
Es läuft die 63. Spielminute im Heimspiel gegen den Linzer ASK, als Rapid Wien einen Handelfmeter zugesprochen bekommt. Bendeguz Bolla, der Torschütze zum 2:1-Zwischenstand, schnappt sich den Ball. Doch Janis Antiste will schießen, stellt sich seinem Mitspieler in den Weg. Zwischenzeitlich stehen vier Rapid-Profis um den Punkt und diskutieren. Letztendlich intervenierten Kapitän Matthias Seidl und Ex-Nürnberger Jannes Horn und beendeten den internen Machtkampf, indem sie Antiste davon stapfen und Bolla übernehmen ließen.
Der Ungar verwandelte sicher ins linke Eck und jubelte im Anschluss ausgelassen mit seinen Mitspielern. Und Antiste? Beteiligte sich nicht an der Jubeltraube, sondern schritt mit leerer Miene durchs Mittelfeld. Es sollten seine letzten Schritte in diesem Spiel, das letztlich mit einem 4:2-Sieg für die Hauptstädter endete, sein: Trainer Johannes Hoff Thorup wechselte den Stürmer unmittelbar nach dem Elfmeter-Eklat aus. Den unkollegialen Auftritt des ehemaligen Nürnbergers quittierten die Rapid-Fans mit Pfiffen bei dessen Auswechslung.
Trainer Johannes Hoff Thorup knöpfte sich seinen Schützling direkt vor und sagte nach Spielende: „In allem, was wir tun, ist alles ins kleinste Detail geplant und vorbereitet. Davon rücken wir nicht ab. Wir haben auch eine klare Liste bei den Elfmeterschützen.“ Auf dieser steht Antiste, das legte ein Mitspieler im Nachgang offen, nicht unter den ersten drei Optionen – anders als Bolla.
Der Doppelpacker zeigte aber im Interview bei Sky Verständnis für Antistes Verhalten: „Es war ein bisschen chaotisch, aber wir müssen nicht viel darüber reden. Er ist ein Stürmer, er will auch Tore schießen.“ Vor allem weil Stürmer bekanntlich an Toren gemessen werden und es für Antiste um seine Zukunft geht: Der 23-Jährige ist bis zum Sommer von Sassuolo an Rapid verliehen. Die ursprüngliche Kaufverpflichtung, die ab einer gewissen Anzahl von Einsätzen gegriffen hätte und damit für eine zwischenzeitliche Einsatz-Pause des Neuzugangs sorgte, wurde inzwischen wegverhandelt.
Zwar sammelte Antiste bereits 15 Startelf-Nominierungen in der österreichischen Bundesliga, konnte mit nur vier Scorern den Erwartungen bisher aber nicht gerecht werden – wenngleich er das wohl bislang wichtigste Saisontor, das zur Qualifikation für die Meistergruppe genügte, erzielte. Von den „zehn bis 15 Tore“, die der damalige Trainer Peter Stöger zu Saisonbeginn Antiste zugetraut hatte, ist der Stürmer dennoch ganz weit entfernt. Sein jüngster Auftritt nährt nun die Zweifel, ob der 23-Jährige auch in der kommenden Saison noch das Rapid-Leiberl trägt.
