Nürnberg - Die Debatte um den Ausbau des Frankenschnellwegs geht in die nächste Runde. Nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren sind die Nürnberger nun zu einer Abstimmung aufgerufen. Kippt das Projekt nun doch noch?

Für Pendler und Pendlerinnen ist der Frankenschnellweg mitunter ein zeit- und nervenraubendes Nadelöhr. Für die Nürnberger Stadtgesellschaft ist die Strecke und insbesondere die Debatte um den Ausbau ein Reizthema. Nun gelang dem Bürgerbegehren „Zurück auf los!“, das sich klar gegen den Ausbau ausspricht, ein „Zwischenerfolg“.

Am 15. April erklärte der Nürnberger Stadtrat das Bürgerbegehren als rechtskonform. Ein Bürgerentscheid ist für den 28. Juni 2026 geplant.

Brigitte Sesselmann, Vertreterin des Bürgerbegehrens, erklärt in einer Pressemitteilung: „Wir freuen uns sehr, dass die Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs nun endlich abstimmen können, ob sie die Betonorgie am Frankenschnellweg und die Förderung des KFZ-Verkehrs wollen oder nicht.“ Laut Auskunft der Initiatoren wurden am 30. März 2026 circa 14.000 Unterschriften für das Bürgerbegehren beim zuständigen Wahlamt abgegeben. Das Wahlamt bestätigte die Anerkennung von 12.500 Unterschriften. Erforderlich für die materielle Zulässigkeit waren 11.379 Unterschriften.

Laut Sitzungsprotokoll des Stadtrats werden die Nürnbergerinnen und Nürnberger über folgende Fragstellung abstimmen: „Sind Sie dafür, dass die derzeitigen Planungen & Maßnahmen (nach aktuellem Planfeststellungsverfahren) für den Ausbau des Frankenschnellwegs sofort gestoppt werden?“ Es ist Voraussetzung, dass die Frage mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Auf dem Stimmzettel werden ebenfalls die Positionen der beiden widerstreitenden Seiten festgehalten. Wer sich der Meinung der Initiatoren des Bürgerbegeherens anschließen will, stimmt mit „Ja“, wer der Meinung der Mehrheit des Stadtrats folgen will, stimmt mit „Nein“ - so ist es auf einem Vordruck des Stimmzettels zu lesen.

Debatte um Ausbau des Frankenschnellwegs: besserer Verkehrsfluss gegen hohe Kosten

Alle stimmberechtigten Personen sollen zusammen mit den Abstimmungsbenachrichtigungen Briefwahlunterlagen zugesandt bekommen. So wolle man die Kosten und den Aufwand der Abstimmung reduzieren, heißt es im Beschluss des Stadtrats.

Zum Hintergrund: Die Stadt plant die umfassende Neugestaltung und den kreuzungsfreien Umbau des Frankenschnellwegs (A73). Das neue Konzept soll einen 1,8 Kilometer langen Tunnel, Lärmschutzwände und einen neuen Stadtpark umfassen. Die Planer erhoffen sich davon unter anderem eine bessere, flüssigere Verkehrsführung.

Die Arbeiten sollen in zwei Bauabschnitten von Statten gehen. Der erste Abschnitt (Baubschnitt West) ist etwa 2,2 Kilometer lang, beginnt an der Anschlussstelle Nürnberg/Fürth und endet an der Anschlussstelle Nürnberg-Westring an der Jansenbrücke. Der zweite Abschnitt (Baubschnitt Mitte) ist etwa 2,6 Kilometer lang und verläuft von der Rothenburger Straße bis zur Anschlussstelle Nürnberg-Südring an der Otto-Brenner-Brücke - so teilt es die Stadt auf ihrer Webseite mit.

Der Start erster Arbeiten ist für den Herbst 2026 geplant. Zunächst müssen Rodungen vorgenommen werden. Das Bauende ist derzeit für Dezember 2029 vorgesehen. Eine Mehrheit des Nürnberger Stadtrats stützt das Projekt, Kritiker, wie der Bund Naturschutz, sehen darin eine klimapolitisch überholte Planung. Gegner kritisieren zudem die hohen Kosten und ziehen die Wirksamkeit des geplanten Umbaus für einen besseren Verkehrsfluss in Zweifel.

Laut Angaben der Stadt sollen sich die Kosten für einen Ausbau auf rund eine Milliarde Euro belaufen. Teile könnten vom Freistaat Bayern gefördert werden. Allerdings stehe eine endgültige Förderhöhe noch nicht fest.