
Sonntagmittag in der Nürnberger Innenstadt: Große Schaufenster des ehemaligen Ladengeschäfts „Klara“ geben den Blick frei auf mehr als zehn Personen, die es sich an einem großen Tisch gemütlich gemacht haben. Viele haben etwas zu essen und zu trinken dabei. Es wird gelacht, diskutiert, sich ausgetauscht. Manchmal werfen Passanten einen neugierigen Blick hinein. Was hier passiert? Die Bücher am Tisch lassen erahnen: Hier findet ein Treffen eines Buchclubs statt. Heute wird der Roman „Gym“ von Verena Keßler besprochen. Alle haben den Titel in den vergangenen Wochen gelesen. Und es gibt einiges zu debattieren, schließlich ist es eine Geschichte, die viel Spannung, gesellschaftliche Fragen und eine Portion Grusel mit sich bringt.
Tanja hat den Lesekreis Bücherwühlmäuse Nürnberg-Fürth vor rund sieben Jahren gegründet - offensichtlich mit vollem Erfolg. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind schon lange dabei, kennen sich gut, andere sind zum ersten oder zweiten Mal hier.
„Zum Zeitpunkt der Gründung war ich noch relativ neu in der Metropolregion und hatte nach einer Möglichkeit zur Vernetzung gesucht“, erzählt Tanja über die Anfangszeit. Und sie habe es vermisst, über Bücher, die sie gelesen habe, ausführlich zu sprechen, so wie es etwa während der Schulzeit und des Studiums der Fall war. „Außerdem ist mir aufgefallen, dass es selbstverständlich war, nach gemeinsamen Kino-Besuchen noch über den Film zu quatschen. Und ich dachte mir, dass sich das doch übertragen lässt.“
Buchclubs mit reichlich Gesprächsstoff in Franken
Und so geht es nicht nur Tanja. Zwar gibt es keine zentralen Erhebungen zur Anzahl von Buchclubs, doch online Phänomene wie Bookstagram oder BookTok haben das Lesen in den vergangenen zehn Jahren wieder zu mehr Sichtbarkeit verholfen. Social Media ist ein wichtiger Teil der Vernetzung. Dass auch die Lust am analogen Treffen und Diskutieren steigt, zeigt die Vielzahl an Buchclubs - auch in der Region. So trifft sich der queere Buchclub Erlangen monatlich. Ebenfalls mit queerer und feministischer Literatur beschäftigt sich „Zwischen den Seiten“ in Nürnberg. Dass virtuelle Impulse zu analogen Treffen und lokalen Communities führen können, hat auch der NDR-Podcast „eat.READ.sleep“ bewiesen. Hörerinnen und Hörer haben sich zu Lesekreisen zusammengeschlossen. So auch in Nürnberg, Würzburg oder Ansbach. Kontakt zu den Gruppen in deiner Nähe findest Du hier über die Karte des Podcasts.
Ist das was für mich? Das macht den Reiz von Buchclubs aus
Doch was macht Buchclubs eigentlich so reizvoll? Für Tanja ist klar: „Durch den Buchclub lese ich auch immer wieder Bücher, die außerhalb meines üblichen Schemas liegen oder die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Außerdem liebe ich die verschiedenen Perspektiven. Selbst wenn mir ein Buch mal nicht gefallen hat, kann ich durch die Beiträge der anderen dennoch spannende Aspekte erkennen.“
Die Bücherwühlmäuse Nürnberg-Fürth treffen sich abwechselnd in beiden Städten in verschiedenen Locations, etwa alle sechs bis acht Wochen. Wobei unterschiedliche Projekte wie Sachbuch- oder Belletristik-Treffen noch parallel laufen.
Lesen verbindet nun mal, das wird nicht nur an der Entstehung von verschiedenen Parallelgruppen deutlich, sondern auch daran, dass sich viele an diesem Sonntagnachmittag nach zwei Stunden Besprechung schon wieder auf den nächsten Lesekreis freuen.
Du hast selbst einen Lesekreis in der Region gegründet oder möchtest auf einen aufmerksam machen? Melde dich gerne bei uns unter nordbayern@vnp.de und wir nehmen deinen Buchclub gerne noch in unseren Überblick auf.