Friedberg - Ein Start-Up aus Friedberg bei Augsburg ist mit Prothesen für Tiere erfolgreich. Dank 3D-Druck konnten sie schon vielen Vierbeinern helfen. Zu ihren Kunden gehören hauptsächlich Hunde.

Es war Sommer 2021, als Simon Schuß und Dominik Hogen, beide 1998 geboren, das Unternehmen „Pawsthesis“ gründeten. Der Name ist Programm: Paw ist englisch für Pfote und Prosthesis für Prothesen - die beiden Wirtschaftsingenieure stellen mit 3D-Druck Hilfsmittel für Tiere her. Zu ihren Kunden zählen neben Hunden, auch etwa Pferde und Kühe, verrät Schuß gegenüber nordbayern.de.

Schon immer hätten die beiden Freunde einen Bezug zu Tieren gehabt - Schuß zählt auf: Katzen, Hasen, Hühner, Bienen, Schafe... Aktuell habe er eine junge Hündin aus dem Tierschutz in seiner Obhut. Dass Tiere hingegen einmal Teil seines Berufs werden würden, war dem 27-Jährigen wohl lange nicht ganz so klar.

Start-up erfolgreich mit Prothesen für Tiere aus dem 3D-Drucker

Schuß und Hogen haben an der Universität Augsburg Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Dort belegten sie ein 3D-Druck-Seminar, das alles verändern sollte: Im Seminar ging es Schuß zufolge darum, ein Produkt zu entwickeln und dazu einen Businessplan zu verfassen. Wie es der Zufall wollte, seien sie in einem Café in ihrem Heimatort Friedberg bei Augsburg auf einen dreibeinigen Hund getroffen, berichtet Schuß. „Gibt es für solche Fälle eine Lösung?“ Diese Frage recherchieren sie im Internet. „Schnell war klar, es gibt weltweit sehr wenige Hersteller und die Hilfsmittel sehen sehr einfach und veraltet aus“, sagt Schuß.

So fassten die beiden den Entschluss: Sie wollen etwas Sinnvolles machen - und das besser als die Konkurrenz. Also legten sie im Sommer 2021 los. Seitdem ist das Unternehmen laut eigenen Angaben stetig gewachsen. Immer mehr Drucker seien hinzugekommen, ebenso wie zwei Mitarbeitende. Auch die Produkte hätten sich weiterentwickelt und das Portfolio habe sich immer weiter vergrößert, so Schuß. Inzwischen konnten sie laut dem „Pawsthesis“-Mitgründer schon über 1000 Tieren mit Prothesen, Orthesen und Rollwagen helfen.

Hilfsmittel für Hunde aus Augsburg: Vollprothesen kosten rund 1500 Euro

Die maßgeschneiderten kommen aus dem 3D-Drucker. „Pawsthesis“ arbeitet laut eigenen Angaben dabei eng mit Ärzten und Physiotherapeuten zusammen. Kostenpunkt: zwischen 1500 und 1800 Euro für eine Vollprothese, 650 bis 850 Euro für eine Orthese und über 1000 Euro für einen Frontroller. Das Unternehmen bietet eigenen Angaben zufolge auch Sonderlösungen wie Helme oder Nackenstützen an. Je nach Art sind hier bis zu 2500 Euro fällig.

Meist sind es Hunde, deren Besitzer auf „Pawsthesis“ zu kommen, doch auch Kühe und Pferde seien schon unter den Kunden gewesen. Manchmal würden Schuß und Hogen die Vierbeiner über lange Zeit begleiten, berichtet Schuß. So erinnert er sich etwa an einen Welpen, der von Geburt an eine Missbildung hatte. Ihn hätten die zwei mit einer Orthoprothese versorgt und bis jetzt ins Erwachsenenalter begleitet - eine „wahnsinnig tolle Entwicklung“ hätten sie dadurch miterlebt, so Schuß.

Das Frühstücksfernsehens berichtete zudem etwa über die Geschichte von Dackel Trudi: Die Hündin kann dem Bericht zufolge nicht mehr eigenständig laufen. Als Welpe wurde sie demnach von einem Auto überfahren und brach sich zahlreiche Knochen am ganzen Körper. Ohne ärztliche Behandlung seien diese nicht richtig verheilt und Trudi habe sich immer wieder die Vorderbeine gebrochen, heißt es im Video. Seitdem könne sie nur noch die Hinterbeine teilweise belasten. Doch das Start-up „Pawsthesis“ konnte Trudi helfen. Heute bewegt sich Trudi mit einem Hilfsmittel, einem Frontrolli, fort.

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