Nürnberg - Eine Art Speed-Dating für Hunde und ihre potenziellen Frauchen und Herrchen? Ja, und das in Nürnberg und vielen anderen Städten. Aber wie funktionieren diese Bark-Dates und was steckt dahinter?

Immer wieder erschüttern schreckliche Tierschicksale von Hunden und Katzen aus schlechter Haltung oder von illegalen Züchtern die Gesellschaft. Viele Tierheime sind dauerhaft überfüllt, kommen immer wieder an ihre Grenzen und können teilweise keine neuen Tiere mehr aufnehmen. So sind aktuell beispielsweise die Pflegestellen des Tierschutzvereins Altmühltal völlig ausgelastet, weil bereits in kürzester Zeit 15 Baby-Katzen geboren wurden.

Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die gerne ein Tier zum Teil ihrer Familie machen würden. Wer einen Hund haben will, sollte sich nicht direkt an einen Züchter wenden, sondern erst daran denken, dass es bereits viele Hunde gibt, die ohne ein festes Zuhause leben - so sieht es auch Hundetrainer Marcell Goller.

Und um diesen beiden Parteien, den ein Zuhause suchenden Hunden und den einen Hund suchenden Menschen, die Chance zu geben, einander zu begegnen und sich gegenseitig kennenzulernen, finden deutschlandweit in einigen Städten die sogenannten Bark-Dates statt.

Goller engagiert sich ehrenamtlich mit 14 weiteren Menschen, um die Bark-Dates in Nürnberg veranstalten zu können und übernimmt die Hauptorganisation.

Bark-Dates in Nürnberg - Hunde aus dem Tierschutz werden vorgestellt

Die Bark-Dates sind ein Tierschutz-Event, welches vor drei Jahren von Lisa Williamson in Köln ins Leben gerufen wurde und entstand aus ihrem Gedanken heraus, wie sie am besten an Interessenten für Hunde aus dem Tierschutz kommen kann.

Mittlerweile finden die Events in zahlreichen Städten in ganz Deutschland statt, darunter Nürnberg. Maximal können 30 Hunde teilnehmen. Dafür werden sie von den jeweiligen Tierheimen, Pflegestellen oder anderen Tierschutzorganisationen, bei denen sie wohnen, angemeldet. Als Hundetrainer weiß Goller auch, dass es bereits Kunden gab, die ihre Lieblinge aus privaten Gründen abgeben mussten und dies über die Bark-Dates in die Wege leiteten.

Am Tag des Bark-Dates treffen sich anschließend die Organisatoren, die Hunde und ihre Begleitpersonen am Marienbergpark. Alle teilnehmenden Hunde bekommen ein rotes Halsband, um für Besucher kenntlich gemacht zu werden. An einer Empfangsstation liegt eine Übersichtstafel, an der ebenfalls alle vorgestellten Hunde aufgelistet sind. Auf der Wiese verteilt werden 30 Stationen aufgebaut, eine pro Hund. Damit die Vierbeiner einen „Safe Space“ haben, wird an jeder Station jeweils eine Decke ausgelegt.

Von 11 bis 13 Uhr haben dann auch Interessenten die Möglichkeit, am Bark-Date teilzunehmen. Das Ziel sei es, den Hunden und Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in einer ungezwungenen Atmosphäre kennenzulernen, so Goller. Die Besucher können sich umschauen oder gezielt bestimmte Hunde näher kennenlernen. Es ist auch möglich, eigene Hunde zum Bark-Date mitzubringen, um zu sehen, ob sich die Tiere verstehen. Wenn die vorgestellten Hunde es erlauben, darf man sie streicheln und kann sich zudem mit den jeweiligen Betreuern unterhalten, um mehr über den Hund zu erfahren.

Während des Events beobachten die Organisatoren, Betreuer und Hundetrainer wie Goller die Tiere, um sicherzustellen, dass sie nicht zu gestresst sind. Es werde darauf geachtet, nicht zu viele Menschen um einen einzigen Hund zu versammeln. Zudem würden die Pfleger ihre Hunde am besten kennen und ebenfalls rechtzeitig eingreifen können, bevor dem Hund alles zu viel werden sollte. So könnten sie sich, falls nötig, auch für einen Spaziergang entfernen oder auch bereits früher gehen.

Bark-Date in Nürnberg - nächstes Event schon in wenigen Tagen

Eine Anmeldung für Interessenten sei laut Goller nicht notwendig, teilweise seien bei den vergangenen Veranstaltungen auch Passanten vorbeigekommen, um sich das Event genauer anzusehen. Geschätzt seien bei dem letzten Bark-Date am 8. März etwa 500 Menschen gekommen. Tierheime und Pflegestellen müssen sich hingegen im Voraus über die Internetseite des Veranstalters anmelden.

Hat es zwischen dem Hund und den potenziellen Besitzern gefunkt, startet der normale Vermittlungsprozess, bei dem Event selbst wird nicht direkt eine Vermittlung ausgemacht. Der Hund kann dann in seiner Pflegestelle besucht werden oder bei seinen potenziellen Besitzern vorbeikommen. Teilweise würden auch Hundetrainer diesen Prozess begleiten, beispielsweise wenn bereits andere Hunde im Haushalt wohnen.

Dadurch, dass die Organisatoren des Events durch die vorherige Anmeldung mit den Tierschützern meist in Kontakt sind, bekommt das Bark-Date-Team oft mit, wenn eine Vermittlung nach dem Date erfolgreich ablief, erklärt Goller. Bei dem Treffen im März habe es eine Vermittlungsquote von etwa 40 Prozent gegeben.

Das nächste Event findet dabei schon in wenigen Tagen statt. Am 3. Mai kommen wieder 30 Hunde mit ihren Bezugspersonen zum Marienbergpark, um sich Interessenten vorzustellen.

Im Sommer findet laut Goller eine Sommerpause statt, am 19. September geht es dann weiter mit den Bark-Dates in Nürnberg, am 14. November folgt demnach der nächste Termin.

Auch in anderen bayerischen Städten finden die Bark-Dates regelmäßig statt, so beispielsweise in München, Würzburg und Regensburg. Wie Goller im Gespräch mit der Redaktion erklärte, sei es aber grundsätzlich möglich, die Veranstaltung in jeder Stadt zu organisieren. Dafür müssten sich lediglich Interessenten finden, die die Organisation übernehmen würden.

Die Treffen seien auch wichtig, um ein Netzwerk aufzubauen, laut Goller sei das Netzwerk in der Hundeszene sehr wichtig. Und da alle in der Szene eigentlich dasselbe Ziel haben, sei ein Miteinander wichtiger als ein Gegeneinander. „Jeder Hund hat es verdient, ein Top-Zuhause zu haben“, sagt der Hundetrainer abschließend.