Nürnberg - Marcus König bleibt Nürnbergs Oberbürgermeister. Was treibt ihn an und welche Konflikte warten? Zwischen Sparmaßnahmen, Stadtrat-Streit und großen Erwartungen wartet eine turbulente zweite Amtszeit.

Marcus König bleibt für weitere sechs Jahre Nürnbergs Oberbürgermeister. In der Stichwahl setzte sich der 45‑Jährige mit 55,5 Prozent klar gegen seinen Herausforderer Nasser Ahmed (SPD) durch. Mit seiner Wiederwahl schreibt der gebürtige Nürnberger Geschichte: Erstmals gelingt es in der einstigen SPD‑Hochburg einem CSU‑Politiker, das Amt zu verteidigen. Doch wie tickt König und welche Herausforderungen warten nun in seiner zweiten Amtszeit? Ein Blick auf einen emotionalen Wahlsieger und die Aufgaben der kommenden Jahre.

Sichtlich erleichtert betrat König am Sonntagabend den Saal des Holiday Inn, wo die CSU den Wahlausgang feierte. „Es war kein leichter Wahlkampf, er hat fast ein Jahr gedauert. Ich bin dankbar für das erneute Vertrauen“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Der Wahlkampf sei ein „Kraftakt“ gewesen, so König. „Wir haben nichts versprochen, was wir nicht halten können“, resümierte der CSU-Politiker nach dem Wahlsieg. Am Schluss eines aufregenden Abends liefen Freudentränen über seine Wangen.

Am Tag nach der Wahl bedankte sich König auch in den sozialen Medien. Auf Instagram schrieb er, er sei stolz, seiner Heimatstadt weiter als Oberbürgermeister „dienen zu dürfen“, und versprach: „Ich werde weiter mein Bestes für Nürnberg geben. Wir sind alle Nürnberg.“

Oberbürgermeister vorgestellt: Wofür steht Marcus König?

Die Aussagen nach dem Wahlerfolg passen perfekt in die Kommunikation des OB. Der gelernte Bankkaufmann betont gerne das Verbindende, beschwört Zusammenhalt und wünscht sich eine „Stadt für alle“. Gerne greift er dabei auch das Zitat der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer auf: „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet.“

22.03.2026, Bayern, Nürnberg: Marcus König (r, CSU
Marcus König: „Ich wünsche mir, dass wir eine Stadt vorfinden, die für alle da ist. Und, dass wir einfach gerne in Nürnberg leben - dafür werde ich weiter arbeiten. Ich habe Lust auf Nürnberg und ich weiß, dass alle hier draußen auch Lust auf Nürnberg haben und jetzt packen wir weiter an.“ © Daniel Karmann/dpa

König gibt sich bodenständig und versucht, Verlässlichkeit auszustrahlen. Anders als sein Parteifreund Markus Söder bevorzugt er sachliche Debatten und nüchterne Betrachtungsweisen. Sozialpolitisch beschäftigt ihn seit Längerem das Thema Einsamkeit, das er jüngst als „Pest des 21. Jahrhunderts“ bezeichnete. Sein Anspruch: Die Menschen sollen gerne in Nürnberg leben. Im Wahlkampf setzte er auf Stabilität und Verlässlichkeit.

Als Oberbürgermeister führt König eine Verwaltung mit mehr als 10.000 Beschäftigten, repräsentiert Nürnberg nach außen und moderiert nach innen den Stadtrat. Der Terminkalender reicht von Unternehmensbesuchen bis zu Gratulationen zum 100. Geburtstag - ein „Familienjob“ sei das nicht, sagt er. Zeit mit seiner Frau Anke und seinem Sohn Jakob bleibt vor allem im Urlaub. Über Ostern geht es für die Familie nun an die Nordsee, um Abstand vom Wahlkampf zu gewinnen. Für den Ausgleich setzt der 45-Jährige weiterhin auf Sport: Bis zu viermal pro Woche joggt er im Marienbergpark.

Herausforderungen in der kommenden Amtszeit

Königs erste Amtszeit war geprägt von der Coronapandemie und den Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Auch die kommenden Jahre werden herausfordernd: Stark steigende Sozial- und Personalkosten, hohe Investitionsbedarfe und eine weiterhin unzureichende strukturelle Finanzierung der Kommunen durch Bund und Länder setzen den Haushalt unter Druck. Im aktuellen Etat sind Einsparungen von 30 Millionen Euro vorgesehen.

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Marcus König bei der Stimmabgabe im Wahllokal Schafhofstraße. Die Stichwahlbeteiligung lag bei 41,1 Prozent - so niedrig wie in keiner Stichwahl zuvor. © Hans-Joachim Winckler

Nach der Kommunalwahl ist der Nürnberger Stadtrat so vielfältig wie noch nie zusammengesetzt. 13 Parteien und Gruppen sitzen im 70‑köpfigen Gremium. Trotz des fairen Wahlkampfes bleiben Streitthemen bestehen. Was passiert etwa mit dem ehemaligen Kaufhof, den die CSU und König gerne als „Herz der Innenstadt“ bezeichnen? Die CSU plädiert für einen Verkauf an einen Investor. Kritikerinnen wie die Stadträtin Marion Padua von der Linken Liste halten dagegen: „Wer verkauft denn sein Herz an einen Investor?“

König und die Nürnberger CSU werben für ein „zukunftssicheres, nachhaltiges und lebenswertes Nürnberg“. Grundsätze, denen viele in der Stadtgesellschaft zustimmen - doch darüber, wie diese Ziele erreicht werden sollen, gehen die Meinungen deutlich auseinander. Ein Beispiel dafür ist der geplante Ausbau des Frankenschnellwegs. Ist dieser nachhaltig und macht er Nürnberg lebenswerter? König sagt ja und befürwortet den Ausbau. Die Gegner des Frankenschnellweg-Ausbaus haben ihre Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammenbekommen.

Am Beginn seiner zweiten Amtszeit steht Marcus König damit vor einem vertrauten, aber anspruchsvollen Balanceakt: Er muss finanzielle Engpässe bewältigen und die großen Zukunftsfragen der Stadt moderieren. Gleichzeitig wird er an seinem Versprechen gemessen, Nürnberg für alle lebenswerter zu machen. An Herausforderungen mangelt es nicht - und an Erwartungen ebenso wenig.