Herzogenaurach - Seit 1954 begleitet Adidas die deutsche Nationalelf bereits. Doch ab 2027 ist Schluss, die Trikots kommen dann nicht mehr aus Herzogenaurach. Die Blick in die Geschichte des Weltkonzerns aus Franken.

„Seit 1954 Partner der deutschen Nationalmannschaft“, steht auf dem Saum des aktuellen DFB-Trikots. Es ist das letzte Shirt, das Adidas aus Herzogenaurach an eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft liefert. Ab kommendem Jahr wird die Elf statt drei Streifen den „Swoosh“ des US-Herstellers Nike auf der Brust tragen.

Damit endet für Adidas eine Ära: Bei allen vier WM-Titeln und den drei EM-Titeln der Männer war Adidas Ausrüster. Und auch die Frauen trugen bei ihren beiden WM-Titeln und den acht EM-Trophäen Adidas. Dieses Ende markiert das Ende einer sehr deutschen - und durchaus problematischen - Geschichte, wie die Zeitung taz in einem Bericht schreibt.

Vor über 100 Jahren, im Jahr 1924, gründete Adi Dassler zusammen mit seinem Bruder die „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“ in Herzogenaurach, einer beschaulichen Stadt in Mittelfranken. Aus einer kleinen Schuhproduktion entwickelte sich rasch ein bedeutendes Zentrum für besonders maßangefertigte Sportschuhe. Die Treter wurden so von Beginn an zu einem Markenkern des Unternehmens.

Adidas und der DFB: Eine über 70 Jahre lange Geschichte geht schon bald vorerst zu Ende

Ab 1927 stiegen die Umsätze stetig - „zu einer Zeit, als die übrige deutsche Schuhindustrie deutlich von den negativen Auswirkungen der Weltwirtschaft erfasst wurde“, wie in der Studie „Unternehmen Sport“ zu lesen ist, welche die Geschichte von Adidas beleuchtet und vom Konzern selbst in Auftrag gegeben wurde. Über die Gründe zum damaligen Wachstum der Firma können der Studie zufolge allerdings nur Vermutungen angestellt werden.

Zur Unternehmensgeschichte, gehört auch ein dunkles Kapitel: Ein „regelrechter Umsatzboom“ trat der Studie zufolge von 1934 bis 1939 - in der Zeit des Nationalsozialismus - ein. Ab 1933 produzierte die Firma Dassler demnach zusätzlich Marschstiefel, „um an der Uniformierung und Militarisierung der Gesellschaft ökonomisch teilzuhaben“. Im Mai desselben Jahres traten Adi und sein Bruder Rudolf Dassler, der spätere Puma-Gründer, in die NSDAP ein.

Wie der Spiegel berichtete, war Dassler im Zweiten Weltkrieg auch an der Rüstungsproduktion beteiligt, konkret an der Herstellung des sogenannten „Panzerschrecks“, einer Raketenpanzerbüchse. Mit diesem Engagment waren sie dem Spiegel-Bericht zufolge nicht allein: „Der wenig bekannte Ausflug der beiden berühmten Schuster ins Rüstungsgewerbe war alles andere als ein Einzelfall. Hitlers Regime spannte viele kleine und mittelständische Unternehmen zur Produktion von Militärmaterial ein.“

„Wunder von Bern“ bis Nike-Übernahme: Die Geschichte von Adidas und dem DFB

Bis sich das Unternehmen mit der Vergangenheit auseinandersetzte, dauerte es: Wie die taz berichtet, trat Adidas im Jahr 2000 der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bei, Zwangsarbeiter zu entschädigen. Im Mai 2025 unterzeichnete Bjørn Gulden, Vorstandschef von Adidas, anlässlich des 80. Jahrestags des Kriegsendes die „Erklärung deutscher Unternehmen zum 8. Mai“, in der sich deutsche Konzerne zu ihrer historischen Verantwortung bekennen. „Deutsche Unternehmen trugen dazu bei, die Herrschaft der Nationalsozialisten zu festigen. Auf ihren eigenen Vorteil bedacht, waren viele Unternehmen und ihre damaligen Akteure verstrickt“, heißt es dort.

Im August 1949 wurde Adidas unter diesem Namen nach der Trennung der Brüder Dassler schließlich offiziell in Herzogenaurach wieder gegründet. Den großen Durchbruch erreichte die Marke im Jahr 1954: In diesem Jahr gewann die DFB-Mannschaft die Weltmeisterschaft in der Schweiz, das „Wunder von Bern“ - mit drei Streifen an den Füßen. Auf dieses Jahr verweist das Etikett heute am neusten DFB-Trikot. Die Hemden kamen damals noch vom inzwischen längst verblichenen Sportbekleidungshersteller Leuzela, beim WM-Sieg 1974 stellte Erima die Kleidung bereit. Seit 1980 stattet Adidas dann das Team dann regelmäßig mit Trikots aus.

Nach insgesamt über 70 Jahren endet die Partnerschaft zwischen dem DFB und Adidas nun bald: Ab 2027 wird Konkurrent Nike wird alle deutschen Nationalteams ausstatten - dem DFB zufolge war die Entscheidung auch von wirtschaftlichen Gesichtspunkten getrieben.