
Quo vadis, 1. FC Nürnberg? In den vergangenen Jahren konnte man diese Frage oftmals nur mit einem Schulterzucken quittieren – zu groß war der Umbruch, zu unbekannt viele Neuzugänge, zu spät stand überhaupt der finale Kader fest. Auch in diesem Jahr muss der Club insbesondere in der Defensive einen massiven Aderlass bewältigen, verlor er doch seine gesamte Stamm-Viererkette. Ansonsten blieb die Mannschaft aber über weite Strecken zusammen und verstärkte sich abermals mit spannenden Neuzugängen, deren Entwicklung aber noch einer Wundertüte gleichkommt.
Da der 1. FC Nürnberg aber heuer in seinen Transferplanungen deutlich weiter fortgeschritten ist als zum Start der Vorsaison und da er auf eine durchaus erfolgreiche Vorbereitung zurückblicken kann, trauen viele Experten dem Team von Trainer Miroslav Klose gar eine Verfolgerrolle im Aufstiegsrennen zu. Auch Mittelfeld-Chef Adam Markhiev und Neuzugang Ioannis Masouras nahmen jüngst das A-Wort in den Mund. Der Cheftrainer hingegen sträubte sich auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden ein öffentliches Saisonziel zu formulieren. Zwar sei er „genauso selbstbewusst und ehrgeizig wie seine Spieler“, dennoch werde man vorerst nur intern ein klares Ziel kommunizieren. Ein großer Faktor ist dabei sicherlich auch die Erfahrung aus der Vorsaison: „Für mich ist es wichtig, dass wir gut in die Saison starten, und dann von Spiel zu Spiel denken.“
Im ersten Spiel steht direkt ein Gradmesser auf dem Programm: Mit der SG Dynamo Dresden reist die viertbeste Rückrunden-Mannschaft der Vorsaison an, die nahezu alle Leistungsträger halten und sich zudem punktuell verstärken konnte. Entsprechend schätzt Klose den kommenden Kontrahenten als starken Zweitligisten ein: „Ich habe sie sehr hoch im Kurs dieses Jahr, weil es eine Einheit ist, weil sie sehr gute Abläufe haben, auch in ihren Pressingphasen.“ Tatsächlich etablierte Trainer Thomas Stamm bei der Sportgemeinschaft einen klaren Spielstil, der Offensiv von hoher Dynamik und viel Rotation und Defensiv von aggressivem Pressing und hoher Disziplin geprägt ist. Für den 1. FC Nürnberg bedeutet das: „Wir müssen mutig sein und sie ins Laufen bringen.“
Hoffnung auf einen erfolgreichen Saisonauftakt macht unter anderem die Vorbereitung, in der die Truppe bereits deutlich eingespielter wirkt, als es im Vorjahr etwa der Fall war. Insgesamt zeigte sich Klose mit der Vorbereitung „sehr zufrieden“ und erklärte: „Wir konnten viele Dinge trainieren, die wir uns vorgenommen haben, aber letztendlich sehen wir es erst am Sonntag.“ Erfreulich war zudem, dass abgesehen von Neuzugang Rayan Ghrieb keine weiteren größeren Ausfälle zu beklagen waren.
Erfreulicherweise hat der Flügelstürmer seine Muskelverletzung schnell auskuriert und ist am Sonntag laut Klose „sicherlich im Kader“, wenngleich er mutmaßlich vorerst nur von der Bank kommen dürfte. Verzichten muss der 48-Jährige indes auf Mikayil Faye, bei dem es „noch bisschen dauern wird, bis er zur Mannschaft stößt“, sowie auf Andrea Ceresoli (Rückstand) und Styopa Mkrtchyan (muskuläre Verletzung). Die Startelf dürfte insgesamt wenige Überraschungen bereit halten, scheinen doch viele Entscheidungen bereits gefallen zu sein – etwa in der Innenverteidigung, wo die Neuzugänge Fynn Otto und Alexios Kalogeropoulos gesetzt sein dürften.
Die neuen Abwehrkräfte haben bislang gute Leistungen gezeigt, dennoch – das betonte der Cheftrainer mehrmals – weht am Sonntag im Pflichtspiel ein anderer Wind: „Wir wissen, dass wir hinten viele Neue geholt haben, die sich bisher sehr gut eingespielt haben, aber ab Sonntag ist Druck da.“
Druck ausüben sollen hingegen insbesondere jene Spieler, die am Sonntag den Kürzeren ziehen und auf der Bank Platz nehmen müssen. „Ich hoffe, dass es scheppert und knallt im Konkurrenzkampf“, forderte Klose. Im Team sei die Vorfreude jedenfalls „riesengroß“, die entsprechende „Euphorie“ vor dem Saisonstart spüre er auch bei den Fans. Und sie lässt sich sogar in Zahlen messen: Für das Auftaktspiel im Max-Morlock-Stadion werden 42.000 Zuschauer erwartet.
