Nürnberg - Am 8. März ist Weltfrauentag - von vielen auch Feministischer Kampftag genannt, sorgt er bei manchen für Irritationen. Schließlich sind Frauen hierzulande doch gleichberechtigt. Oder etwa nicht? Drei Gründe dagegen.

Die Liste, warum Frauen in einer patriarchischen Gesellschaft nicht gleichgestellt sind, umfasst selbstverständlich mehr als nur drei Gründe. Denn auch wenn Männer und Frauen vor dem Gesetz gleichgestellt sind, ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis nach wie vor groß. Ein Beispiel sind Schönheitsideale: Selbstverständlich steht nirgends geschrieben, dass es für Frauen wichtiger ist einem Ideal zu entsprechen, als für Männer. Doch der Druck auf Frauen scheint dennoch größer zu sein. So ist die Zahl von Essstörungen in Deutschland erst zuletzt wieder drastisch gestiegen. Laut einer Analyse der KKH Kaufmännische Krankenkasse aus 2025 stieg besonders unter 12- bis 17-jährigen Mädchen die Zahl der Fälle von Magersucht, Bulimie und Binge Eating, also krankhaften Essanfällen. Mädchen seien besonders anfällig, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm gegenüber der Tagesschau. Sie verglichen sich demnach häufiger in den sozialen Medien und verspürten einen höheren Druck, Schönheitsidealen zu entsprechen.

Auch der sogenannte „Mental Load“ ist ein Beispiel, an welchem deutlich wird, dass zwischen Theorie und Praxis oft Unterschiede liegen, die eine Benachteiligung von Frauen Gesellschaft ermöglichen, in der auf dem Papier Frauen alle Rechte haben, die auch Männern zustehen. So hat eine Studie aus den USA bereits 2019 gezeigt, dass 90 Prozent der befragten Mütter allein für die Organisation der Familientermine verantwortlich fühlen. Das kann alles sein, vom Arzttermin vereinbaren bis zum Geschenk für den Kindergeburtstag überlegen und besorgen. Diese Verantwortung nennt sich „Mental Load“ (zu deutsch: geistige Last), weil die Mütter für alle Familienmitglieder mitdenken müssen. Väter hingegen helfen in der Familie häufig mehr aus, als dass sie den Mental Load zu gleichen Teilen mittragen. Das trifft natürlich nicht auf alle Familien zu - ein traditionelles Rollenbild zu einer Zeit, in der die meisten Frauen berufstätig sind, begünstigen diese Strukturen allerdings häufig.

Doch es gibt neben gefühlter Ungleichheit auch einige Bereiche, in welchen nachzuweisen ist, dass Frauen in Deutschland nicht nur individuell, sondern auch strukturell weiterhin benachteiligt sind. Drei essenzielle Beispiele aus den Bereichen Finanzen, Sicherheit und Gesundheit beweisen das.

1. Frauen stehen finanziell oft immer noch schlechter dar

Fast die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) ist der Ansicht, dass für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland schon genug getan wurde - ein Zuwachs um elf Prozentpunkte gegenüber 2019. Allerdings sind nahezu ebenso viele Menschen im Land (45 %) gegenteiliger Ansicht. Das geht aus einer aktuellen Ipsos-Studie hervor, die anlässlich des Weltfrauentags 2026 in 29 Ländern unter mehr als 23.000 Personen durchgeführt wurde. Zu den 29 befragten Ländern gehören neben Deutschland, mit einer Stichprobengröße von 1000 Personen auch Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn und die USA.

Unter den männlichen Befragten in Deutschland hält sogar eine Mehrheit von 55 Prozent den bisherigen Einsatz für die Gleichstellung für ausreichend, bei den Frauen sind es lediglich 36 Prozent. In dieser wie auch in anderen Fragen zum Geschlechterverhältnis gehen die Einschätzungen deutlich auseinander.

So sind 52 Prozent davon laut der Studie überzeugt, dass es hierzulande besser liefe, wenn mehr Frauen verantwortungsvolle Positionen in Regierung und Unternehmen innehätten. Dem stimmen 58 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer zu. Ähnlich fällt das Urteil bei der Frage nach weiblicher Führung in Politik und Wirtschaft aus: 51 Prozent der Deutschen sind der Meinung, es könne keine echte Gleichstellung geben, solange hier nicht mehr Frauen vertreten sind - eine Ansicht, die 60 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer vertreten. Einem Ranking von Listfix zufolge liegt die Stadt, mit dem größten weiblichen Anteil in der Geschäftsführung in Mittelfranken: Fürth führt die Liste mit 20,75 Prozent, noch vor Potsdam, Bonn und Berlin an.

Zugleich glaubt knapp ein Drittel der Bevölkerung demnach an Diskriminierung von Männern: Die Förderung von Frauen sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass Männer nun diskriminiert würden. Unter den befragten Männern äußerten dies 37 Prozent, unter den Frauen 22 Prozent gegenüber Ipsos, einem der größten Markt- und Sozialforschungsunternehmen der Welt .

Arbeitsteilung stellt Frauen weiter vor finanzielle Probleme

Wie die Bundesagentur für Arbeit mit Sitz in Nürnberg in einer Pressemitteilung vom 5. März erklärt, wachse die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Bayern zwar, gleichzeitig steige jedoch auch die Teilzeitbeschäftigung. „Das ist sowohl vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels, als auch im Hinblick auf die Existenzsicherung und die Altersvorsorge problematisch“, heißt es.

Die Beschäftigungsquote im Freistaat liege demnach bei den Männern derzeit bei 70,2 Prozent, während sie bei Frauen bei 63,3 Prozent liege. Der Anteil der Männer ist bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten größer, während der Anteil der Frauen bei geringfügig Beschäftigten größer ist.

Frauen stehen laut Arbeitsagentur deshalb deutlich häufiger als Männer vor der Herausforderung, neben der Arbeitssuche allein für die Erziehung eines oder mehrerer Kinder verantwortlich zu sein. Unter den Arbeitslosen waren zuletzt zwölf Prozent weibliche Alleinerziehende, aber weniger als ein Prozent männliche. Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitszeit. Während nur 42 Prozent der Frauen in Vollzeit arbeiten, tun dies 80 Prozent der beschäftigten Männer. Und das obwohl laut der aktuellen Ipsos-Umfrage in Deutschland die Vorstellung einer fairen Arbeitsteilung breite Zustimmung findet: Rund drei Viertel sehen beide Geschlechter in der Pflicht, wenn es um Aufgaben wie die Kindererziehung (73 Prozent), das Geldverdienen (75 Prozent) oder Hausarbeiten wie Kochen oder Putzen (77 Prozent) geht.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich auch in Geschlechterunterschieden in Sachen Verdienst nieder: Während Männer in Bayern laut der Bundesagentur für Arbeit im Durchschnitt 4345 Euro monatlich verdienten, sind es bei Frauen nur 3823 Euro. Der Anteil der Frauen, die über 6.000 Euro verdienten, sei allerdings steigend und lag laut dem Bericht zuletzt aber dennoch nur bei knapp 15 Prozent. Der Anteil der Männer ist mit 26 Prozent jedoch deutlich höher. Demgegenüber ist der Anteil der Frauen, die unter 2000 Euro verdienten, mit sechs Prozent dreimal so hoch wie der Anteil der Männer mit gerade mal zwei Prozent, so die Bundesagentur.

2. Frauen sind weniger sicher: Gewalt an Frauen nimmt zu

Wie das am 21. November vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ verdeutlicht, stiegen die polizeilich erfassten Zahlen an Opfern von Gewalt gegen Frauen in Deutschland im vergangenen Jahr weiter an. Gewalt an Frauen hat hierbei viele Facetten und in den meisten Kategorien verzeichnete das BKA einen Anstieg an erfassten Straftaten. Dieses umfasst politisch motivierte Straftaten, Sexualstraftaten, Straftaten der häuslichen Gewalt, Menschenhandel und digitaler Gewalt. Bis auf die Straftaten der Häuslichen Gewalt ist in allen Kategorien ein Anstieg zu verzeichnen gewesen. Die genauen Zahlen können dem folgenden Artikel entnommen werden.

3. Frauen haben in der Medizin schlechtere Karten

Männer sind in der medizinischen Forschung oft die Norm. Medikamente und Behandlungen, beispielsweise gegen Krebs sind dadurch in vielen Fällen nicht auf die körperlichen Voraussetzungen von Frauen abgestimmt - und das kann gefährlich werden.

So seien beispielsweise die Wirkungen von Chemo- und Immuntherapien, auf Männer- und Frauenkörper unterschiedlich, so Alina Depardon gegenüber unserer Redaktion. Konkret zeigten einige Patientinnen bei einem Chemotherapeutikum schlimmere Schleimhautreaktionen als Männer. Bei einer anderen Substanz hatten Patientinnen deutlich schlechtere Blutwerte. Warum der sogenannte „Gender Health Gap“ also die Ungleichstellung in Sachen Gesundheit nicht einfach geschlossen wird und welche Gefahren sich daraus ergeben, haben uns Expertinnen aus der Region erklärt. Ihre Antworten finden Sie in dem folgenden Artikel.

Rolle rückwärts unter den Jüngeren?

Immerhin: Auf die Frage „Profitieren Frauen, wenn Männer sich an traditionelle männliche Rollenbilder halten?“ hat in der Ipsos-Umfrage nur jeder zehnte Deutsche (10 Prozent) mit „Ja“ geantwortet - der niedrigste Wert unter allen 29 untersuchten Ländern. Am häufigsten vertreten ist die Ansicht, dass Frauen am meisten profitieren, wenn Männer sich nicht an traditionelle männliche Rollen halten (36 Prozent). Halten sich hingegen Frauen an traditionelle weibliche Rollen, meint knapp ein Viertel der Deutschen (24 Prozent), dass davon vor allem Männer profitieren.

Doch auch muss man erwähnen - es scheint eine Art Rückwärtsentwicklung unter den jüngeren Leuten zu geben: Unter allen befragten Männern der von Ipsos befragten Personengruppen war die Generation Z (Jahrgänge circa 1995 bis 2010) die, mit den traditionellsten Auffassungen zur Rollenverteilung - über alle 29 Länder hinweg. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Vergleich zu Männern der Boomer-Generation. 57 Prozent der befragten Gen-Z-Männer glauben an strukturelle Benachteiligung von Männern, fast jeder Dritte ist der Meinung, eine Ehefrau sollte ihrem Ehemann immer gehorchen.

Veranstaltungen zum Weltfrauentag in der Region

Auch angesichts dieser Entwicklung ist ein Kampf gegen Benachteiligung auch hierzulande angemessen. Zum Weltfrauentag werden auch einige Aktionen in der Region rund um Nürnberg: