Nürnberg - Robert Seethaler hat schon so manchen Bestseller geschrieben. Auch sein neues Buch „Die Straße“ landete direkt auf Platz 1 der Bestsellerliste.

Seinen literarischen Durchbruch feierte Robert Seethaler mit „Der Trafikant“, einem humoristischen Coming-of-Age-Roman, der sich über zahlreiche Wochen auf der Bestsellerliste hielt und mittlerweile zur Schullektüre avanciert ist.

Das ist mittlerweile einige Jahre her. Seit 2012 hat Seethaler noch einige erfolgreiche Bücher veröffentlicht, die auch international Beachtung fanden. Sein neues Buch knüpft an diesen Erfolg an und landete direkt nach der Veröffentlichung auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Dabei ist die Straße ein durchaus ungewöhnlicher Roman.

„Die Straße“ von Robert Seethaler - Buchtipp

Denn eine Handlung lässt sich nicht so einfach beschreiben. Über ein Jahr hinweg begleiten wir die Menschen der Heidestraße, einer beliebigen Wohnstraße, die es in vielen Städten geben könnte. Sie hat ihre Eigenheiten wie eine nicht unbedingt hübsche Heiligenfigur, eine eigene Kirche, Gastronomie, ein Altenheim, Gewerbe und natürlich einige markige Charaktere, die sie bewohnen.

Da gibt es den Jungen, der einen Jagdtrieb entdeckt. Eine unglücklich verliebte Blumenhändlerin. Eine Nichte, die in die Wohnung ihrer Tante einzieht, die mittlerweile das angrenzende Altenheim bewohnt. Das Altenheim natürlich und seine Bewohner genauso wie die Heimleiterin, die in der örtlichen Bäckerei hinter ihrem Rücken eher unvorteilhafte Spitznamen bekommt. Oder dem Nachtpförtner, der seine Schichten gerne in der nahegelegenen Kneipe absitzt.

Die Heidestraße hat noch so manch anderes zu bieten: Jugendgewalt, Korruption, Migrationsprobleme, Träume und Albträume - Szenen aus dem Leben.

Und dann gibt es noch die hiesige Magistratsabteilung, in der Entscheidungen gefällt werden, die alle Bewohnerinnen und Bewohner der Straße betreffen, von denen sie allerdings erst erfahren, wenn diese bereits getroffen wurden.

„Die Straße“

von Robert Seethaler

  • 240 Seiten
  • Claassen
  • ISBN: 9783546100335
  • 25 Euro

„Die Straße“: Ist das noch ein Roman?

Natürlich liegt hier die nicht gerade einfache Frage zugrunde, was eigentlich ein Roman ist. Das Besondere an diesem Buch ist seine ungewöhnliche Struktur. Schon früher hatte sich Seethaler durch seinen schnörkellosen Schreibstil ausgezeichnet. Und „Die Straße“ ist besonders minimalistisch. Anstatt einen großen, zentralen Handlungsstrang zu verfolgen, begleiten wir die Menschen in der Heidestraße über ein Jahr hinweg.

Es sind eher einzelne Szenen, mal ein Gespräch in der Bäckerei, ein innerer Monolog, ein geschriebener Brief. Wie ein großes Mosaik setzt Seethaler diese einzelnen Stücke zusammen und baut so ein Gesamtbild, das wohl gerade dadurch so realistisch ist.

Man kann sich „Die Straße“ ein bisschen so vorstellen, als würde man auf einer Aussichtsplattform stehen, eine Münze in ein Fernrohr werfen und den Blick auf eine bestimmte Straße werfen. Als könne man die Bewohnerinnen und Bewohner der Straße dann beobachten, ihren Gesprächen lauschen und ihre Gedanken mithören.

Selbstredend ist „Die Straße“ ein Roman. Der Erzählstil ist, wenn auch ungewöhnlich, nicht einzigartig. Er erinnert beispielsweise an „Die Elefanten“ von Sasha Filipenko. Auch er setzt weniger auf eine klassische Struktur mit aufeinander aufbauenden Kapiteln und mehr auf eine Abfolge verschieden gearteter Szenen.

Was auch immer „Die Straße“ ist, es ist ein kurzweiliges Buch, das nachdenklich stimmt und doch leichtgängig zu lesen ist.