Triest - Vor der italienischen Hafenstadt Triest ist derzeit vom Mittelmeer nur wenig zu sehen. Ein weißer Teppich aus tausenden Quallen liegt auf der Wasseroberfläche. Wie es dazu kommen kann und ob die Tiere gefährlich sind.

Auf Luftaufnahmen sieht man dort, wo sonst sanft das Mittelmeer wogt, einen fast flächendeckenden weißen Teppich. In der Adria vor der italienischen Küstenstadt Triest zwischen der slowenischen und kroatischen Küste versammelt sich derzeit eine wahre Qualleninvasion. Egal wohin der Blick aufs Wasser fällt, sieht man unzählige der Nesseltiere.

Es handelt sich dabei offenbar um Lungenquallen. Gut zu erkennen sind die Tiere an ihrer lilafarbenen Färbung. Lungenquallen sind für den Menschen in der Regel harmlos, dennoch kann es bei Berührungen mit den Nesseln zu leichten Hautreizungen kommen. Die Quallen können ziemlich groß werden. 2023 sorgte das Foto einer rund 40 Kilogramm schweren Lungenqualle, aufgenommen vor der Baleareninsel Ibiza, für Aufsehen im Netz. Grundsätzlich ist die Begegnung mit einer Lungenqualle im Mittelmeer aber nicht so selten. Die Nesseltiere sind dort verbreitet.

Experten sprechen bei einem solchen Phänomen wie aktuell vor Triest von einer Quallenblüte. Grund für die aktuelle Invasion sind wohl Winde, Meeresströmungen und steigende Wassertemperaturen. Allerdings kommen solche Quallen-Häufungen vor der Küste von Triest immer wieder vor.

Und künftig könnte sie sich noch weiter häufen. Philipp Kanstinger, Meeresbiologe und Fischereiexperte bei der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF), erklärte 2022 gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Es gibt insgesamt erst wenige gute Langzeitwerte. Aber was das Mittelmeer angeht, hat sich in den letzten 30 bis 50 Jahren gezeigt, dass Quallenblüten dort immer öfter vorkommen und stärker ausfallen.“ Vermutlich durch steigende Wassertemperaturen könnten sich die Quallen besser verbreiten. Zudem verschwinden durch Überfischung natürliche Fressfeinde.

Für Reisende sind die Quallen vor Triest derzeit ein beliebtes Fotomotiv. Einheimische Fischer sind weniger glücklich. Die Invasion stelle eine Gefahr für ihre Netze dar, berichten italienische Medien, und belaste so ihr Geschäft.