
Der spektakuläre Radweg am Gardasee zieht immer mehr Touristinnen und Touristen an, darunter auch solche, die sich nicht an Verbote halten. Rund um Ostern hat sich die Lage rund um Limone sul Garda deutlich zugespitzt. Mehrere Radfahrer ignorierten Absperrungen und kletterten mit ihren Rädern über ein geschlossenes Tor, um auf einem noch gesperrten Baustellenabschnitt weiterzufahren, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Ein Video davon verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken. Es zeigt, wie Radler mit dem Fahrrad auf der Schulter über einen schmalen Sims direkt über dem Seewasser balancieren.
Franceschino Risatti, Bürgermeister von Limone sul Garda, verurteilt das Verhalten unmissverständlich. Die Gefahr bestehe nicht nur darin, in den See zu stürzen oder sich beim Übersteigen zu verletzen, hinter dem Tor befinde sich eine aktive Baustelle, die für Unbefugte nicht gesichert sei. „Es handelt sich um gefährliche Aktionen, die unbedingt zu vermeiden sind“, so Risatti laut dem Portal Il Dolomiti.
Fahrradfahrer sorgen mit riskanter Aktion am Gardasee für Ärger - Bußgelder drohen
Risatti betonte, dass die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher sich zwar an die Regeln halte, es habe aber immer wieder Vorfälle gegeben, an denen sogar Familien mit Kindern beteiligt waren. Ausreden lässt er nicht gelten: Informationen zu den aktuell befahrbaren Abschnitten seien sowohl online als auch in Broschüren vor Ort verfügbar. Er forderte alle Radfahrerinnen und Radfahrer auf, „ihren gesunden Menschenverstand walten zu lassen, bevor jemand einen viel höheren Preis als eine Geldstrafe zahlen muss“, zitiert ihn die Frankfurter Rundschau in einem aktuellen Bericht. Die Kontrollen sollen nun verschärft werden - und wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Konkrete Beträge nannte die Gemeinde bislang nicht.
Radweg am Gardasee: Ein Großprojekt mit langer Bauzeit
Der betroffene Abschnitt gehört zum Großprojekt „Garda by Bike“ - einem ambitionierten Plan, der eine durchgehende Radroute rund um den gesamten Gardasee schaffen soll, rund 140 Kilometer lang. Der Weg soll den Fahrradtourismus in der Region langfristig stärken. Gerade der Teilabschnitt bei Limone gilt bereits heute als einer der eindrucksvollsten: Er verläuft stellenweise auf einer Konstruktion direkt über dem Wasser und bietet spektakuläre Ausblicke auf den See, wie die Gardaseezeitung erklärt.
Bis zur Fertigstellung des gesamten Rings wird es aber noch dauern: Frühestens 2028 soll der letzte Lückenschluss erfolgen.
Der Druck auf die Behörden ist auch deshalb groß, weil es in der Region zuletzt zu schweren Unfällen gekommen ist. Im vergangenen Jahr kam ein 43-jähriger Radtourist nach einem Sturz in den See ums Leben, kurz darauf starben zwei weitere Radfahrer bei Unfällen auf den Straßen rund um den Gardasee, so Chip.de. Die vielbefahrene Gardesana-Straße am Ufer gilt seit Jahren als gefährlich - der neue Radweg soll dort eigentlich langfristig für Entlastung sorgen.
