
Seit Donnerstag werden die Spieler des 1. FC Nürnberg im Rahmen der obligatorischen Leistungsdiagnostik auf Herz und Nieren geprüft – allerdings nicht am Valznerweiher, sondern auf dem Gelände von Ausrüster Adidas in Herzogenaurach. Am Montag (15 Uhr) steigt das erste Training der Sommer-Vorbereitung.
Wer ist beim Trainingsauftakt dabei?
Verglichen mit dem Kader der Vorsaison fehlen – logischerweise – die zehn Abgänge sowie Dustin Forkel und Jannik Hofmann, die den 1. FC Nürnberg nach der Leihe in der abgelaufenen Spielzeit fix verlassen. Mit Semir Telalovic, Nick Seidel, Michal Kukucka und Nicolas Ortegel werden hingegen vier Leihrückkehrer – vorerst – wieder am Valznerweiher aufkreuzen.
Hinzu kommen die fünf Neuzugänge sowie Javier Fernandez, der zwar in der Vorsaison schon für den Club auflief, dessen Leihe nun aber verlängert wurde. Den Trainingskader komplettieren zwei kolumbianische Gastspieler: Miguel Hurtado und Jhawer Diaz dürfen ihr Talent sowohl bei den FCN-Profis als auch in der Reserve unter Beweis stellen.
Wer fehlt vorerst?
Wie der 1. FC Nürnberg auf seiner Website mitteilt, verpasst Leih-Rückkehrer Winners Osawe den Trainingsauftakt, da er sich nach einem Innenbandriss im Knie noch in der Reha befindet. Die beiden Nationalspieler Adam Markhiev und Luka Lochoshvili dürfen aufgrund der Länderspiele im Juni etwas länger urlauben als ihre Mannschaftskameraden und stoßen später zur Truppe dazu. Die beiden kroatischen U19-Nationalspieler Tino Kusanovic und Kristian Mandic bereiten sich auf die Junioren-EM in Wales vor.
Was ist bislang auf dem Transfermarkt passiert?
Der 1. FC Nürnberg verabschiedete elf Spieler, von denen die Hälfte der erweiterten Stammelf angehörten. Durch die Abgänge von Fabio Gruber, Berkay Yilmaz und Henri Koudossou verliert der Club drei Viertel seiner zuletzt etablierten Viererkette. Mit Rabby Nzingoula und Tom Baack verlassen zudem zwei Zentrumsspieler, die ebenfalls auf regelmäßige Spielzeit kamen, den Verein.
Bestätigte Abgänge im Überblick:
- Florian Flick (Eintracht Braunschweig)
- Danilo Soares (Austria Lustenau)
- Tom Baack (SC Paderborn)
- Benjamin Goller (SSV Ulm)
- Berkay Yilmaz (Leihende, SC Freiburg)
- Henri Koudossou (Leihende, FC Augsburg)
- Rabby Nzingoula (Leihende, Racing Straßburg)
- Tarek Buchmann (Leihende, FC Bayern)
- Eryk Grzywacz (Leihende, VfL Wolfsburg)
- Dustin Forkel (FC Rot-Weiß Erfurt)
- Fabio Gruber (1. FSV Mainz 05)
- Jannik Hofmann (Rot-Weiss Essen)
- Mickaël Biron (Leihe, Batman Petrolspor)
Abgesehen von den Leihrückkehrern, deren Zukunft aber nach überwiegend wenig erfolgreichen Leihen unklar ist, stoßen fünf Neuzugänge zum Verein. Für die Innenverteidigung kommen Fynn Otto vom SC Verl und Alexios Kalogeropoulos von Olympiakos. Auch der neue Rechtsverteidiger Giannis Masouras kommt aus Griechenland, spielte aber zuletzt für Omonia Nikosia in Zypern. Alle drei Verstärkungen für die Abwehrkette wechseln ablösefrei nach Nürnberg. Für Rayan Ghrieb, der auf dem rechten Flügel für Torgefahr sorgen soll, überweist der 1. FC Nürnberg laut transfermarkt.de 600.000 Euro zum 1. FC Magdeburg. Für den linken Flügel konnte Joti Chatzialexiou den jungen Can Moustfa von Energie Cottbus für den Club gewinnen.
Bestätigte Zugänge im Überblick:
- Fynn Otto (SC Verl)
- Rayan Ghrieb (1. FC Magdeburg)
- Giannis Masouras (Omonia Nikosia)
- Alexios Kalogeropoulos (Olympiakos Piräus)
- Javier Fernández (Leihe, FC Bayern)
- Can Moustfa (Energie Cottbus)
Auf welchen Positionen besteht noch Handlungsbedarf?
Akuter Handlungsbedarf besteht insbesondere auf der Linksverteidiger-Position und im Sturm. Beim Trainingsauftakt wird nur ein nomineller Linksverteidiger auf dem Rasen stehen, nämlich Eric Porstner. Zwar betonte Miroslav Klose zuletzt, dass er dem 19-Jährigen den baldigen Durchbruch zutraut und sagte: „Er zeigt uns jedes Training, dass wir überhaupt keine Bauchschmerzen haben müssen. Es wird sicherlich Wellen geben, aber wir trauen ihm das alle zu. Er ist ein fantastischer Junge, ein super Charakter. Wir gehen davon aus, dass er nächstes Jahr mehr Spielminuten sammelt.“ Dennoch braucht es – mindestens für die Kaderbreite, angesichts des hohen Risikos mit einem derart jungen und unerfahrenen Linksverteidiger auf dieser Position aber auch für die Kadertiefe – noch Verstärkung. Im Laufe der Sommerpause kursierten Gerüchte um Alexander Nollenberger vom 1. FC Magdeburg sowie um Noah Katterbach vom Hamburger SV. Letzterer hat sich Medienberichten zufolge aber für einen Wechsel nach Braunschweig entschieden.
Die zweite Problemposition ist der Sturm, wenngleich es hier mehr an Qualität als an Quantität fehlt: Mit Mohamed Ali Zoma, Semir Telalovic, Piet Scobel, Adriano Grimaldi, Noah Maboulou und Tino Kusanovic stehen nominell sechs Stürmer beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Das Problem liegt darin begründet, dass Mohamed Ali Zoma massiv umworben wird und ein Verbleib zumindest nicht sicher eingeplant werden kann. Und dass die verbliebenen fünf Spieler entweder noch sehr jung und unerfahren sind oder bislang noch nicht nachweisen konnten, die nötigen Qualitäten für den Stammposten auf der Nürnberger Neun mitzubringen.
Verstärkung könnte vom TSV 1860 München kommen: Sigurd Haugen verbuchte in der abgelaufenen Drittliga-Spielzeit 20 Scorer in 35 Partien für die Löwen, bereits in der Vorsaison traf der Norweger zweistellig – damals noch im Trikot von Hansa Rostock. Nach dem Zwangsabstieg der Münchner steht 28-Jährige unmittelbar vor einem Wechsel zum Club, soll auch den Medizincheck bereits absolviert haben. Da sein Noch-Arbeitgeber aber derzeit im Chaos versinkt und Einspruch gegen den Zwangsabstieg eingelegt hatte, war die Vertragssituation des Stürmers nicht final geklärt. Sollten die Löwen tatsächlich in der Regionalliga an den Start gehen, wäre Haugen vertragslos und damit ablösefrei. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sollen die Sechzger inzwischen beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt haben. Das bedeutet laut der Bild: „Spieler können sofort bei anderen Vereinen oder bei der vom Verein neu gegründeten GmbH unterschreiben.“ Ein Vollzug des Transfers wird also zeitnah erwartet.
Was könnte noch passieren?
Der 1. FC Nürnberg hat für zwei Stammpositionen insgesamt acht Spieler zur Verfügung – nämlich für das Tor der Profis und der U23. Jan Reichert, der auch von Bundesligisten umworben werden soll, Routinier Christian Mathenia sowie Robin Lisewski, der eine herausragende Saison in der Reserve absolviert hat, zählen neben den Leih-Rückkehrern Ortegel und Kukucka zum Torwart-Quintett mit Profivertrag. Bei Lisewski droht ein Luxus-Problem: Der Jung-Torhüter könnte der Regionalliga entwachsen sein, wird aber seine Entwicklung als Nummer 2 der Profis nicht fortsetzen können. Hinzu stehen drei Keeper im Aufgebot der U23. Kurz: Es dürfte zu Abgängen kommen.
Die beste Besetzung weist der Kader des 1. FC Nürnberg gegenwärtig im Zentrum auf: Mit Adam Markhiev, Finn Ole Becker, dem unter Anderem von Wolfsburg umworbenen Rafael Lubach, Javier Fernandez und den Talenten Winners Osawe und Marko Soldic besteht in diesem Mannschaftsteil die höchste Kaderdichte.
Rayan und Can wären dann auch eingetroffen ✌️#fcn https://t.co/U8AJDnnY81 pic.twitter.com/QVWWFjRgo2
— 1. FC Nürnberg (@1_fc_nuernberg) June 25, 2026
Ursprünglich sollte noch Rajmund Tóth für die Sechser-Position dazu kommen, der Transfer gerät aber aus drei Gründen aktuell ins Stocken: Die Verhandlungspartner haben sich mit einer neuen sportlichen Führung bei ETO FC verändert, die Ablöseforderung übersteigt das bisherige Nürnberger Angebot und der ungarische Verein würde den Sechser gerne noch in der Europapokal-Qualifikation bis Mitte Juli einsetzen.
Was könnte sich ändern?
Der 1. FC Nürnberg, das fällt mit einem Blick auf die getätigten Transfers und die zwischenzeitlichen Gerüchte auf, sucht verstärkt nach klassischen Flügelspielern mit Stärken im Dribbling, Tempo und Torgefahr. Das deutet auch auf eine Umstellung des Systems hin – eine 4-3-3-Formation scheint realistisch. Fraglich ist dabei, welche Rolle Julian Justvan in dieser Aufstellung einnehmen könnte. Seine Paraderolle ist die Zehn, die es in diesem System nicht gibt. Freilich ist auch ein Umzug auf den Flügel oder gar auf die Acht denkbar, erfordert aber eine Anpassung seiner Spielweise.
Wie geht es weiter?
Erste Eindrücke über Miroslav Kloses Plan für die neue Saison dürfte es beim ersten Testspiel geben. Dieses steigt am 8. Juli beim TSV Kornburg. Drei Tage später geht es gegen die SpVgg Ansbach (11. Juli). Vor der Abreise ins Trainingslager steht ein Duell mit Drittligist Waldhof Mannheim (18. Juli) auf dem Plan. Vom 19. bis zum 26. Juli weilt die Klose-Elf dann in Südtirol und testet dort am 25. Juli gegen den FC Palermo. Die Saisoneröffnung ist für das Wochenende vom 1. August angesetzt, eine Woche später startet die 2. Bundesliga. Am 22. August trifft der Club zur ersten Pokalrunde auf Viktoria Köln.

