
In unserem Abwasser ist so manche Information gespeichert: Während der Corona-Pandemie konnten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen darin erkennen, wie hoch die Viruslast an bestimmten Orten war. Mit einem sogenannten Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung überwacht das Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt neben den Viruslasten von SARS-CoV-2, auch die von Influenzavirus und Respiratorischem Synzytialvirus (RSV) im kommunalen Abwasser.
Die Drogenagentur der Europäischen Union (kurz EUDA) nutzte nun erneut das Abwasser, um herauszufinden, wie verbreitet Drogen in verschiedenen Städten sind. In der Erhebung, untersucht wurden neben Orten in Europa auch Städte in Nordamerika, Südamerika und Ozeanien, sticht Nürnberg heraus. Kürzlich wurden die Daten für 2025 vorgestellt.
Der Konsum von Kokainin Nürnberg ist der Abwasseruntersuchung zufolge in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Im Vergleich der deutschen Städte liegt Nürnberg mit 122,7 mg pro 1000 Einwohner pro Tag Rückstand im Abwasser aber am hinteren Ende der Liste. Anders sieht das beim Cannabis-Konsum aus. Der Auswertung zufolge liegt Nürnberg im Deutschland-Vergleich auf Platz vier, hinter Erfurt, Berlin und Hamburg. Im europaweiten Vergleich landet Nürnberg auf Platz sechs. Wenige Rückstände konnten für MDMA, Ketamine und Amphetaminenachgewiesen werden. Der Methamphetaminkonsum wiederum scheint verbreiteter zu sein. Nürnberg liegt im Deutschland-Vergleich auf Platz fünf hinter Chemnitz, Erfurt, Dresden und Magdeburg.
Nürnberg unter Europas Kiffer-Hotspots: Abwasser gibt Aufschluss über Konsumverhalten
Insgesamt wurde das Abwasser in 115 europäischen Städten untersucht, um das Drogenkonsumverhalten der Einwohnenden analysieren zu können. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2025. Über den Urin kommen Rückstände der Drogen ins Abwasser und sind so am Ende für die Forschenden nachweisbar. Grundsätzlich zeigen die Daten der Studie einen Anstieg der Abwasserbelastung in europäischen Städten mit dem Kokainmetaboliten Benzoylecgonin (BE) um insgesamt 22 Prozent. Zudem zeigt die Auswertung, dass der Kokainkonsum in West- und Südeuropa weiterhin am höchsten ist, insbesondere in Städten in Belgien, den Niederlanden und Spanien.
In Städten in Nord- und Mitteleuropa wurden hingegen hohe Werte von Amphetaminrückständen gemessen. In Südeuropa finden sich demnach deutlich weniger Rückstände. Die höchsten Belastungen mit Amphetaminen waren in Städten in Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Deutschland messbar.
Die nachgewiesene Konzentration von MDMAsank über alle Städte hinweg betrachtet um 16 Prozent. Der Methamphetaminkonsum konzentriere sich, so die Autoren der Studie, traditionell auf Tschechien und die Slowakei. Aber auch in Deutschland, Litauen, Norwegen, der Türkei, Spanien, Zypern und den Niederlanden seien Rückstände nachweisbar gewesen.
Die Nachweise für Cannabis blieben von 2024 auf 2025 studienübergreifend stabil. Die höchste Konzentration mit dem Cannabismetaboliten THC-COOH wurde in Städten in den Niederlanden, Deutschland und Slowenien festgestellt.
Die Belastung mit Ketamin im Abwasser stieg hingegen in allen untersuchten Städten im Schnitt um 41 Prozent. Die höchsten Konzentrationen wurden in Belgien, Deutschland und den Niederlanden festgestellt.
