Ostsee/Nordsee - Reporterin Teresa Treuheit begleitete für die Nachrichtenagentur NEWS5 Buckelwal Hope acht Tage lang quer durch den Norden. Ein Erfahrungsbericht zwischen Liveschalten und Interviews.

In meinem Beruf als Reporterin gehört es dazu, Geschichten und Ereignisse zu begleiten und darüber zu berichten. Doch während manche Themen reine Berichterstattung bleiben, gibt es auch Geschichten, die einen selbst noch lange danach begleiten. Buckelwal Hope, wie wir ihn auch in unserer Berichterstattung von NEWS5 genannt haben, gehört definitiv zur zweiten Kategorie.

Seit einer Woche bin ich wieder zurück im normalen Arbeitsalltag, doch ein Ende rund um die Thematik ist meiner Meinung nach noch nicht in Sicht.

Die Reise vom in die Ostsee verirrten und mehrfach gestrandeten Buckelwal Hope habe ich tatsächlich schon von Anfang an verfolgt. Immer wieder habe ich privat den Livestream von NEWS5 live angesehen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dass ich selbst ab Tag 36 der Berichterstattung der Nachrichtenagentur vor Ort dabei sein und die Reise begleiten werde, hätte ich nicht gedacht.

Live, direkt und möglichst nahbar

Alles begann mit einer Nachricht und den Worten: „Es gäbe da etwas Interessantes für dich“ und ab dem Tag vor dem letzten Rettungsversuch stand ich dann dort, am Hafen von Poel, vor der Kamera, live, direkt, möglichst nahbar. Und genau das war neu für mich. Diese Schalten fühlten sich nicht nach klassischer Berichterstattung wie für das Fernsehen an, es war eher, als würde ich mich mit Menschen unterhalten. Als säße ich gemeinsam mit der Community auf dem Sofa und würde erzählen, was gerade passiert, wie die Stimmung ist, welche Hoffnungen es gibt, aber auch welche Probleme. Die Zuschauerinnen und Zuschauer waren dabei nicht einfach nur Publikum, sondern sie waren Teil dieser Reise.

Ein klassischer Tag bestand aus vielen Telefonaten, dem Versuch an Informationen zu kommen und diese dann im Livestream weiterzugeben, Spontanität und regelmäßigen Absprachen mit dem Team.

Ein Buckelwal in einem Lastkahn

An Tag 37 unserer Berichterstattung und meinem zweiten Tag vor Ort war es dann so weit. Stress, Trubel und Jubel am Hafen bei der privaten Rettungsinitiative, denn es war der Tag der Tage - der Buckelwal war in die Barge (also in den Lastkahn) geschwommen. Dieser Moment war auch für mich unbeschreiblich. Vorher war ich ehrlich gesagt sehr skeptisch gewesen, denn es hatte sich einfach so realitätsfern angefühlt, dass es klappen könnte, einen Wal in einem Lastkahn zu transportieren. Aber als dieses 12 bis 15 Tonnen schwere Säugetier dann wirklich in diesem Metallbecken schwamm, hatte auch ich den Gedanken: Vielleicht schafft Hope es jetzt wirklich!

Mit dem Wal zog auch unsere Berichterstattung weiter

Am Abend ging es dann los: Buckelwal Hope und das Retter-Team traten ihre tagelange Reise in Richtung Atlantik an. Und mit dem Wal zog auch unsere Berichterstattung weiter, denn wir wollten bis zum Schluss dabei sein. Wir teilten uns also auf, in die Land- und in die Bootscrew. Ich berichtete mit einem Kamerakollegen von Land, zwei Kollegen von einem Boot aus, der Rest arbeitete aus der Redaktion in Nürnberg. Innerhalb von sechs Tagen ging es dann von der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern über Fehmarn mit der Fähre Richtung Dänemark, dort dann mit kurzem Halt unter der Storebæltbrücke weiter nach Aalborg, Skagen, Hirtshals und mehr. Doch je weiter die Schiffe nach Norden kamen, desto komplizierter wurde alles.

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Mein „Büro“ während der Reise: Das Ufer der Ost- und Nordsee Dänemarks. © Lars Haubner

Immer schwieriger an Informationen zu kommen

Ab dem ersten Moment auf See spürten wir einen Wandel im Umgang mit uns als Presse. Gerade an Informationen zu kommen, wurde sehr mühsam, denn plötzlich fühlte sich von der privaten Initiative auf den Schiffen des Verbands niemand mehr zuständig. Es gab Phasen, da war ich wirklich über jede kleinste neue Information rund um den Wal und die Reise froh. Es entstand immer häufiger das Gefühl, dass wir eigentlich nicht mehr erwünscht waren.

Bestätigt wurde unser Gefühl, als mehrfach versucht wurde, unser Boot abzudrängen, obwohl wir uns an jegliche Vorschriften und den vorgegebenen Abstand gehalten haben. Das wurde übrigens sogar von der Bundespolizei bestätigt. Trotz der Widrigkeiten war für uns glasklar: Wir bleiben. Nicht aus Trotz, sondern weil wir zu diesem Zeitpunkt die Einzigen waren, die noch unabhängig vor Ort berichteten. Wir hatten angeboten, direkt von der Barge aus zu berichten, Kameras zu installieren oder zu helfen, doch all das wurde abgelehnt. Wären wir nicht noch auf dem Boot und an Land weiterhin dabei gewesen, hätte es am Ende - wenn überhaupt - ausschließlich Bilder und Informationen des Rettungsteams selbst gegeben, auf jeden Fall aber keine unabhängige Berichterstattung mehr.

Es war richtig, zu bleiben

Dass es richtig und wichtig war, trotzdem dort zu bleiben, bestätigte sich für uns spätestens am Abend vor der Freilassung. Während wir mit der Drohne filmten, beobachteten wir und alle Zuschauer unseres Livestreams, wie einige Helfer offenbar versuchten, Hope mit einem Seil an der Fluke aus der Barge zu ziehen. Für mich fühlte sich das in diesem Moment völlig falsch an. Über Tage hinweg war immer kommuniziert worden, dass der Wal eigenständig hinausschwimmen solle, nicht, dass er aktiv herausgezogen wird. Nach einigen Minuten wurde zumindest diese Aktion dann auch erfolglos abgebrochen.

Am nächsten Morgen folgte dann allerdings das, was einer der Geldgeber, Walter Gunz, später selbst in einem Interview von NEWS5 als „Nacht-und-Nebel-Aktion“ bezeichnete. Hope soll aus der Barge gezogen worden sein, möglicherweise mithilfe des Begleitschiffs „Robin Hood“. Auffällig war dabei vor allem eines: Normalerweise existierten von nahezu jedem wichtigen Moment Videoaufnahmen vom Rettungsteam. Von diesem entscheidenden Augenblick jedoch offenbar nicht. Als wir selbst mit unserer Drohne in der Luft waren, war Hope bereits draußen.

Leider funktioniert auch der laut Retter-Team am Wal angebrachte Sender nicht richtig. Der Tracker sei laut Geldgeberin Karin Walter-Mommert „tricky“. Aktuell solle man zwar sehen können, dass der Wal lebt, jedoch nicht, wo er sich aufhält. Offiziell transparent dargelegt wurden die Tracker-Daten bislang nicht.

Das Team und ich bleiben dran, wir wollen Antworten

Was in den Stunden der Freilassung tatsächlich auf den Schiffen passiert ist und wie alles genau ablief, wird aktuell aufgearbeitet. Für mich persönlich fühlt es sich bis heute so an, als sei dort vor Ort etwas gewaltig schief gelaufen. Was genau passiert ist und was mit den Senderdaten ist, wollen nicht nur unsere Zuschauer wissen, sondern auch wir selbst. Deshalb ist dieses Kapitel für unser NEWS5-Team noch lange nicht abgeschlossen. Die Liveberichterstattung mag seit einer Woche beendet sein, die Nachberichterstattung dagegen läuft jetzt erst richtig an.

Diese Geschichte ist mehr als reine Berichterstattung

Gerade rückblickend merke ich, dass diese Geschichte für mich mehr ist als reine Berichterstattung. Noch nie habe ich als Pressevertreterin so viel Zuspruch, so viel Wärme und so viel Positivität erlebt. Fremde Menschen schrieben liebe Nachrichten, bedankten sich für die Updates und unseren Einsatz oder einfach dafür, dass wir dranbleiben. Diese acht Tage haben mir gezeigt, wie anders Journalismus sein kann, wenn man nicht nur berichtet, sondern das Thema auf eine Art und Weise gemeinsam erlebt.

Ich bin höchstmotiviert, noch Antworten zu bekommen, aber was ich vor allem bin, ist dankbar. Dankbar dafür, diese besondere Form der Berichterstattung erlebt zu haben, dankbar für das Team und Teil dieser Reise zu sein.