Nürnberg - Kurzfristig verreisen liegt im Trend - auch ab dem Flughafen Nürnberg. Wer beim Ziel flexibel ist, kann noch attraktive Sommerangebote finden. Was Reisende jetzt wissen müssen.

Die Deutschen gelten nicht nur als absolut reisefreudig, sondern auch als Frühbucher-Champions. Für viele heißt es: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub - kaum zurück, wird bereits die nächste Reise gebucht. Doch in diesem Jahr halten sich Beobachtungen des Albrecht-Dürer-Airports Nürnberg zufolge auffällig viele mit frühen Buchungen zurück. Stattdessen seien Last-Minute-Reisen im Trend.

Wegen globaler Unsicherheiten würden zahlreiche Reisewillige ihre Entscheidungen hinauszögern. „Grundsätzlich beobachten wir weiterhin eine hohe Reiselust bei den Kunden, allerdings werden Buchungsentscheidungen aktuell häufig kurzfristiger getroffen. Gründe dafür sind unter anderem geopolitische Entwicklungen sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit“, sagt Fiona Bischof, Sprecherin vom Reiseanbieter „Schauinsland-Reisen“, auf Nachfrage unserer Redaktion.

Anja Braun, Sprecherin des Touristikkonzerns Tui, bestätigt diese Beobachtung und fügt gleichzeitig hinzu, dass der Frühbuchertrend neben dem Last-Minute-Anstieg weiter bestehe. Die durchschnittliche Vorausbuchungsfrist bei Tui liege bei 213 Tagen, gleichzeitig würde kurzfristige Buchungen weiter ansteigen. Beim Reiseunternehmen Alltours hingegen kann man keinen „grundsätzlichen Trend“ zu Last-Minute-Buchungen feststellen. Im Gegenteil: „Über die vergangenen Jahre wurde immer früher gebucht“, sagt Jens Völmicke von Alltours. Allerdings beobachtet Allours dennoch eine ähnliche Entwicklung wie seine Konkurrenten: „In diesem Jahr allerdings hat die Verunsicherung infolge der Nahost-Krise und der wirtschaftlichen Folgen dazu geführt, dass im Vergleich zum Vorjahr ein größerer Anteil der Reisenden den Sommerurlaub bislang noch nicht gebucht hat“, so Völmicke.

Auch im Inland: Kurzfristig Urlaub buchen liegt im Trend

Die Lust auf Urlaub bleibe nach wie vor hoch, heißt es vom Airport Nürnberg. Branchenexperten gehen dem Nürnberger Flughafen zufolge daher davon aus, dass kurzfristige Buchungen in den kommenden Wochen eine deutlich größere Rolle spielen könnten als in den vergangenen Jahren.

Das Phänomen der späten Buchung beschränkt sich übrigens nicht auf Pauschalreisen ins Ausland. Auch bei Ferienunterkünften im Inland zeigt sich der Trend: Laut einer aktuellen Umfrage der Ferienhausplattform Holidu unter mehr als 1300 Vermietern wird an Nord- und Ostsee mittlerweile rund jede fünfte Ferienhausbuchung innerhalb der vergangenen 14 Tage vor der Anreise vorgenommen. 65 Prozent der befragten Gastgeber rechnen demnach in dieser Saison mit noch mehr kurzfristigen Buchungen. „Normalerweise buchen Gäste an der Nord- und Ostsee vier bis fünf Monate im Voraus. Aktuell entscheiden sich rund 20 Prozent der Reisenden in den letzten 14 Tagen vor der Anreise - das ist ein deutliches Signal“, sagt Sandra Hippler, Leiterin des Holidu-Büros für Norddeutschland, einer Mitteilung zufolge.

Viele Vermieter reagieren bereits darauf: 30 Prozent bieten laut Holidu-Angaben Last-Minute-Rabatte an, 27 Prozent reduzieren die Mindestaufenthaltsdauer. Wer also lieber in Deutschland bleibt, hat Holidu zufolge kurzfristig ebenfalls gute Chancen - besonders außerhalb der Schulferienzeit und mit kleineren Gruppen.

Doch lohnt sich das Warten überhaupt?

Es gilt: „Wer ein passendes Angebot findet, sollte nicht zu lange warten. Ein Angebot von heute kann morgen bereits ausgebucht sein“, heißt es von Tui gegenüber nordbayern.de. Wer früh buche, profitiere von guten Preisen, einer größeren Auswahl und einer höheren Planungssicherheit, so Fiona Bischof von „Schauinsland-Reisen“. Auf der anderen Seite hat, wer flexibel bei Reiseziel, Reisezeit und Hotelkategorie ist, Bischof zufolge gute Chancen auf attraktive Last-Minute-Angebote.

„Schauinsland-Reisen“ nennt hierbei etwa die Türkei oder Ägypten, Tui zufolge warten auch in der Türkei (Antalya und Dalaman) gute Angebote für Last-Minute-Reisen, ebenso wie auf Kreta, Mallorca, Ibiza und Teneriffa sowie in Bulgarien und Hurghada. Knapp wird es demnach hingegen unter anderem auf dem spanischen Festland, Lanzarote, Rhodos, Agadir, Djerba sowie auf kleineren griechischen Inseln. Generell gilt: „Besonders attraktive Angebote finden sich derzeit vor allem in Zielgebieten mit einer guten Flugverfügbarkeit und einem breiten Hotelangebot“, heißt es von Alltours-Sprecher Völmicke.

Dem Albrecht-Dürer-Airport zufolge haben besonders die Türkei und Ägypten von Nürnberg aus derzeit noch Last-Minute-Potenzial, ebenso wie Osteuropa-Angebote. Vom Flughafen Nürnberg aus fliegen gleich mehrere Airlines verschiedene Airports in der Türkei direkt an, Ziele sind etwa Antalya und Istanbul. Der Sommerflugplan 2026 hat zudem weitere zusätzliche Verbindungen gebracht. Ab Herbst erweitert die Fluggesellschaft Easyjet ihr Flugangebot und bringt dann ebenfalls Reisende von Nürnberg aus an weitere Reiseziele.

Wer entscheidet sich für Last-Minute-Urlaube - und wer sollte früher planen?

Typische Last-Minute-Zielgruppen sind den Reiseunternehmen zufolge Paare, Alleinreisende und Gäste ohne schulpflichtige Kinder, die sowohl beim Reiseziel und -zeitraum als auch beim Abflugflughafen flexibel sind. Familien hingegen tendieren demnach wegen etwa Ferienzeiten und des größeren Zimmerbedarfs oft zu früheren Buchungen. Doch auch für Spontanreisende gilt: „Die Preise entwickeln sich sehr dynamisch. Last Minute kann attraktiv sein, ist aber kein Automatismus“, teilt Tui mit.

Und wie geht es in der Zukunft weiter? Langfristig erwarte Tui kein Entweder-oder zwischen Frühbuchung und Last-Minute. Beides bleibe voraussichtlich nebeneinander bestehen: „Familien und Gäste mit konkreten Hotel- oder Zimmerwünschen sichern sich ihren Urlaub früh, während flexible Reisende auch kurzfristig attraktive Möglichkeiten finden.“ Eine ähnliche Einschätzung teilt „Schauinsland-Reisen“: „Frühbuchungen bleiben wichtig, weil Preisvorteile, Auswahl und Planungssicherheit für viele Reisende zählen. Gleichzeitig können wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten dazu führen, dass Entscheidungen situativ auch kurzfristiger getroffen werden.“

Frühbucher oder Last-Minute? Beides bleibt gefragt

Dass die Reiselust der Deutschen trotz allem ungebrochen ist, bestätigen auch die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen und der Deutsche Reiseverband (DRV): Für den Sommer 2026 verzeichnet die Branche dem DRV zufolge im Vergleich zum Vorjahr sieben Prozent höhere Umsätze und vier Prozent mehr Reisende - angetrieben vor allem durch einen starken Frühbuchertrend. Besonders gefragt sind dabei Pauschalreisen, die laut DRV-Präsident Albin Loidl „gerade in unsicheren Zeiten“ punkten: „Die Flugpauschalreise verzeichnet mit einem Umsatzplus von 14 Prozent im Sommer eine besonders starke Nachfrage.“ Wer also noch unentschlossen ist: Die Nachfrage nach den klassischen Mittelmeerzielen - Türkei, Spanien, Griechenland - wächst weiter. Für Nürnberg gilt dem Albrecht-Dürer-Airport zufolge: Wer in diesem Sommer verreisen möchte und noch keine Buchung vorgenommen hat, sollte damit nicht mehr allzu lange warten.