
In den vergangenen Jahren stand die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände größtenteils leer. In Zukunft sollen Teilstücke des Bauwerkes dauerhaft als Kunst- und Kulturort genutzt werden. Bereits seit 2024 finden dort Bauarbeiten statt.
So sollen dort beispielsweise Ermöglichungsräume für Künstlerinnen und Künstler der Freien Szene sowie eine Spielstätte des Staatstheaters Nürnberg entstehen.
Die Eröffnung des Kulturortes ist für den Herbst 2028 geplant. Nun beschloss der Nürnberger Stadtrat einstimmig in einer Sitzung vom 15. April die Gründung der Stiftung „Kongresshalle Nürnberg am ehemaligen Reichsparteigelände“. Dies geht aus einer Pressemeldung der Stadt hervor. Diese Weichenstellung erschaffe die erforderlichen Strukturen, um eine rechtzeitige Eröffnung und eine reibungslose Inbetriebnahme zu ermöglichen, heißt es dort weiter.
Kulturort an der Kongresshalle Nürnberg - Stadt strebt weiterhin nach Beteiligung des Freistaates und des Bundes
Nach Angaben des Oberbürgermeisters Marcus König setzte die Stadt damit „ein Zeichen der Entschlossenheit, denn die Zeit drängt“. Demnach könne man die konkreten Vorbereitungen für eine Stiftungsgründung nicht länger aufschieben, da die Stiftung arbeitsfähig sein muss, um die Eröffnung vorzubereiten und ein Programmangebot für die Startphase sicherzustellen.
Die formellen Schritte bis zur Stiftungsgründung unter Einbindung von Bund und Freistaat würden laut König noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die städtische Stiftung wird daher gegründet, um den Prozess zu beschleunigen. Dennoch wird weiterhin die Beteiligung des Freistaates und des Bundes als Träger der Stiftung angestrebt. Laut König arbeite man „mit Hochdruck daran, dass Bund und Land so schnell wie möglich der Stiftung beitreten“.
Auch Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner weist in dem Kontext auf die nationale Bedeutung des Baus und der Umsetzung des Projektes hin: „Die Kongresshalle ist ein nationales Erbe von singulärer Bedeutung und der Umgang damit steht im Fokus internationaler Aufmerksamkeit.“ Das Konzept der räumlichen Dichte von Kulturinstitutionen in einem ehemaligen NS-Bau sei ein Novum, dessen Realisierung eine nationale Aufgabe sei, erklärt sie weiter. Lehner weist zudem auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung hin, welcher die Kongresshalle als NS-Täterort von emblematischer Bedeutung bezeichnet und das Ziel des Erhalts und der Unterstützung bei innovativer Vermittlungsarbeit festhält. „Dieser Verpflichtung können sich Bund und Land nicht entziehen“, hält Lehner abschließend fest.
Aufgaben der Stiftung „Kongresshalle Nürnberg am ehemaligen Reichsparteigelände“
Wie aus der Pressemeldung der Stadt hervorgeht, soll die Stiftung als rechtskräftige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Nürnberg gegründet werden mit dem Ziel, den Erhalt des Monumentalbaus sowie den kulturellen Betrieb der Kongresshalle dauerhaft abzusichern.
Nachdem auch der Bund und der Freistaat beitreten, sollen die Zuwendungen der Stiftung zur Hälfte vom Bund und zu jeweils einem Viertel von Land und Stadt getragen werden.
Zu den Aufgaben der Stiftung zählt dann auch der bauliche Erhalt der Kongresshalle, die Stadt plant, das bebaute Grundstück in das Stiftungsvermögen einzubringen. Zudem soll sie die unmittelbare Verantwortung für den Betrieb der Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur übernehmen.
Inhaltlich soll die Stiftung auf einer übergeordneten Ebene Verantwortung für die zukunftsweisende Gestaltung der Erinnerungskultur übernehmen. Dabei soll die Eigenständigkeit des Dokumentationszentrums Reichsparteigelände, des Staatstheaters Nürnberg und der Nürnberger Symphoniker unbelastet bleiben.
Hintergrund der Kongresshalle und der laufenden Bauarbeiten
Bereits seit der Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ verfolgt die Stadt Nürnberg das Ziel, die Kongresshalle als Raum für die Künste zu öffnen.
Die nie fertiggestellte Kongresshalle entstand während der NS-Zeit. Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten in Nürnberg jährlich Reichsparteitage als Staats- und Parteitage ab. Die im In- und Ausland wahrgenommenen Massenveranstaltungen prägen das Bild Nürnbergs bis heute als „Stadt der Reichsparteitage“. Obwohl der Bau der Kongresshalle nicht vollendet wurde, zählt sie dennoch mit einer Grundfläche von 275 mal 265 Metern und 40 Metern Höhe zu den größten Hinterlassenschaften der NS-Zeit. Seit 1973 steht die Kongresshalle als Ausdruck der nationalsozialistischen Monumentalarchitektur unter Denkmalschutz.
Seit 1962 nutzen die Nürnberger Symphoniker einen Teil des Baues im südlichen Gebäudeteil. Im nördlichen Pendant wurde 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteigelände eröffnet.
Im Jahr 2028 sollen nun auf über 7000 Quadratmetern unter anderem Ateliers, Studiobühnen, Ausstellungsflächen und Proberäume für Kunst und Kultur aller Sparten und der Freien Szene entstehen. Auch das Staatstheater Nürnberg soll dort eine Spielstätte eröffnen. Ende 2025 gab die Stadt Einblicke zum Baufortschritt.