
Strahlender Sonnenschein und spektakuläre Bergkulisse: Mit hunderten PS fahren die Sportwagen über die Alpenpässe in den Dolomiten. „Südtirol erleben“, schreiben die Porsche-Zentren in Berlin auf Facebook am 23. Juni. „Bei unserer 12‑Pässe‑Tour mit Helikopterflug über die Dolomiten verschmelzen Sonne, spektakuläre Bergkulissen und legendäre Passstraßen zu einem einzigartigen Fahrgefühl im Porsche. Jede Kurve ein Highlight, jeder Moment pure Faszination“, heißt es weiter.
Während manche Gemeinden in der Region gegen den zunehmenden Verkehr ankämpfen, werben Anbieter wie Porsche mit organisierten Touren über die beliebten Alpenpässe. Was für Teilnehmende womöglich ein unvergesslicher Ausflug ist, gefällt vielen Anwohnerinnen und Anwohnern so gar nicht. Unter dem Facebook-Post von Porsche häufen sich kritische Kommentare: „Bleibt zu Hause“, „bitte unterlasst in Zukunft solche Veranstaltungen“, äußern sich Userinnen und User. Insgesamt hat der Beitrag bereits fast 500 Kommentare gesammelt - überwiegend negativ - und wurde über 30-mal geteilt. Der Unmut ist groß und die Kritik eindeutig: „Das, was Sie hier veranstalten, ist völlig respektlos sowohl der Natur als auch der Südtiroler Bevölkerung gegenüber“, schreibt ein User. „Verschont uns mit eurem peinlichen Gepose [...] und sucht ‚Spaß‘ nicht auf Kosten von Natur, Menschen und Umwelt“, merkt ein anderer an.
Gegenüber dem Münchner Merkur bestätigt Porsche, dass es sich bei der Tour um ein Angebot der Wiegand Drive Events handelt. Diese werde in Kooperation mit den Porsche-Zentren in Berlin durchgeführt, heißt es dem Bericht zufolge. Demnach werden die Ausfahrten von Porsche organisiert und unterstützt. Für das „außergewöhnliche Kurvenabenteuer auf den idyllischen Pässen Südtirols“, wie die dreitägige Spritztour auf der Anbieter-Website beworben wird, werden zwischen 2195 und 3245 Euro fällig. Inklusiv sind dabei drei Übernachtungen in einem 5-Sterne-Hotel in St. Kassian sowie ein Helikopterrundflug. Auch solche Rundflüge stoßen bei den Einheimischen auf massive Kritik. Diesem Ärger machen sie unter dem Facebook-Post ebenfalls Luft.
Südtiroler Landesregierung reagiert auf großen Verkehrsandrang
Doch Porsche geht darauf nur am Rande ein: „Wir stellen verantwortungsvolles und klimabewusstes Handeln in den Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit – in allen Geschäftsbereichen und in der gesamten Lieferkette“, heißt es in der Nachhaltigkeitsstrategie auf der Website der Porsche Holding. Gegenüber dem Münchner Merkur erklärte das Unternehmen, man verfolge „einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische und soziale Aspekte entlang unserer Wertschöpfungskette berücksichtigt“. „Entsprechende Hinweise und Kritikpunkte“ nehme Porsche demnach ernst, „insbesondere wenn sie ökologisch sensible Regionen betreffen“. Unter dem Facebook-Post selbst bezieht Porsche bislang keine Stellung.
Indes haben sich die regionalen Gegebenheiten bereits geändert. Derartige Fahrten sind künftig wohl nur noch eingeschränkt möglich, wie die Südtiroler Landesregierung im Juni mitteilte. Demnach sind organisierte Motorsportveranstaltungen auf bestimmten Staats- und Landesstraßen künftig verboten.