
Monotone Rasenflächen, Schottergärten, Kirschlorbeerhecken – viele Gartenbesitzer entscheiden sich für pflegearme, aber ökologisch wertlose Lösungen. Dabei muss das kein Widerspruch sein: Ein naturnaher, artenreicher Garten kann sogar weniger Arbeit machen als ein englischer Rasen. Wie das gelingt, erklärt Gartenarchitekt Klaus Kaiser aus Coburg, der regelmäßig Vorträge zu naturnaher Gartengestaltung hält. Er selbst bewirtschaftet einen rund 800 Quadratmeter großen Garten und hält den Aufwand bewusst gering: „Mit dem Frühjahrsrückschnitt hat man natürlich ein bisschen Arbeit, aber sonst ist da nicht viel zu machen. Nur ab und zu etwas Verblühtes abschneiden und einzelne Unkräuter entfernen – mehr ist da nicht.“
Mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie
Der entscheidende Grundsatz für Kaiser: mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie. Wer das beherzige, könne im Garten entspannen und müsse nur gelegentlich eingreifen. „Eine Felsenbirne zum Beispiel muss ich niemals schneiden. Bei einer Zaubernuss wäre es sogar eine Sünde, da rumzuschnippeln“, sagt er. Vieles dürfe einfach wachsen, ohne den obligatorischen Kugelschnitt.
Kaiser empfiehlt einen üppigen Garten mit einer Fülle an Stauden und Gehölzen. Die einmalige Anlage der Beete koste zwar etwas Zeit und Geld, zahle sich aber langfristig aus: „Ein Staudenbeet legt man für 20 bis 30 Jahre an.“ Wer früh plane, spare später umso mehr.
Kein offener Boden: Rindenmulch, Pinienrinde und Bodendecker
Ein zentrales Prinzip des naturnahen Gartens: kein offener Boden. „Das Unnatürlichste ist offener Boden, der kann niemals das Ziel sein. In der Natur ist alles bewachsen. Wenn man das im Garten anders hat, zieht sich das Bodenleben zurück und verkapselt sich. Außerdem wachsen bei offenem Boden überall Ackerunkräuter“, warnt Kaiser.
Bei frisch angelegten Beeten empfiehlt er, freie Flächen zunächst mit Rindenmulch abzudecken. Noch besser sei Pinienrinde, die langsamer verrottet und den Boden weniger übersäuert. Langfristig sei es am besten, die Lücken zwischen Stauden und Gehölzen nach und nach mit Bodendeckern zu schließen – dann kämen Unkräuter kaum noch durch.
Naturnaher Garten bedeute nicht, alles wild wuchern zu lassen. Kaiser rät dazu, Pflanzen „naturhaft zu kombinieren“: Man sollte wissen, welche Pflanzen zu welchem Standort passen, wie groß sie werden – und ob sie miteinander harmonieren, ohne sich gegenseitig zu unterdrücken. Im Einkaufswagen sollten nicht nur Modepflanzen landen, sondern solche, die wirklich in den eigenen Garten passen.
„Es soll nicht nur im ersten Moment schön aussehen, sondern auch noch in fünf oder zehn Jahren. Sonst hat man dann erneut Arbeit damit und braucht wieder neue Pflanzen“, sagt Kaiser. Ein gut geplanter Garten belohne seine Besitzer außerdem mit natürlichem Schädlingsschutz: „Bei uns im Garten haben wir zum Beispiel kein Problem mit Blattläusen. In einem gut angelegten Garten gibt es genug natürliche Feinde.“
Tipp für große Gärten
Wer einen großen Garten hat und nicht jede Woche Hunderte Quadratmeter Rasen mähen möchte, könne Teile davon in eine Blühwiese umwandeln. Denkbar wäre, mit einer Motorhacke den Rasen umzubrechen und anschließend mit hochwertigem Saatgut neu einzusäen. „Die Blühwiese ist ökologisch viel wertvoller und man muss sie nur ein- bis dreimal im Jahr mähen – da spart man sich also viel Arbeit“, sagt Kaiser. Blumenzwiebeln von Frühblühern könnten direkt in die Wiese eingesetzt werden und würden so für eine frühe Blütenfülle sorgen.
Die richtige Einstellung macht den Unterschied
Für Kaiser ist neben allen praktischen Tipps vor allem die innere Haltung entscheidend: „Man sollte das nicht als Arbeit sehen, sondern als Ausgleich. Man muss eine Beziehung zu seinem Garten aufbauen. Wenn man einen pflegeleichten Garten hat, kann man da mit Freude rangehen.“ Ein Garten, der mit der Natur arbeitet statt gegen sie, sei letztlich nicht nur weniger aufwendig – sondern auch schöner, artenreicher und wertvoller.
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