
Pendler und Pendlerinnen in Bayern können aufatmen: Im Tarifkonflikt im Öffentlichen Nahverkehr wurde eine Einigung erzielt. Weitere Streiks sind damit erst einmal vom Tisch.
Wie der Bayerische Rundfunk (BR) zuerst berichtete, haben sich die Vertreter der Gewerkschaft verdi am Mittwochabend nach zähen Verhandlungen mit den kommunalen Nahverkehrsbetrieben in Bayern geeinigt. Demnach bestätigten beide Verhandlungspartner einen Deal gegenüber dem BR. Ein entsprechender Bericht liegt inzwischen auch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.
Der Einigungen waren zahlreiche Streik-Aktionen vorangegangen. Auch in Nürnberg und weiteren Städten in Franken und ganz Bayern kam der ÖPNV immer wieder zum Erliegen. In Nürnberg, Fürth und Bayreuth kam es am Dienstag zuletzt zu umfassenden Einschränkungen.
Am Mittwoch fand wie geplant die fünfte Verhandlungsrunde statt. Zuvor hatte die Gewerkschaft verdi, Informationen der dpa zufolge, die ursprüngliche Forderung nach einer kräftigen Entgelt-Erhöhung reduziert. Bestehen blieben die Forderungen nach einer Verkürzung der Arbeitszeit und verbesserten Arbeitsbedingungen sowie einem Plus von 550 Euro in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
Die kommunalen Arbeitgeber lehnten das zunächst angesichts der hohen Defizite im öffentlichen Nahverkehr als „realitätsfern“ ab, auch wenn sie nach eigenen Angaben zwischenzeitlich ebenfalls „ein deutlich verbessertes Angebot“ vorlegten. Dies beinhalte bei einer Laufzeit von 24 Monaten eine Entgeltsteigerung um mehr als sechs Prozent, bei einer Laufzeit von 48 Monaten mehr als neun Prozent sowie die Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde. Zudem gebe es bei beiden Varianten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Damit habe man „die Grenze des Leistbaren erreicht“.
Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katharina Wagner sprach am Donnerstagmorgen gegenüber der dpa von einer Einigung „mit Licht und Schatten“ in der Nacht zum Donnerstag, man habe aber wichtige Knackpunkte abräumen können. „Die Reduzierung auf 37,5 Stunden ist ein wichtiges Signal“, sagt Wagner. Beim Lohnplus sei man hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. „Wir hätten uns gerade für die Kolleginnen und Kollegen in den unteren Entgeltgruppen eine stärkere Erhöhung gewünscht. Der Kompromiss gehe aufseiten der Gewerkschaft nun in die Mitgliederbefragung. Bis zum 15. Mai müssten sich beide Seiten erklären. „Im Rahmen der Erklärungsfrist wird es zu keinen Warnstreiks kommen“, erläuterte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Sinan Öztürk.
Einigung im ÖPNV-Tarifkonflikt: Das sind die ersten Details zum Deal
Beim Kommunale Arbeitgeberverband KAV sieht man die Einigung als „für alle Seiten ausgewogenes Tarifergebnis“.
Der Kompromiss sieht laut KAV eine Entgelterhöhung von insgesamt 7 Prozent vor. Zum Jahresbeginn steigen die Einkommen demnach um 4,1 Prozent, mindestens aber um 120 Euro, zum 1. September um 1 Prozent und zum 1. Januar 2027 um 1,9 Prozent. Grundsätzlich soll der Tarifvertrag eine Laufzeit von vier Jahren haben. Zum 31. Dezember 2027 gibt es aber ein Sonderkündigungsrecht für die Entgelttabelle - 2028 könnte es also in die nächsten Verhandlungen gehen.
Bei der Arbeitszeit sieht der Kompromiss laut Arbeitgeberseite eine Reduzierung von 38,5 auf 37,5 Stunden von 2029 an vor. Zudem werden Mindestruhezeiten von 10,5 Stunden festgelegt, der Sonntagszuschlag erhöht und die Zeit, in der ein Nachzuschlag gezahlt wird, ausgeweitet.
Dieser Artikel wurde am 16. April um 12.45 Uhr aktualisiert.
