Nürnberg - Wenn sich am Mittwoch der Mond vor die Sonne schiebt, wissen die meisten Menschen was los ist. Doch Tiere werden von der partiellen Sonnenfinsternis kalt erwischt - so wirkt sich das auf ihr Verhalten aus.

Menschen in Bayern haben am 12. August 2026 gute Karten, das Naturschauspiel zu erleben. Der Freistaat gehört zu den Bundesländern, in denen der Mond die Sonnenscheibe am meisten verdeckt, denn es gilt: Je weiter im Süden und Westen Deutschlands, desto besser zum Beobachten der partiellen Sonnenfinsternis. Viele Menschen freuen sich darauf und decken sich bereits mit Schutzbrillen ein und suchen einen erhöhten Platz mit guter Sicht. Die Aufregung liegt zunächst am Seltenheitswert des Ereignisses: Wer das Spektakel verpasst, muss bis 2081 warten, bis er Vergleichbares wieder sehen kann. Was man beachten sollte, kannst du hier nachlesen.

Wild- und Haustiere wissen wahrscheinlich nicht so genau was los ist, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt und es plötzlich dunkler und kühler ist, als für die Tageszeit üblich. Macht ihnen das Angst? Sind Tiere verwirrt? Einige Forschende haben das Verhalten von Tieren während einer Sonnenfinsternis untersucht - mit spannenden Erkenntnissen.

Reaktionen von Tieren auf Sonnenfinsternis überraschend stark

Forschende der North Carolina State University rund um Forschungsleiter Adam Hartstone-Rose haben während der Sonnenfinsternis am 8. April 2024 beobachtet, wie Tiere im Zoo von Fort Worth in Texas auf eine totale Sonnenfinsternis reagieren.

Die Untersuchung knüpft an eine Studie während der totalen Sonnenfinsternis von 2017 im Riverbanks Zoo in South Carolina an. Damals beobachteten rund 40 Forschende das Verhalten von 17 Tierarten. Die Ergebnisse überraschten selbst Hartstone-Rose, der zunächst kaum Reaktionen erwartet hatte.

Beobachtet wurden von den Forschenden dieser Studie 2017 unter anderem Galápagos-Riesenschildkröten. Die Tiere bewegten sich plötzlich schneller und begannen sich zu paaren. Giraffen galoppierten, obwohl sie normalerweise nur rennen, wenn sie verfolgt werden. Siamangs, eine Gibbonart, veränderten ihr normalerweise sehr lautes Rufverhalten und zeigten ein anderes Vokalisationsmuster.

Diese Reaktionen traten vor allem während der kurzen Phase der vollständigen Verfinsterung auf. 2024 sollte die Studie deutlich ausgeweitet werden. Das Forschungsteam beobachtete im Zoo unter anderem: Gorillas, Giraffen, Flamingos, weitere Gibbonarten, Orang-Utans und Zwergschimpansen.

Die Wissenschaftler wollten dabei gleich mehrere Fragen beantworten: Welche Tierarten reagieren auf eine Sonnenfinsternis und wie? Durch Bewegung, Paarungsverhalten oder Laute? Wie stark muss die Sonne verdeckt sein, damit eine Reaktion auftritt? Unterscheiden die Reaktionen je nach Tierart und Lebensraum?

Da die vollständige Dunkelheit am Beobachtungsort nur ungefähr zwei Minuten dauerte, war eine intensive Vorbereitung notwendig. Das Team schulte Forschende, Studierende und sogar Lehrkräfte aus Kanada, die als Beobachterinnen und Beobachter eingesetzt wurden.

Ein wichtiger Teil des Projekts war auch die Beteiligung der Öffentlichkeit. Über das Programm „Solar Eclipse Safari“ konnten Menschen in ganz Nordamerika ihre eigenen Beobachtungen melden – etwa von Haustieren, Vögeln, Eichhörnchen,, Tieren auf Bauernhöfen oder Ranches.

Die Teilnehmenden sollten bereits etwa eine Stunde vor der Verfinsterung mit der Beobachtung beginnen und während der Totalität möglichst minutengenau dokumentieren, was die Tiere taten. Dadurch wollten die Forschenden Daten aus verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Graden der Sonnenbedeckung sammeln.

Die Ergebnisse wurden zunächst als vorläufige Beobachtungen vorgestellt, nicht als abschließend ausgewertete Einzelstudie.

Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass die Tiere die Finsternis überwiegend für das reguläre Ende des Tages hielten. Bei der Totalität begannen viele Tiere, sich so zu verhalten, als würde die Nacht hereinbrechen:

Tagaktive Tiere wurden ruhiger, wollten in ihre Innengehege, ruhten oder erwarteten offenbar die Abendfütterung. Nachtaktive Tiere wurden aktiver. Das Verhalten war damit vor allem eine kurzzeitige Reaktion auf die abrupte Dunkelheit und die veränderten Umweltbedingungen – eine Art vorgezogene Abendroutine.

Auffällig war vor allem der Vergleich zu der früheren Untersuchung von 2017. Die Tiere in Fort Worth wirkten wesentlich weniger gestresst und weniger hektisch als die Tiere im Riverbanks Zoo in South Carolina.

Das Team um Hartstone-Rose erklärt sich diesen Unterschied mit äußeren Einflüssen: 2017 hatten während der Finsternis große Menschenmengen gejubelt, geschrien und teilweise Feuerwerk gezündet. In Fort Worth war die Besucherzahl dagegen begrenzt; zur Finsternis waren dort ungefähr 2200 Menschen anwesend, deutlich weniger als die übliche Kapazität von rund 8.000 Besucherinnen und Besuchern.

Daraus entwickelte Hartstone-Rose die zentrale Hypothese: Die Tiere reagieren offenbar nicht hauptsächlich deshalb ängstlich, weil sich der Himmel verdunkelt. Ein erheblicher Teil der Unruhe könnte durch die Reaktionen der Menschen verursacht worden sein.

Forschung gestaltet sich schwierig - Ergebnisse vage

Totale Sonnenfinsternisse sind selten, dauern nur wenige Minuten und lassen sich kaum unter identischen Bedingungen wiederholen. Das macht es für Forschende schwierig, zu eindeutigen Ergebnissen zu gelangen. Viele ältere Untersuchungen beruhen deshalb auf Einzelbeobachtungen oder Bürgerwissenschaft, neuere Studien nutzen zunehmend Radar, automatische Tonaufnahmen und standardisierte Beobachtungsprotokolle.

Die erste groß angelegte wissenschaftliche Beobachtung von Tieren bei Sonnenfinsternis wurde bereits vor mehr als hundert Jahren durchgeführt.

Observations on the Behavior of Animals During the Total Solar Eclipse of August 31, 1932 wertete fast 500 Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern, Naturkundlern und Wildhütern aus. Besonders häufig wurden Verhaltensweisen beschrieben, die normalerweise mit dem Übergang zum Abend oder zur Nacht verbunden sind:

Vögel hörten auf zu singen oder suchten Schlafplätze auf, Bienen kehrten in ihre Stöcke zurück und Grillen begannen zu zirpen. Eulen wurden aktiv. Fledermäuse und andere nachtaktive Tiere schienen ihre Aktivität zu erhöhen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Forschende im Rahmen der Studie Continental-Scale Behavioral Response of Birds to a Total Solar Eclipse rund um David Mann im Jahr 2025:

Diese Studie ist eine der methodisch stärksten neueren Untersuchungen. Sie analysierte Daten von 344 automatischen akustischen Messstationen in Nordamerika während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024. Mithilfe maschineller Lernverfahren wurden Vogelrufe automatisch erkannt. Messstationen mit deutlichen menschlichen Geräuschen wurden ausgeschlossen.

Die zentralen Ergebnisse belegen eine deutliche Abnahme der Vogelrufe vor allem an Orten mit mehr als 99 Prozent Sonnenverdeckung. Bei geringerer Teilverfinsterung war kein einheitlicher Effekt erkennbar. Die Reaktionen unterschieden sich stark zwischen Standorten und Arten. Einige Vögel, darunter einzelne Rotkehlchen und Meisen, sangen auch während der Totalität weiter. Temperatur, Wind, Bewölkung und geografische Lage erklärten die Unterschiede nur unzureichend. Die Studie kommt daher zu einem differenzierten Schluss: Totale Finsternis kann die akustische Aktivität von Vögeln verringern, aber es gibt keine universelle Reaktion aller Vogelarten.

Zusammenfassen lässt sich also: Sonnenfinsternisse können bei vielen Tieren kurzfristig den Tagesrhythmus stören und Abend- oder Nachtverhalten auslösen. Die Stärke und Richtung der Reaktion hängen jedoch stark von Tierart, Standort, Jahreszeit, Brutstatus und menschlichen Begleitumständen ab.