Nürnberg - Der ehemalige Kaufhof am Wendepunkt: Warum Nürnbergs Innenstadtprojekt jetzt in eine kritische Phase geht und welche Entscheidungen nun anstehen. Ein Überblick über das bisher Erreichte und die nächsten Schritte.

Es war ein Ausrufezeichen, das die Stadt Nürnberg im Sommer 2024 setzte, als sie den Kauf des ehemaligen Kaufhofs abschloss. Die Immobilie der insolventen Warenhauskette stand zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahr leer - ein weiterer jahrelanger Leerstand sollte verhindert werden. Zu schmerzhaft die Erfahrungen mit dem City-Point. Dazu der offensichtliche Leerstand in der anschließenden Breiten Gasse, der damals wie heute bei rund 14 Prozent liegt.

Der Zustand des Gebäudes zeigte schnell, wie dringend die Intervention gewesen war. Als die Verantwortlichen Monate nach der durchaus mutigen Entscheidung endlich die Schlüssel in die Hand bekamen, ging es erst einmal nur um die Sicherung der Immobilie. Die nötigen Dokumente? Unvollständig. Die technischen Anlagen? In die Jahre gekommen. Und der Sanierungsbedarf? Offensichtlich. Umgehend wurde eine Projektorganisation auf die Beine gestellt, der „Sonderstab Kaufhof“ war geboren. Schnell gelang es dem Sonderstab, ein Zwischennutzungskonzept für das Erdgeschoss zu erarbeiten, und noch im Herbst 2024 begann die Wiederbelebung.

Von Kultur bis Gewerbe: Erfolgreiche Wiederbelebung

Belebt wurde der ehemalige Kaufhof zunächst mit Kunst und Kultur. Da gab es beispielsweise die mehrmonatige Veranstaltungsreihe „Zukunftsmusik“, die vom Projektbüro Kultur der Stadt Nürnberg initiiert und kuratiert wurde. Zur Blauen Nacht 2025 bespielte die Akademie der Bildenden Künste das Areal und sorgte mit einem später öffentlich diskutierten Zensurvorwurf für Aufmerksamkeit.

Ob Installationen, Ausstellungen, Musik oder Workshops - das Gebäude aus den 1950er-Jahren war wieder voller Leben. Gleichzeitig trieb der Sonderstab im Hintergrund die Mieterakquise voran, um eine weitere Zwischennutzung im Erdgeschoss zu realisieren - diesmal gewerblich. Ab Herbst 2025 zogen verschiedene Mieter ein, darunter ein Wöhrl-Outlet, der Tessloff Verlag und Ikea mit einem Pop-up-Store. Das Café Sloe eröffnete an der Ecke Breite Gasse/Pfannenschmiedsgasse, die Systemgastronomie Beets & Roots folgte wenige Meter weiter. Die Technische Universität Nürnberg präsentiert sich im ehemaligen Razifazi. Der Schlüssel- und Schuhreparaturdienst ist wenige Meter weiter in die Mauthalle gezogen. Wo einst die Sparkasse war, verkauft heute Sando Sauerteig-Sandwiches.

Die Wiederbelebung ist der Stadt und ihrem Sonderstab geglückt. Sie haben erreicht, was sie sich vorgenommen hatten: Das Gebäude sollte nicht zum Problemfall werden, sondern wieder in den städtischen Alltag eingebunden sein. Nun aber steht die nächste Weichenstellung an. Ein langfristiges Nutzungskonzept soll entstehen und anschließend zusammen mit der Immobilie an einen Investor veräußert werden. Gut ein Dutzend Investoren haben laut Stadt schon ihr Interesse an einem Erwerb und der Projektentwicklung bekundet.

Politischer Streit: Verkauf oder behalten?

Doch der von den großen Fraktionen (CSU, SPD, Grüne) angestrebte Verkauf ist nicht unumstritten. Einwände der kleineren Parteien und Gruppierungen im Nürnberger Stadtrat: Für das Gemeinwohl gekauft und jetzt die Rückgabe an den renditegetriebenen Markt? Lässt sich hier die Stadt möglicherweise hohe Einnahmen entgehen, die Druck aus künftigen Haushaltsplanungen nehmen könnten?

Die CSU und Oberbürgermeister Marcus König reagieren genervt: Der Stadt fehle das Geld für eine eigene Umsetzung. Man müsse Investoren vertrauen. „Es selbst zu machen, wird nicht funktionieren“, sagt Oberbürgermeister Marcus König. Der städtische Zwischenerwerb war von Beginn an als temporäre Phase und nicht als dauerhafte Eigentumsposition angelegt. Das teilte das Wirtschaftsreferat der Stadt Nürnberg mit. Zugleich betonte es, dass die Rolle der Stadt bei der endgültigen Umsetzung des Projekts noch offen ist.

Große oder kleine Lösung: Das Zeughaus-Quartier soll entstehen

Ende Januar stimmte der Stadtrat mehrheitlich für die Einleitung eines strukturierten Konzeptauswahlverfahrens (56 Ja, 5 Nein). Denkbar sind dabei zwei Optionen: eine „kleine Lösung“, die sich auf den ehemaligen Kaufhof und das Parkhaus in der Frauengasse beschränkt, sowie eine „große Lösung“, die zusätzlich den benachbarten City-Point, das Zeughaus und die Mauthalle in eine Quartiersentwicklung einbezieht. Voraussetzung dafür ist eine Einigung mit der City-Point-Eigentümerin, der Versicherungskammer Bayern. Diese hat bereits eine grundsätzliche Offenheit für eine koordinierte Entwicklung signalisiert.

3D Modell des Kaufhof-Areals mit Kaufhof, Citypoin
Quartiersbetrachtung: Die bevorzugte Variante würde neben dem Kaufhof und seinem Parkhaus auch den City-Point, das Zeughaus und die Mauthalle einbeziehen. Entstehen soll dabei das sogenannte Zeughaus-Quartier. © wbg Nürnberg, Stadt Nürnberg

Der nun beschlossene Prozess ist in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase werden geeignete Marktteilnehmer qualifiziert. Anschließend folgt eine Konzept- und Dialogphase, in der die Ideen vertieft werden. In der dritten Phase geht es schließlich um Verhandlungen und einen möglichen Vertragsabschluss. Nach jeder Stufe entscheidet der Stadtrat über das weitere Vorgehen. Insgesamt ist das Verfahren auf zehn bis achtzehn Monate angelegt. Gehen die Pläne auf, könnte im Laufe des kommenden Jahres feststehen, welche Zukunft der frühere Kaufhof haben wird - und wie eines der wichtigsten Innenstadtareale Nürnbergs in den kommenden Jahrzehnten aussehen soll.