Nürnberg - Miroslav Klose war bei Blickpunkt Sport zu Gast. In der Sendung sprach der Cheftrainer des 1. FC Nürnberg über seine Verbundenheit zum Verein, seine Stärken als Trainer und einen Aufstieg in die Bundesliga.

„Wenn es uns gelingt, so wie jedes Jahr, Spieler besser zu machen und schönen, erfolgreichen Fußball zu spielen, dann mache ich alles richtig“, definiert Miroslav Klose im Blickpunkt Sport seinen persönlichen Anspruch an sich selbst. Eine bemerkenswerte Erwartungshaltung in einem Geschäft, in dem es um Punkte und oftmals um kurzfristige Erfolge statt um langfristige Entwicklung geht.

Dabei legt der Cheftrainer des 1. FC Nürnberg genau darauf großen Wert – auf Entwicklung. „Wir wissen, dass wir jeden Spieler besser machen. Das zeigt auch die zweite Saison. Wir haben immer Spieler, die richtig große und schnelle Schritte machen“, erklärte der Coach. Nachweise dafür brachte er schon zuhauf: Allein die Transfers von Caspar Jander oder Stefanos Tzimas, die innerhalb kurzer Zeit von No-Names zu Shootingstars und von Shootingstars zu Rekord-Transfers avancierten, sprechen für die Fähigkeit des Weltmeisters, junge Spieler weiterzuentwickeln.

Dabei beschrieb er ein zentrales Element im Trainingsalltag: Pro Einheit pickt sich der Cheftrainer „zwei, drei Spieler“ heraus, die unter besonderem Fokus stehen und detailliert betrachtet werden – auch weil der Unterschied im Detail liegt. Kloses Antrieb: „Ich will jede Minute auf dem Platz nutzen, um die Spieler besser zu machen.“ Auch, weil dann automatisch die Mannschaft besser werde.

Dabei empfindet es der einstige Top-Torjäger als Vorteil, „wenn man früher gespielt hat“. Einerseits genieße man eine gewisse Autorität und einen Vertrauensvorschuss. „Ich glaube, die Spieler hören zu“, konstatierte Klose. Außerdem kenne man die Perspektive der Spieler, könne sich in die Profis hineindenken. Eine zentrale Rolle spielen für den 47-Jährigen auch die Gespräche: „Diese menschliche Schiene ist mir sehr wichtig. Ich brauche diese Beziehung zu den Spielern und möchte alles wissen – zum Beispiel was sie außerhalb vom Platz machen oder wie sie sich mit Fußball beschäftigen. Ich möchte verstehen, wie der Spieler tickt.“

Eine ähnliche Marschroute verfolgt der Weltmeister im Umfang mit den Fans. „Ich führe viele Gespräche, gehe in der Stadt spazieren und tausche mich gerne mit den Fans aus“, erzählte er. Dabei ginge es ihm darum herauszufinden, wie die Anhänger die gegenwärtige Entwicklung beurteilen, welche Spieler es ihnen angetan haben und Vieles mehr. „Das macht mir Spaß.“ Generell fühlt sich Klose in Nürnberg „gut aufgehoben“ und betonte abermals seine Verbundenheit zum Verein: „Jeder weiß, wie gerne ich hier arbeite und mit der Mannschaft zusammenarbeite. Das, was mir die Fans an Vertrauen und Liebe entgegenbringen, das habe ich so noch nie erlebt.“

Generell dürfte Klose Vieles, was er beim 1. FC Nürnberg erlebt, zum ersten Mal erleben. Erstens – natürlich – weil der Club eben der Club ist. Und zweitens, weil es für den deutschen Rekord-Torschützen erst die zweite Trainerstation im Erwachsenenbereich. Sein Intermezzo beim SCR Altach endete schnell und erfolglos. Auch beim fränkischen Altmeister durchschritt Klose schon einige Täler, stand mehrmals vor dem Aus und noch häufiger in der Krise. Aktuell steuern die Nürnberger nach zuletzt zwei Siegen in Folge wieder in ruhigere Gewässer, setzen sich mit acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang ab. Sogar das von Sportvorstand Joti Chatzialexiou vor der Saison ausgegebene, früh in der Saison aber unrealistisch wirkende Ziel, unter die Top 25 in Deutschland und damit unter die Top 7 in der 2. Bundesliga zu kommen, scheint wieder in Reichweite.

Langfristig strebt der Weltmeister, der sich selbst als „sehr ehrgeizig“ beschreibt, aber nach Höherem: „Wir haben richtig gute Spieler. Wenn wir den Großteil halten können – was in Nürnberg natürlich nicht immer geht – und die Ergänzungen passen, dann können wir schon ein bisschen höher in der Tabelle schauen.“ Er nahm sogar das A-Wort in den Mund: „Irgendwann wollen wir uns annähern, um vielleicht aufzusteigen.“ Dafür muss der Club Leistugsträger binden und damit, wie es der Cheftrainer formuliert, „ein Fundament aufbauen“. Das war in den vergangenen Transferperioden, die allesamt mit einem massiven Umbruch einhergingen, nicht der Fall. Die hohe Fluktuation im Nürnberger Kader sieht der Coach kritisch: „Das ist das, was es einem Trainer schwierig macht, weil jeder Spieler anders ist, jeder ein anderes Profil sowie andere Stärken und Schwächen hat. Das musst du dann wieder zusammenbringen, sodass es als Mannschaft funktioniert.“