Nürnberg - Die Saison in der 2. Bundesliga ist für den 1. FC Nürnberg beendet. Zeit für Joti Chatzialexiou, Transfers und sportlichen Werdegang der Mannschaft zu rekapitulieren. Am Dienstag hat der Sportvorstand Bilanz gezogen.

Seit 29. Mai 2024 ist Joti Chatzialexiou Vorstand Sport des 1. FC Nürnberg. In seinen ersten beiden Saisons hat er mit Trainer Miro Klose den Verein auf die Plätze zehn, respektive acht geführt. Damit steht nach der abgelaufenen Spielzeit die beste Zweitliga-Platzierung seit dem Abstieg 2019 - geteilt mit der Saison 2021/22 als der Club ebenfalls achter wurde, damals mit Robert Klauß auf dem Trainerstuhl. In die Chroniken der Vereinsgeschichte wird die frisch beendete Spielzeit dennoch nicht mit besonderer Auszeichnung eingehen. Es bleibt eine bittersüße Saison, wie auch der Sportvorstand in seiner Bilanz zugibt.

„Grundsätzlich gehe ich mit einem guten Gefühl aus der Saison mit einem ordentlichen 8. Platz, auch wenn es mich ein paar Haare gekostet hat, bin ich zufrieden. Wir hatten uns vorgenommen im Mittelfeld zu landen, in mehreren Phasen hatten wir kritische Situationen zu überstehen. Gerade im ersten Saisonabschnitt haben wir zu wenig Punkte geholt. Man muss zufrieden sein, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.“ Teile der Saison sehe er aber durchaus kritisch, ergänzt der Sportvorstand, die Mannschaft habe teilweise auch in der Nachspielzeit das ein oder andere Spiel „dumm verloren, die Konstanz war in Phasen nicht da. Wir hatten Halbzeiten wo ich teilweise den Kopf schütteln musste.“

Das habe wenig mit dem Alter zu tun, sondern mit welcher Einstellung und welchem Plan der Club konfrontiert werde, ergänzt Chatzialexiou. Er sehe kein Mentalitätsproblem in dieser Mannschaft, man habe nur in einigen Phasen die Spiele nicht frühzeitig entschieden, aber brutale Substanz in der Mannschaft. „Wir alle hätten mehr rausholen können und hatten Potential noch Plätze gut zu machen.“ Diesen Eindruck erweckte die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose tatsächlich in den letzten Wochen, lief in der letzten Saisonphase zur Höchstform auf: zweimal kam der FCN nach Rückstand zurück und hätte sogar noch gewinnen können.

In den letzten neun Spielen kassierte der Club nur eine Niederlage. Mehr Punkte holte in diesem Zeitraum nur Meister Schalke. Auch deshalb geht Cheftrainer Miro Klose „mit einem guten Gefühl“ aus der Saison - wie er in einer Vereinsmitteilung verrät - macht aber gleichzeitig deutlich: „Es gibt noch viele Punkte, die wir besser machen müssen nächste Saison.“ „Es wäre schon mehr möglich gewesen“, hatte Kapitän Fabio Gruber nach der Partie in Hannover gesagt. Unter der Woche im Training sei es oft gut gewesen, „aber wir haben es nicht immer in Punkte ummünzen können“, ergänzt sein Coach.

„Nicht so ins Schwarze getroffen“

„Ich finde es bemerkenswert, dass wir auch Spieler haben, die mit der Saison unzufrieden sind. Das zeigt ihre Mentalität“, sagt Chatzialexiou, auf den in den kommenden Wochen und Monaten viel Arbeit zukommt. Während die Profis im Urlaub weilen, muss der Sportvorstand den Kader für die neue Spielzeit bauen - und hat dabei verschiedene Interessenlagen zu vereinen. Die Qualität des Kaders steht auf der einen, wirtschaftliche Zwänge auf der anderen Seite.

„Wir hatten großen Aderlass letzte Saison. Selbstkritisch sage ich, wir haben im Sturm nicht so ins Schwarze getroffen wie vorgestellt. Wir haben Spieler wie Tzimas mit großer Qualität verloren, mit Ausnahme von Momo (Mohamed Ali Zoma; Anm. d. R.) haben die Jungs im Sturm nicht so eingeschlagen wie erhofft“. Nicht alle Transfers sind aufgegangen, und das werde auch im kommenden Sommer so sein. Gerade im Sturm herrscht Nachholbedarf, doch Chatzialexiou bremst die Erwartungen: „Wir haben noch nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten einen Stürmer zu verpflichten, der uns eine zweistellige Anzahl an Toren garantiert.“

Großer Umbruch ist „relativ“

Was mögliche Abgänge betrifft, hält sich der Sportboss bedeckt, sagt aber voraus: „Wir wollen einen kleineren Umbruch haben. Wir haben wieder viele interessante Spieler im Kader. Wir müssen die Art des Umbruchs noch besser bewältigen.“ Der Verein könne bei Angeboten nicht kategorisch „Nein“ sagen. Gerade um Torwart Jan Reichert und das Innenverteidiger-Duo Lochoshvili/Guber werden beinahe wöchentlich Gerüchte um Interessenten laut. Auf die Frage, ob überhaupt ein Spieler im Nürnberger Kader unverkäuflich sei, weicht der Sportchef aus.

Ein „großer Umbruch“ sei immer relativ, „es ist klar, mit wem wir erst einmal planen, es sind aber Begehrlichkeiten da und wir werden den ein oder anderen Spieler abgeben.“ Immerhin gut zu Wissen: Laut dem Sportvorstand hat kein FCN-Profi eine Ausstiegsklausel im Vertrag, das könnte die mögliche Ablöse nach oben treiben. „Wir haben die Zügel in der Hand“ sagt Chatzialexiou. „Bei einigen Leihspielern sind wir in Kontakt mit den Beratern. Wir hatten in den letzten Transferphasen einige Spieler, wo wir vertragliche Dinge bereinigen mussten, aber diesen Sommer sind wir deutlich freier in der Gestaltung.“

„Werden intern sprechen“

Und was ist mit Trainer Miro Klose? Aus Italien wurden zuletzt wieder wilde Gerüchte um Interesse von Lazio Rom gestreut. „Bei den Lazio-Gerüchten muss ich immer schmunzeln, nach dem Motto: Täglich grüßt das Murmeltier. Ich weiß nicht, wer Miro bei Lazio so liebt, aber ich habe gestern mit ihm telefoniert und er hat nichts von Lazio gesagt“ beruhigt der Sportdirektor die Clubfans. Zusammen mit seinem Trainer wird Chatzalexiou einen Mittelweg aus Transfererlösen und mannschaftlicher Stabilität finden müssen, um die Ziele für die neue Saison zu erreichen. Und wie sehen die aus? „Ich lerne ja auch dazu, sagt Chatzialexiou, der am Rande des letzten Saisonheimspiels erstaunlich offen bei Sky über seine Erwartungen für die nächste Spielzeit gesprochen hatte. „Wir werden intern über unsere Zielsetzung sprechen. Ich habe eine langfristige Vision, die bleibt. Wir wollen irgendwann oben angreifen. Ich glaube es ist kein Widerspruch, ob man schönen Fußball sehen möchte oder Arbeiterfußball.“