
Ausgelassen tollen neun Welpen auf einer Wiese des Tierheims Nürnberg. Die gut 13 Wochen alten Hunde suchen derzeit ein Zuhause, informiert das Tierheim auf Facebook. Das ist per se nichts Ungewöhnliches, immer wieder warten Tiere hier auf ein neues Herrchen. Doch diesmal gibt es eine besondere Voraussetzung dafür, die Welpen in Obhut zu nehmen: Das Sparbuch der künftigen Besitzer sollte „gut gefüllt“ sein, so schreibt es das Tierheim in seinem Post.
„Ja, das ist provokant und wir wissen schon, wie sich wieder unwissende Menschen aufregen werden... aber leider ist das auch traurige Realität“, heißt es weiter.
Das Tierheim wünscht sich für die Tiere finanzielle Sicherheit. Denn: Es ist nicht gewiss, wie lange die neun Französischen Bulldoggen wohl noch so wie in diesen Tagen auf der Wiese tollen werden können. Das vermeintliche Vatertier litt dem Tierheim zufolge schon mit fünf Jahren an Spondylosen und Arthrosen, eine Gaumensegel-OP stehe an. Und auch das Muttertier laufe schon jetzt sehr auffällig, heißt es.
„Klar, möglicherweise hat der ein oder andere von ihnen [den Welpen] großes Glück und führt ein gesundes, langes Leben“, schreibt das Tierheim. Doch für wahrscheinlicher halten die Mitarbeitenden den umgekehrten Fall. Deshalb sei es eben wichtig, dass die Tiere finanziell abgesichert seien. „Denn keiner weiß, was da noch an Tierarztkosten kommen wird.“
Das ist kein Einzelfall. Im Gegenteil. Das Schicksal der Elterntiere der neun Welpen teilen Hunde aller Rassen mit Kurzköpfigkeit. Hierzu zählen neben der Französischen Bulldogge beispielsweise auch der Mops oder der Boxer. Schuld daran ist nicht etwa die Natur, sondern der Mensch, der die Hunde krank gezüchtet hat: „Die Tiere müssen ein qualvolles Leben ertragen, denn wegen ihrer jahrelangen Zucht auf bestimmte Merkmale bekommen sie schwer Luft, sind taub oder allgemein krankheitsanfälliger“, berichtet der Deutsche Tierschutzbund.
Hunde-Qualzucht: Viele Hunde leiden
Das Phänomen der Überzüchtung macht vor kaum einer Rasse halt: Bernhardiner leiden in vielen Fällen bekanntermaßen unter Augenproblemen wegen eines Auswärtsrollens des unteren Augenlidrandes, Deutschen Doggen schmerzen nicht selten die Hüften wegen Fehlbildungen, Chihuahuas wachsen die Schädelknochen oft nicht richtig zu, Dackeln springen häufig die Bandscheiben heraus und in den übermäßigen Falten des Shar-Pei gären Pilzinfektionen.
Doch wohl am häufigsten treten rassenbedingte Probleme bei kurzköpfigen Hunden wie der Französischen Bulldogge auf, verrät etwa Achim Gruber vom Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
Wie unter anderem der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Website schreibt, gelten sie als Moderasse und begeistern Menschen mit ihrem Aussehen, das dem Kindchen-Schema entspricht. Doch für die dunklen, großen Kulleraugen, die flache Schnauze, den runden Kopf und die kurzen Beine zahlen die Hunde einen hohen Preis. Oft haben sie Tierärzten zufolge mit Haut-, Ohren- und Augenproblemen sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen zu kämpfen. Der Großteil leidet zudem unter Atemnot.
„Französische Bulldoggen sind charakterliche Traumhunde mit einem entzückenden Sturkopf. Aber egal, wie man es dreht und wendet, es sind und bleiben Qualzuchten“, schreibt das Tierheim Nürnberg unter den Bildpost, der die neun spielenden Welpen zeigt, darunter drei Rüden, fünf Weibchen und Zwitter Toni. Dieser junge Hund wird in den kommenden Monaten dem Tierheim zufolge noch operiert.
Für die jungen Französischen Bulldoggen hofft das Tierheim jetzt, durch den Facebook-Post, ein passendes Zuhause zu finden.
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