Nürnberg - Nach der umstrittenen Freilassung von Buckelwal Timmy erhebt Mitfinanzier Walter Gunz schwere Vorwürfe. Zudem verliert Mecklenburg-Vorpommern die Geduld mit der privaten Rettungsinitiative und prüft rechtliche Schritte.

Wenige Tage nach der Freilassung des Buckelwals Timmy eskaliert die Debatte um die Rettungsaktion weiter: Media-Markt-Mitbegründer Walter Gunz, der die Initiative finanziell unterstützt hat, erhebt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur News5 schwere Vorwürfe gegen die Schiffsführung. Er spricht von eigenmächtigen Entscheidungen, einem Ausschluss von Fachleuten und einem Umgang mit dem Tier, den er als nicht vertretbar bezeichnet.

„Die Freilassung war eine Nacht-und-Nebel-Aktion“, sagte Gunz gegenüber News5, bei der nach seiner Darstellung eine Phase genutzt worden sei, in der keine Drohne in der Luft gewesen sei. Die Bootscrew habe an der Schwanzflosse des Wals gezogen, der Kapitän habe eine Tierärztin „mehr oder weniger festgesetzt auf dem Boot“ - und einer Person, die telefonieren wollte, „mit der Karte das Handy aus der Hand geschlagen“, so sein Vorwurf.

In der Folge sei Strafanzeige gestellt worden, erklärt Gunz. Karin Walter-Mommert, die die Initiative maßgeblich organisiert und finanziert hatte, habe diesen Schritt gemeinsam mit einer Anwältin eingeleitet. Gegen wen sich die Anzeige genau richtet und welche konkreten Vorwürfe erhoben werden, wurde bislang nicht öffentlich gemacht. Eine Bestätigung durch Ermittlungsbehörden steht aus.

Auf welchen Kapitän sich Gunz bezieht, ist derzeit unklar. Am Transport und an der Freilassung von Timmy waren zwei Schiffe beteiligt: Zunächst schleppte der kleinere Schlepper „Robin Hood“ die Barge mit dem Wal aus dem Küstenbereich, anschließend übernahm das größere Mehrzweckschiff „Fortuna B“ den weiteren Transport in Richtung Nordsee. Die tatsächliche Freilassung erfolgte während dieser zweiten Phase. Nach dem zeitlichen Ablauf liegt daher der Schluss nahe, dass sich Gunz’ zentrale Vorwürfe auf den Kapitän der „Fortuna B“ beziehen, gesichert ist das jedoch nicht. Die Schiffsführung der „Fortuna B“ hat sich bislang nicht zu den Anschuldigungen geäußert.

Noch immer keine Daten

Parallel zu den persönlichen Vorwürfen des Media-Markt-Mitbegründers wächst auch der politische Druck auf die Retter: Wie der Spiegel berichtet, prüft das Land Mecklenburg‑Vorpommern inzwischen rechtliche Schritte gegen die private Initiative. Hintergrund ist, dass dem Umweltministerium - anders als vereinbart - weiterhin keine auswertbaren Daten des am Wal angebrachten Peilsenders vorliegen.

Eine Sprecherin des Ministeriums teilte mit, man werde ein juristisches Vorgehen erwägen, „falls weiterhin keine Übermittlung der Daten erfolgen sollte.“ Eigentlich hätte das bereits am Dienstag (5. Mai) passieren sollen, beim Ministerium sind jedoch nach wie vor keine Daten eingegangen.