die Karten neu gemischt: „Wir wissen schon ungefähr, wie sie spielen, aber kennen ihre Ausrichtung nicht“, hält Klose einen veränderten Kurs für denkbar. Eine wohlbekannte Floskel schiebt der Weltmeister von 2014 noch hinterher: „Das Derby hat seine eigenen Gesetze.“

Ohnehin richtet der Nürnberger Übungsleiter seinen Blick lieber auf die eigene Mannschaft. „Es wird viel auf uns ankommen: Wie wir verteidigen und wie wir mit dem Ball umgehen“, prognostiziert Klose. Der langjährige Nationalspieler erwartet ein „ausgeglichenes Spiel“, in dem „Kleinigkeiten“ den Ausschlag in die eine oder andere Richtung geben werden. Das Kleeblatt, das sich bekanntermaßen erst im Saisonfinale in die Relegation rettete, hält der Chefcoach für einen „gefährlichen Gegner.“ Die jüngsten Eindrücke vom Millerntor bestätigen das Urteil des 48-Jährigen.

Viel Wirbel, doch Zoma bleibt „entspannt“

Selbst löste der Club seine Aufgabe beim Zweitliga-Auftakt gegen Dresden derweil noch überzeugender. Ein Akteur stach einmal mehr heraus: Dreierpacker Mohamed Zoma erwischte einen weiteren Sahnetag, von denen er im FCN-Dress inzwischen schon so manchen hatte. Sorgen, dass der auf dem Transfermarkt begehrte 22-Jährige die Bodenhaftung verlieren könnte, hat Klose nicht: „Man hat es ihm gar nicht angemerkt. Er war wie immer total bodenständig und hat richtig gut trainiert.“ Jetzt hoffe man, dass der Torjäger, dem sein Coach „einen sehr guten Lauf“ attestiert, den Schwung ins Frankenderby mitnimmt. Die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht: Schließlich habe Zoma so „entspannt“ wie Klose selbst auf den einsetzenden Hype um seine Person reagiert.

Während der unaufgeregte italienische Shootingstar seinen Gegnerspielern auf links - insbesondere wohl Jannik Dehm - reichlich Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte, deutet im Sturmzentrum wieder alles auf Piet Scobel hin. Der Blondschopf könnte aber neue Konkurrenz erhalten: Zugang Sigurd Haugen ist nach überstandenem Infekt ein Kandidat für das Nürnberger Aufgebot. An der Erfolgself aus der Vorwoche dürfte Klose jedoch kaum rütteln. Einzig rechts hinten scheint die Tür für Giannis Masouras einen Spalt offen: „Er hatte eine richtig gute Trainingswoche und ich weiß, dass er auf den Einsatz brennt“, lobte der ehemalige Stürmer den griechischen Routinier. Letztendlich aber könnte die Nürnberger Devise - wie so häufig unter Kloses Regie - lauten: Never change a winning team.