
Was steckt wirklich in deiner Blumenerde?
Viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner greifen beim Einkauf gedankenlos zur vertrauten Blumenerde. Kein Wunder – sie soll ja schließlich das Beet zum Blühen bringen, Wasser speichern und Nährstoffe liefern. Was die meisten dabei nicht wissen: Die meisten Produkte bestehen überwiegend aus Torf. Und der kommt aus den Mooren. „Torfabbau zerstört unsere Moore und fördert den Klimawandel. Damit muss Schluss sein“, betonen die Verantwortlichen beim Bund Naturschutz (BN) klar.
Warum Torf so ein Problem ist
Moore sind echte Klimaschützer: Tausende Jahre lang haben sie Kohlenstoff gespeichert – in Form von abgestorbenen Pflanzenresten, die sich langsam zu Torf verwandeln. Wenn Moore für den Torfabbau entwässert werden, wird dieser gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt. Gleichzeitig verlieren seltene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum – viele von ihnen kommen nur in Mooren vor.
Die Zahlen sind ernüchternd: In Bayern sind 95 Prozent der Moore bereits trocken gelegt. Sie verursachen rund sechs Prozent der bayerischen Treibhausgasemissionen – das entspricht etwa fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Da in Bayern der Torfabbau mittlerweile weitgehend eingestellt ist, kommt der Torf für deine Blumenerde meist aus Osteuropa und dem Baltikum. „Moore im Baltikum und Osteuropa werden zerstört, nur damit in unseren Gärten Rhododendren oder Dahlien optimal versorgt werden“, kritisiert Richard Radle, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe Roth.
„Bio“ heißt nicht automatisch torffrei – aufgepasst!
Du greifst lieber zur Bio-Erde? Gut gedacht – aber Vorsicht: „,Bio‘ bedeutet nicht gleich torffrei“, warnt Radle. Auch torfreduzierte oder torfarme Varianten empfiehlt der Bund Naturschutz nicht mehr. „In Zeiten von Klimawandel und Artensterben darf kein Kompromiss mehr gemacht werden – auch nicht beim Gärtnern.“ Die gute Nachricht: Torffreie Erde gibt es in jedem Gartencenter. Du musst nur genau hinschauen und beim Kauf auf die Kennzeichnung achten.
Düngen – aber bitte ohne Chemie
Auch beim Düngen lohnt sich ein zweiter Blick. Künstliche Düngemittel landen schnell im Grundwasser – laut Umweltbundesamt gelangen jährlich 50 Kilogramm Stickstoff pro Kopf in die Umwelt.
Radle rät: Dünge nur das, was deine Pflanzen wirklich brauchen – und greif lieber zu Kompost. Der schont die Moore, versorgt deine Pflanzen mit allem, was sie brauchen, und das ganz ohne Chemie.
Pestizide im Garten? Lieber nicht
Und noch ein heißes Thema: Pestizide. Laut Radle werden in Deutschland jährlich Hunderte Tonnen Gift in privaten Gärten versprüht – teils dieselben Wirkstoffe wie auf Äckern, zum Beispiel das Breitband-Herbizid „Roundup“. Das Problem: „Wir vernichten dadurch die Vielfalt im Garten, gefährden unsere Gesundheit und schädigen nachhaltig die Umwelt. Mit dem Gift werden nicht nur ungeliebte Gäste und Beikräuter getötet, sondern auch erwünschte Insekten und Pflanzen.“ Kurz gesagt: Dein Garten kann ein kleines Stück Klimaschutz sein – fang einfach bei der Erde an.