Dänemark - Mit mehr als 21 Millionen Übernachtungen pro Jahr sind die Deutschen die größte Gruppe ausländischer Gäste in Dänemark. Mehr als 70 Prozent nächtigen in Ferienhäusern. Warum diese so beliebt sind und was man an der dänischen Westküste erleben kann.

„Signalhuset“ steht auf dem Backsteinhaus mit weißen Sprossenfenstern im Örtchen Søndervig an der dänischen Westküste. Schnell den Koffer reingestellt und einmal über die Düne gelaufen – und da ist sie schon: die Nordsee.

Urlaub im dänischen Ferienhaus ist seit Jahrzehnten ein Ferienklassiker. Acht Millionen Deutsche fahren Jahr für Jahr ins Nachbarland. Für 2024 meldeten die Touristiker Rekordzahlen: Mehr als 21 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste, mehr als 70 Prozent von ihnen in Ferienhäusern. Es ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Urlaubsform, Tendenz steigend. Warum sind Ferienhäuser so beliebt? Und wie gehen eigentlich die Dänen mit der alljährlichen Invasion ihrer Nachbarn um?

In der Region Vesterhavet waren die Betten im Jahr 2024 zu 76 Prozent von Deutschen belegt. Der Deutschen überdrüssig scheint man dort aber nicht zu sein. An den weitläufigen Stränden verteilen sich die Urlauber. In der Heidelandschaft hinter den Dünen verteilen sich auch die Ferienhäuser. Von Overtourism kann keine Rede sein.

Dänemark Westküste
Das „Signalhuset“ wird wie 500 weitere private Ferienhäuser von Feriepartner Hvide Sande – Søndervig vermietet. Die Tourismusorganisation achtet auf gewisse Standards, 2025 wurde ein Siegel für Energieeffizienz eingeführt. © Jasmin Siebert

Und noch einen weiteren Grund gibt es, warum die Dänen entspannt mit dem Tourismus umgehen: Das dänische Recht gestattet es jedem Bürger, nur ein Ferienhaus steuerfrei zu vermieten. Gewerbliche Vermieter müssten 25 Prozent Mehrwertsteuer verlangen, daher ist das kein lukratives Geschäftsmodell. Die Gewinne verteilen sich stattdessen auf viele Privatleute. Und diese kümmern sich um ihre Häuser und statten sie individuell aus. Das wiederum macht sie für Gäste heimelig.

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Blick ins stilvoll eingerichtete Wohnzimmer unseres Ferienhauses. © Jasmin Siebert

Im „Signalhuset“ sind die drei Schlafkammern im Obergeschoss in gelb, grün und blau gehalten. Es sind wirklich nur schmale, aber sehr gemütliche Kammern. Im Haus stehen Fotos der Eigentümerfamilie und auch in der Küche finden sich ein paar Erbstücke neben dem Ikea-Geschirr und der ultramodernen Kochinsel. Dass es für die Toilette nicht einmal einen Schlüssel gibt, macht das Wohnen gleich noch persönlicher.

Ob ein Ferienhaus von den Eigentümern auch privat genutzt wird, erkenne man daran, dass sie nicht nur individuell saniert sind, sondern auch mit dänischen Design-Klassikern ausgestattet seien, etwa der ikonischen Pendelleuchte von Louis Poulsen, verrät eine Touristikerin. Und so verbringt man den Abend darüber rätselnd, ob die Lampe überm Tisch wohl echt ist.

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Blick auf Blåvandshuk Fyr vom Wattenmeer aus: Den Turm daneben haben die Nationalsozialisten gebaut, als sie Dänemark besetzt hatten. © Jasmin Siebert

Auf Leihrädern geht es zu Lyngvig Fyr, Dänemarks jüngstem Leuchtturm

Die online gebuchten E-Bikes stehen am Ferienhaus bereit. Auf einem gut ausgeschilderten Radweg geht es zu Lyngvig Fyr, Dänemarks jüngstem Leuchtturm. Er wurde 1906 auf Drängen Norwegens errichtet, nachdem drei Jahre zuvor ein norwegischer Frachter gekentert war und 24 Seeleute gestorben waren. Im Wärterhaus ist nun ein Ladencafé untergebracht, davor gibt es einen schönen Sandspielplatz für die Kleinsten.

Einen Besuch wert ist auch Blåvandshuk Fyr, der westlichste Leuchtturm, der vor dem gefährlichen Horns Rev warnt und Seeleute den Weg zum Hafen Esbjerg weist. Zum 125-jährigen Jubiläum wurde eine Ausstellung in der ehemaligen Wärterwohnung kuratiert, in der man viel über das Wattenmeer, das hier auf die restliche Nordsee trifft, und Windkraft lernen kann. Kinder können Leuchttürme und Windmühlen bauen.

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Ferienhäuser an der dänischen Westküste © Jasmin Siebert

Wer die 170 Stufen nach oben steigt, hat einen weiten Blick über die Küste und die Heidelandschaft. Sie ist auch ein Paradies für Birdwatcher (deutsch: Vogelbeobachter), 344 verschiedene Arten wurden hier schon gesichtet. Ein Teil der Heide ist Sperrgebiet. Wenn rote Ballons gehisst sind, ist das Betreten verboten, dann wird scharf geschossen. Als wir das dänische Militärgelände Kallesmaersk Hede passieren, sehen wir Soldaten mit Gasmasken, die auf einer Bahre einen Kameraden transportieren.

Grafik Dänemark
© punktX GbR

1800 Bunker haben die Deutschen an der dänischen Küste hinterlassen

Gleich neben Blåvandshuk Fyr steht ein markanter eckiger Turm, auf dem sich während der Herrschaft der Nationalsozialisten ein Würzburg-Riese-Radar drehte. Es ist ein mahnendes Überbleibsel der Radaranlagen, die die Deutschen ab 1940 an der dänischen Küste bauten. 500 alliierte Flugzeuge konnten die Deutschen vor Dänemark abschießen.


Mehr Informationen:

visitdenmark.de, visitvesterhavet.de

Anreise:

Die 1000 Kilometer von Nürnberg nach Hvide Sande fährt man mit dem eigenen Auto in etwa zehn Stunden. Der nächste Bahnhof ist in Ringkøbing, von dort fahren Busse weiter. Von Nürnberg aus dauert die Zugfahrt etwa elf Stunden mit mindestens drei Umstiegen.

Wohnen:

Die allermeisten Ferienhäuser in Dänemark sind in Privatbesitz. Sie können unter anderem über feriepartner.de gebucht werden, Telefon: 0800/180 65 07.

Beste Reisezeit:

Juni bis August für Strandurlaub, Frühjahr und Herbst für Aktivitäten in der Natur

Hinterlassen haben die Deutschen auch 1800 Bunker entlang der dänischen Küste. Sie sind öffentlich zugänglich. In manchen türmt sich der Sand im Eingang, in anderen kann man durchs feuchte Dunkel tappen und sich gruseln. Mehr über die Geschichte der Nordseeküste und der Bunker kann man im Tirpitz-Museum in Blåvand, erfahren.

Es ist erst 85 Jahre her, dass die Deutschen in Dänemark einfielen, fünf Jahre lang besetzten die Nationalsozialisten das Nachbarland. Offenen Widerstand leisteten die unterlegenen Dänen damals nicht, der formierte sich erst, als es um die Rettung der dänischen Juden ging. Welch ein Privileg, dass die Dänen ihre deutschen Nachbarn heute wieder freundlich und gelassen willkommen heißen und ihre Ferienhäuser mit ihnen teilen.