
Sie sind Traditionsverein, mehrfacher Pokalsieger, Zweitligameister und kämpfen sich seit Jahren im Fußball-Unterhaus ihres Landes ab. Zudem hat ihr Stadion mehr oder weniger ausgedient, ein Umbau ist unvermeidlich. Diese Beschreibung trifft nicht nur auf den 1. FCN Nürnberg zu, sondern auch auf Real Saragossa. Was hat ein spanischer ehemaliger Europapokal-der-Pokalsieger-Sieger mit dem „Ruhmreichen“ zu tun, werden sich geneigte Clubfans nun Fragen - die Antwort: Die Spielstätte der Spanier könnte dem FCN als Vorlage für die eigenen Pläne dienen.
Vertreter der Stadt Nürnberg, des 1. FC Nürnberg, der Stadion-Betreibergesellschaft sowie des beauftragten Planungsbüros und der DFL haben sich in mehr oder weniger geheimer Mission in die Region Aragonien aufgemacht um das dortige Interimsstadion zu inspizieren. Ziel des Termins am 27. und 28. Februar sei gewesen, „praktische Erfahrungswerte mit einem solchen Ausweichstadion zu sammeln und gleichzeitig den Austausch mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) über mögliche Genehmigungsfragen zu vertiefen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Nürnberg.
Das temporäre Stadion im Nordosten Spaniens wurde 2025 errichtet und in Betrieb genommen, damit Real Zaragoza während des Umbaus seines Stadions weiterhin Spiele austragen kann. „Bei dem Termin ging es vor allem darum, aus erster Hand zu erfahren, wie ein solches Stadion geplant, gebaut und betrieben wird, was Beweggründe und Chancen und Herausforderungen sind beziehungsweise waren“, schreibt die Stadt weiter. Besprochen wurden demnach unter anderem Fragen der Bauabläufe, der Ausstattung, der Finanzierung sowie der organisatorischen Umsetzung während der Bauzeit. Auch eine Besichtigung des Stadions und seiner Funktionsbereiche stand auf der Agenda der Delegation aus Nürnberg.
Der Besuch war Teil der laufenden Prüfung eines möglichen Ausweichstadions in Nürnberg. Dabei sollen verschiedene Kriterien bewertet werden – etwa Bauablauf, Kosten, Genehmigungsfähigkeit, Flächenbedarf oder Auswirkungen auf den Veranstaltungsbetrieb. Der Termin in Saragossa habe dazu beigetragen, wichtige Erkenntnisse zu sammeln - eine Entscheidung über ein mögliches Ausweichstadion sei damit aber nicht verbunden. Im Rahmen der laufenden Vorplanung wird derzeit zunächst grundsätzlich geprüft, ob eine solche Lösung für Nürnberg sinnvoll und realistisch wäre. „Erst auf Grundlage dieser fachlichen Bewertung wird der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden.“ Aktuell sieht die Lizenzierungsordnung der DFL zwar keine temporären Stadien in Gerüstbauweise vor, die Liga zeige sich jedoch „grundsätzlich offen, über mögliche Lösungsansätze zu sprechen.“
Die Stadt Nürnberg und der Club wollen den Umbau des Max-Morlock-Stadions. Der Nürnberger Stadtrat steht bislang ebenfalls mit breiter Mehrheit hinter dem Mega-Projekt. Problem nach wie vor: Wo eine geeignete Fläche für eine mögliche Ersatzspielstätte auftun? So soll unter anderem auch über das Zeppelinfeld soll als möglicher Standort im Rathaus diskutiert worden sein. Eine einfache und vor allem baldige Lösung ist nicht in Sicht.
Stadionbürgermeister Christian Vogel betont: „Wir prüfen beim Stadionvollumbau sehr sorgfältig alle Optionen. Dazu gehört auch, sich Projekte in anderen Städten anzusehen und mit den Beteiligten zu sprechen. Der Termin in Saragossa war für uns sehr wertvoll, weil wir konkrete Einblicke in Planung, Bau und Betrieb eines temporären Stadions bekommen haben. Gleichzeitig ist uns natürlich bewusst, dass die Anlage dort nicht eins zu eins mit unseren Anforderungen vergleichbar ist – etwa weil es dort kein Dach und keine Stehplätze gibt [...].“
