Nürnberg - Matcha war lange das angesagteste Getränk der Stunde, doch in den sozialen Netzwerken sind die geposteten Lattes plötzlich nicht mehr grün, sondern lila. Was es mit dem Ube-Trend auf sich hat.

Matcha war jahrelang Synonym für trendige, Instagram-taugliche Cafékultur. Doch nun bekommt das grüne Pulver Gesellschaft: Sie ist violett, mild süß und heißt Ube. Streng genommen ist Ube (Aussprache: „uh-beh“) kein Getränk, sondern die umgangssprachliche Bezeichnung der Yamswurzel Dioscorea alata, die vor allem auf den Philippinen angebaut und nun als Pulver oder Paste auch in westlichen Küchen gelandet ist: Neben Kurkuma Latte oder eben Matcha stehen inzwischen auch Ube Latte, Ube Iced Coffee oder Ube Bubble Tea auf vielen Speisekarten.

Ube ist tief in der philippinischen Esskultur verankert. Klassisch wird die Knolle gekocht, püriert und mit Zucker sowie Milch zu Ube Halaya verarbeitet - einer süßen Paste, die Basis unzähliger Desserts ist. Auf den Philippinen ist Ube daher kein Trend, sondern quasi ein Grundnahrungsmittel der süßen Küche.

Der Geschmack unterscheidet sich deutlich von anderen lila Knollen‑ und Wurzelgemüsen, mit denen Ube oft verwechselt wird, wie beispielsweise Taro oder die violette Süßkartoffel. Ube schmeckt mild, leicht nussig, mit einer Vanillenote, die kaum Zusatzaroma benötigt, wodurch die Knolle prädestiniert für moderne Café-Rezepte ist.

In Getränken landet Ube selten roh, sondern fast immer als Paste oder Pulver. Beides wird mit Milch oder pflanzlichen Alternativen verrührt, häufig gesüßt, manchmal mit Espresso oder Cold Brew (Kaffee, der über mindestens 12 Stunden in kaltem Wasser zieht) kombiniert. Der Ube Latte enthält von Natur aus kaum Bitterstoffe, wodurch der Geschmack selbst mit Kaffee eher in Richtung Dessert geht - im Gegensatz zu Matcha, dessen herbe, grasige Note nicht jedem liegt.

Superfood oder Süßgetränk?

Ube enthält Ballaststoffe, Vitamin C und antioxidative Verbindungen - gleichzeitig aber sind die meisten Ube-Getränke deutlich gezuckert und damit eher Genuss- als Superfood. Mit Matcha ist Ube daher auch in diesem Bereich nur bedingt zu vergleichen: Während grüner Tee vor allem wegen Koffein und sekundärer Pflanzenstoffe geschätzt wird, punktet Ube eher über Geschmack und Ästhetik.

Genau diese Ästhetik ist aber vermutlich der entscheidende Faktor, auf dem der Ube-Hype basiert: Schließlich ist die Optik einer der wichtigsten Faktoren in sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok - und da funktioniert Ube als perfektes Motiv: Das satte Violett wirkt spektakulär und überzeugt darüber hinaus auch dadurch, dass es nicht durch Lebensmittelfarbe entsteht, sondern durch natürliche Pflanzenfarbstoffe.

Wird Ube im Zuge des derzeitigen Hypes Matcha ablösen? Vermutlich eher nicht, denn beide besetzen ziemlich unterschiedliche Nischen: Wer auf Bitterkeit, Koffein und japanische Teekultur steht, wird auch weiterhin zum Matcha greifen. Ube dagegen geht (auch als Getränk) eher in Richtung Süßspeise oder Dessert. Oder man kombiniert beides einfach: Wie das obige Bild zeigt, schließen sich Ube und Matcha im Glas nicht aus.