
LitRPGs erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Und das nicht nur bei Fantasy-Fans, sondern auch darüber hinaus. Das zeigt sich nicht nur in der „Dungeon Crawler Carl“-Reihe, die im Original mittlerweile acht Bände umfasst. Bei uns kommt Ende Juni mit „Carl‘s Doomsday Scenario“ erst Band 2, da können wir uns also noch auf einiges gefasst machen.
Ebenfalls Ende Juni erwartet uns auch der zweite Teil und damit das Final von Django Wrexlers Dilogie um Dark Lord Davi, „Everybody Wants to Rule the World Except Me“. Im September kommt der Auftakt von „He Who Fights With Monsters“ von Shirtaloon, ebenfalls ein Literature-Role-Playing-Game.
Zwischendurch kommt aber noch ein ganz anderes Buch von Matt Dinniman. Laut seiner Homepage ist „Operation Bounce House“ ein Sci-Fi-Thriller. Das Setting erinnert dennoch an ein LitRPG, doch diesmal dreht Dinniman den Spieß um.
„Operation Bounce House“: Sci-Fi-Thriller von Matt Dinniman
In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft lebt Oliver Lewis nicht auf der Erde, sondern auf New Sonora. Er ist ein sogenannter Space-Kolonist und hat bescheidene Wünsche. Eigentlich will er nur die heimische Ranch bewirtschaften und hin und wieder einen Auftritt mit seiner, zugegebenermaßen eher mittelmäßigen Band spielen.
Als das Transferportal zur Erde nach langem Warten vollständig geöffnet wird, scheint es eine gute Sache zu sein. Endlich ein direkter Kanal zum Heimatplaneten. Was die Siedler nicht wissen: Auf der Erde ist man der Kolonie auf dem fremden Planeten überdrüssig. Die Apex Corporation wurde mit der Räumung beauftragt, und sie hat eine Möglichkeit gefunden, Profit aus der Sache zu schlagen: Die Räumung wird zum Computerspiel.
Das Spiel „Operation Bounce House“ ermöglicht es den Gamern von der Erde, ihre eigenen Drohnen und Kriegsroboter zu entwerfen, mit denen sie die Bevölkerung von New Sonora vom heimischen Sofa aus auslöschen können. Ein absoluter Hit, ein Spiel der Superlative. Und für Oliver und seine Freunde der Kampf ums nackte Überleben.
„Operation Bounce House“
von Matt Dinniman
- übersetzt von Stephan Kleiner
- erscheint am 23. September 2026
- 450 Seiten
- FISCHER Tor
- ISBN: 978-3-596-71367-7
- 18 Euro
Warum ist „Operation Bounce House“ kein LitRPG?
Die kurze Antwort auf diese Frage: Die Perspektive stimmt nicht. Aber natürlich geht es auch ausführlicher.
Weder in „Dungeon Crawler Carl“ noch in „Dark Lord Davi“ sind die Hauptfiguren wirklich freiwillig in eine Situation geraten, die an ein Rollenspiel erinnert. Doch sie sind eben nicht nur in den Büchern, sondern auch im Spiel Hauptfiguren: Spielerinnen und Spieler, die um das Überleben kämpfen, ein Ziel vor Augen haben und dabei von mehr oder weniger zufälligen Gegnern angegriffen werden.
Auch Oliver und seine Freunde sind in „Operation Bounce House“ unfreiwillig zur Zielscheibe in einem Spiel geworden. Auch sie kämpfen ums Überleben. Schon in „Dungeon Crawler Carl“ gab Matt Dinniman den Random Encountern, also zufälligen Gegnern in einem Rollenspiel, ein Bewusstsein. Doch diesmal stehen sie sogar im Mittelpunkt. Für die Spielerinnen und Spieler in „Operation Bounce House“ sind Oliver und Co. nichts weiter als Random Encounter, zufällige Gegner, die es zu besiegen gilt, für uns als Leserinnen und Leser sind sie die Hauptfiguren.
„Operation Bounce House“ bringt uns also einen spannenden Perspektivenwechsel und wird so vom LitRPG zum Sci-Fi-Thriller.


