
Es sind Überschriften, die nichts gutes vermuten lassen. „Kerosinmangel gefährdet Sommerurlaub“, titelt etwa die Welt. „Europa soll nur noch etwa sechs Wochen Kerosin haben“, heißt es beim Spiegel.
Seit Wochen wird über die Auswirkungen des Konflikts zwischen Iran, Isreal und den USA auf Treibstoffe diskutiert. Meist geht es dabei um die Diesel- und Spritpreise, das betrifft viele Menschen. Doch nun rückt das Kerosin, der Treibstoff für Flugzeuge, in den Fokus. Geraunt wird unter anderem, dass der Sommerurlaub in Gefahr sein könnte.
Fakt ist: Am 16. April erklärte Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), in einem Interview mit Associated Press, Europa habe nur noch für etwa sechs Wochen Flugzeugtreibstoff. Es drohten Flugausfälle. „Wir werden bald hören, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden könnten“, so Birol.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte daraufhin, in Deutschland gebe es keinen Kerosinmangel - so berichtet es unter anderem der Spiegel. Das Flugbenzin werde immerhin auch in deutschen Raffinerien hergestellt.
Unterdessen arbeitet die Europäische Union Medienberichten zufolge an einem Notfallplan gegen die drohende Kerosin-Knappheit. Hierzu sollen unter anderem Raffinieriekapazitäten erfasst und systematisch ausgelastet werden, heißt es in einem Bericht des Spiegel mit Bezug auf die Nachrichtenagentur Reuters. Laut IEA werden in Europa 30 Prozent des benötigten Flugzeugbenzins importiert. Davon kommen wiederum 75 Prozent aus dem Nahen Osten.
Kerosin droht knapp zu werden: Erste Airlines ergreifen bereits Maßnahmen und nehmen Flüge aus dem Programm
Erste Folgen der Knappheit werden bereits spürbar. So kündigte die Lufthansa an, den Betrieb ihrer Regionalfluggesellschaft CityLine mit sofortiger Wirkung einzustellen. Eigentlich war ein Ende erst für 2028 geplant. Die aktuelle Situation, die anhaltenden Streiks und der hohe Kerosinpreis, werden vom Unternehmen als Begründung für die vorgezogene Umsetzung angeführt.
Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, Airlines wie KLM oder SAS haben unrentable Flüge bereits aus dem Programm genommen. Schon vor rund einer Woche erklärten Verantwortliche der Billig-Airline RyanAir, man könne Stornierungen von Flügen im Sommer nicht ausschließen. Als Grund haben sie aber die hohen Preise für den Flugzeugkraftstoff angeführt.
„Der Sommer ist die Zeit des meisten Flugverkehrs und größten Treibstoffverbrauchs. Schon ein Ausfall von einem Drittel der Kerosinversorgung hätte dramatische Folgen“, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt gegenüber der Welt. In Asien hätten Rationierungen an Flughäfen bereits begonnen. Auch an italienischen Flughäfen wird Medienberichten zufolge bereits über Kerosinmangel geklagt. Großbongardt befürchtet, dass es im Sommer zu einem Wettkampf um den Treibstoff kommen könnte. Es müsse dann entschieden werden, welche Verbindungen prioritär behandelt werden.
Unabhängig von drohenden Ausfällen erwartet der „Wirtschaftsweise“ Gabriel Felbermayr infolge des Iran-Kriegs deutlich höhere Kosten für Flugreisende. „Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen“, sagte der österreichische Ökonom im Interview beim Deutschlandfunk. Wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.
