
Der Bierabsatz sinkt, immer mehr Menschen setzen auf antialkoholische Alternativen. Bier wird auch im Bierland Bayern immer unpopulärer, die Brauereien ächzen. Allem voran ist Weißbier mit seinem hohen Sättigungsgrad und seinem gageligen Glas gerade bei jüngeren Generationen wenig beliebt - Helles ist die vielfach gewählte Alternative. Dabei hat Weizen gerade in Bayern einen hohen kulturellen Wert, der momentan auf dem abgesteigenden Ast scheint. Denn Weißbier, so scheint es, ist etwas geworden, was Ältere im Wirtshaus trinken oder Sportler nach getaner Arbeit, wenn der Körper nach isotonischen Getränken fordert.
Um Weizen wieder sexier zu machen, ist die älteste Weißbierbrauerei der Welt aus Kelheim eine ungewöhnliche, aber geografisch naheliegende Kooperation eingegangen: Schneider Weisse bringt das Tream-Weißbier auf den Markt. Pate und Schöpfer ist der 27-jährige Schlagerrapper aus der Oberpfalz, genauer gesagt aus Schwandorf. Tream hat es im Kelheimer Sudhaus kreiert und auch gebraut. „Während klassische Bierkategorien zunehmend um jüngere Konsumenten werben, soll die Kooperation neue Zugänge zur Weißbierkultur schaffen“, betont das Fachmedium Getränke-Zeitung. Die Kommunikation rund um das Produkt werde deshalb stark aus der Perspektive des Künstlers erzählt, orientiert sich an dessen Sprache und richtet sich an dessen Community.
„Timo Grabinger steht seit Jahren mit einem Weißbier in der Hand auf der Bühne. Das ist der beste Beweis dafür, dass Weißbier auch heute noch junge Menschen begeistern kann“, sagt Georg VII. Schneider gegenüber der tz und ergänzt dort: „Der Markt ist hart: Der Bierabsatz liegt bei minus sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und Weissbier noch deutlicher im Minus. Da kann man jammern oder etwas tun.“
Schneider Weisse setzt bei der Kooperation mit Tream auf mehr als den nur Promi-Faktor. Die Brauerei will mit dem Musiker vor allem jüngere Menschen ansprechen und Weißbier für diese Zielgruppe wieder attraktiver machen. Dass die Wahl auf Tream fiel, ist dabei naheliegend: Der 27-Jährige stammt aus Büchelkühn bei Schwandorf, ist also ein waschechtes Dorfkind, kommt aus einer Gastrofamilie und steht öffentlich seit Jahren mit seinem Partyschlager-Rap für einen heimatnahen, bayerisch geprägten Stil. Seine Wurzeln tauchen in vielen seiner Texte auf, das weiß-blau karierte Halstuch gehört längst zu seinem Markenzeichen. Genau diese Mischung aus Bekanntheit, Heimatbezug und Nähe zur Lebenswelt junger Fans dürfte für Schneider Weisse entscheidend gewesen sein. Und vielleicht auch, dass er nur 45 Autominuten vom Standort der Schneider Weisse entfernt seine Kindheit und Jugend verbrachte.
Seit rund drei Jahren geht es für Tream steil nach oben. Mit seinem Mix aus Pop, Schlager und Hip-Hop hat sich der Musiker aus der Oberpfalz in kurzer Zeit einen Namen gemacht und füllt Konzertlocations - in Nürnberg war er erst im Dezember 2025, am Samstag, 11. Juli, gastiert er im Stadionpark in Nürnberg. Auf der Musikstreamingplattform Spotify zählt er aktuell 2,8 Millionen monatliche Hörerinnen und Hörer. Sein Album „Stammtischparolen“ stieg Ende Mai direkt auf Platz eins der deutschen Charts ein. Derzeit ist Tream auch in der Vox-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ zu sehen. Am 14. August steht er in München auf dem Königsplatz auf der Bühne, wenn seine Tour „Zur Weißbier-Probe“ dort Station macht. Dass Weißbier für ihn mehr ist als nur ein Tourtitel, hat der Schwandorfer schon mehrfach deutlich gemacht: Vom Wunsch, selbst einmal Weißbier zu brauen, sprach er auf der Bühne schon länger.
„Ihr wisst, wie sehr ich meine bayerische Heimat und ein verdammt gutes Bier feiere“, sagt Tream auf der Webseite der Brauerei. „„Schon als junger Bursche habe ich davon geträumt“, erklärt er sich dort. „Aber ich wollte nicht nur mein Gesicht auf irgendein Etikett klatschen. Deswegen habe ich mich mit den Braumeistern zusammengetan und meine komplett eigene Rezeptur entwickelt. Ein Weissbier, das unsere bayrischen Wurzeln feiert und richtig gut schmeckt. Genau die Energie, die ihr von mir auf der Bühne kennt, steckt hier jetzt in der Flasche“, schreibt er dort in einer Art werbendem Selbstbekenntnis.
Und was haben Tream und die Braumeister kreiert? Die Tream-Weisse sei „erfrischend, fruchtig und angenehm crisp, mit einer feinen, leicht herben Orangennote im Abgang“, beschreibt Braumeister Josef Lechner das Ergebnis.