Fürth - Die Wahl zum Oberbürgermeister hat Thomas Jung klar gewonnen, obwohl seine Partei, die SPD, derzeit eher durch ein Tal der Tränen geht. Im ARD Morgenmagazin erklärt Jung, was sich die Partei in Fürth abschauen könne.

Die Rede ist von „schwindelerregenden 72 Prozent“. Während die SPD zuletzt bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-pfalz herbe Verluste ein stecken musste, brillierte Thomas Jung in Fürth mit seiner Wiederwahl zum Oberbürgermeister im ersten Wahlgang. Die Parteispitze in Berlin lädt an diesem Freitag zum Krisentreffen und mit dabei ist auch Thomas Jung, der sich ab Mai aufmachen wird, die 30 Jahre Amtszeit als OB in der Kleeblattstadt vollzumachen.

Doch bevor Jung zum Parteipräsidium fährt, absolviert er zunächst um kurz nach sieben Uhr am Morgen einen Auftritt im ARD-Morgenmagazin. Moderatorin Sabine Scholt will von Jung wissen, was sich die Partei angesichts des Fürther Wahlerfolgs beim ihm abschauen könne. Jung entgegnet, er habe simple Vorschläge im Gepäck. Er spricht von einer tollen Tradition, von den SPD-Kanzlern Helmut Schmidt, Willy Brandt und Gerhard Schröder. Sie alle seien wirtschaftsstark gewesen, hätten eine hohe Wirtschaftskompentenz gehabt und daran müsse man anknüpfen. „Das ist Thema Nummer eins für mich im Augenblick in der Republik“, so Jung.

Die Partei müsse wieder mehr ins Kümmern kommen, müsse den Erhalt von Industriearbeitsplätzen und bezahlbares Wohnen in den Mittelpunkt rücken. Das bedeute auch, sich um andere Randthemen vielleicht zwar weiter zu kümmern, aber es weniger zu betonen. Es habe in den vergangenen Jahren „zu viel Sozialstaatsromatik“ gegeben, befindet Jung. „Die Abkehr von der erfolgreichen Agenda-Politik“ sei „ein schwerer Fehler“ gewesen - aber: „Man kann ja zurück.“

Kurz geht es dann um das Spitzenpersonal der SPD. Jung sagt, er hätte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius als Kanzlerkandidaten vorstellen können. „Dazu hätte Olaf Scholz zurücktreten müssen - hat leider nicht geklappt“, so der 64-Jährige. Mit Lars Klingbeil, einem der amtierenden SPD-Chefs, pflege er einen guten Austausch. Die Doppelspitze aber sieht Jung skeptisch: „Das ist ein Signal, einer schafft es nicht alleine.“

Er selbst, sagt Jung, sei das Beispiel, dass es grundsätzlich eine Offenheit gebe, die SPD zu wählen. Im Wahlkampf habe er seine Parteizugehörigkeit nicht versteckt. „Das haut hin. So simpel kann es gehen“, sagt er. Für den Wahlerfolg brauche es Vertrauen und Verlässlichkeit. Aber mit einem Fokus auf den wichtigen Themen, für Jung sind das Wirtschaftskompetenz und Wohnen, „kann es schnell nach oben gehen.“ Und er wünscht sich mehr Freude. Ihn störe der Widerwille, wenn die Regierung beispielsweise Erfolge bei der Kontrolle der Migration verkünde. Man müsse sich darüber freuen, „sonst nützt es gar nichts“, so der 64-Jährige.

Am Donnerstagabend hatte Jung in den sozialen Medien einen Post zu seiner anstehenden Berlinreise geteilt. Minister und Ministerpräsidenten der SPD wollen demnach von ihm wissen, wie gut das funktioniert in Fürth. „So interessant war ich noch nie zuvor“, schreibt er.