Nürnberg - Skandal in Frankreich? Damit sich Paris St. Germain bestmöglich auf das Champions League-Viertelfinale vorbereiten kann, wurde das entscheidende Spiel um die Meisterschaft kurzerhand verlegt. Der Gegner ist empört.

Es ist, also würde das Spiel des FC Bayern beim FC St. Pauli verlegt werden, damit sich das Team von Cheftrainer Vincent Kompany auch wirklich optimal auf das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid vorbereiten kann. Undenkbar? Nein, also zumindest nicht in Frankreich. Der dortige Ligaverband hat am Donnerstag „einstimmig beschlossen“, die Spiele von Paris St. Germain und Racing Straßbourg zu verlegen – nämlich vom Wochenende des 11. April, was zwischen dem Hin- und Rückspiel der Viertelfinals in den europäischen Wettbewerben liegt, auf Mitte Mai.

Der Hintergrund: Aktuell sind nur noch Straßbourg und Paris als letzte französische Vertreter in der Conference League beziehungsweise in der Champions League im Rennen. Die Ligue 1 will nun offenbar deren Erfolgschancen erhöhen und begründet die umstrittene Spielverlegung mit der „strategischen Ausrichtung, Frankreich den fünften Platz im UEFA-Ranking zu sichern, der vier Startplätze in der UEFA Champions League garantiert“. Konkret wolle man „optimale Bedingungen“ für die Vorbereitungen auf die jeweiligen Viertelfinals garantieren. Paris trifft im Viertelfinale der Königsklasse auf den FC Liverpool, Straßbourg ist in der Conference League gegen Mainz gefordert – und anders als ihre Kontrahenten aus England und Deutschland haben die beiden französischen Teams rund eine Woche zur Regeneration, anstatt am Wochenende zwischen den Viertelfinals in der Liga antreten zu müssen.

Das kann nicht nur für Liverpool und Mainz einen Wettbewerbsnachteil bedeuten, sondern auch für RC Lens. Das Überraschungsteam der Ligue 1 hätte eigentlich zwischen den beiden Viertelfinals gegen Paris gespielt. Es wäre das wohl vorentscheidende Spiel um die Meisterschaft, Lens hat mit einem Spiel mehr nur einen Punkt weniger auf dem Konto als das Starensamble aus der Hauptstadt. Das Spiel findet nun in einer englischen Woche vor dem letzten Liga-Spieltag statt – und damit unter gänzlich anderen Vorzeichen.

Bereits vor der Entscheidung des Ligaverbandes hatten sich die Nordfranzosen gegen eine Verlegung ausgesprochen. Sie hätten das „besorgniserregende Gefühl, dass die französische Meisterschaft nach und nach zu einer Anpassungsvariable degradiert wird, die den europäischen Erfordernissen einiger weniger untergeordnet ist“, teilte der Verein am Montag mit. Er beklagte in dem Statement zudem „eine eigenartige Auffassung von sportlicher Fairness, für die man in anderen großen kontinentalen Wettbewerben kaum ein Pendant findet“.