Neustadt bei Coburg - Erst Corona-Boom, jetzt Existenzsorgen: Ein fränkischer Hersteller von Kinderspielzeug kämpft ums Überleben. Nun läuft ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Der fränkische Spielzeughersteller Rolly Toys steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren hat die Muttergesellschaft Franz Schneider GmbH & Co. KG ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das zuständige Amtsgericht Coburg hat dem Antrag bereits zugestimmt.

Wie Fränkischer Tag berichtet, soll das Verfahren der Sanierung dienen. Geschäftsführer Frank Schneider betonte gegenüber der Zeitung, Ziel sei es, den Betrieb zu stabilisieren und fortzuführen. Am Standort Neustadt bei Coburg sind derzeit rund 120 Beschäftigte tätig.

Corona-Boom verpufft: Traditionshersteller aus Franken meldet Insolvenz an

Während der Pandemie hätte das Unternehmen noch von einer erhöhten Nachfrage profitiert, doch dieser Effekt hielt nicht an. „Das Plus während der Corona-Zeit ist in den letzten Jahren wieder eingebüßt worden“, erklärte Schneider dem Fränkischen Tag.

Steigende Energiepreise und höhere Kosten im Wareneinkauf hätten die Lage zusätzlich verschärft. „Das alles hat die Liquidität belastet“, so Schneider weiter. Preiserhöhungen seien zwar umgesetzt worden, hätten jedoch nicht ausgereicht. Noch höhere Preise ließen sich am Markt nicht durchsetzen, so der aktuelle Geschäftsführer. Auch Trumps Zollpolitik habe zu einem Rückgang der Exporte geführt. Besonders schwer wog laut Bericht zusätzlich der Wegfall eines Großkunden im vergangenen Jahr.

Unternehmen 1938 gegründet - 250.000 Kinderfahrzeuge pro Jahr

Rolly Toys produziert laut eigenen Informationen in Neustadt auf rund 36.000 Quadratmetern jährlich mehr als 250.000 Kinderfahrzeuge - darunter Trettraktoren und detailgetreue Nachbildungen von Baumaschinen.

Das Unternehmen wurde 1938 von Franz und Rosa Schneider gegründet. Ursprünglich fertigte der Betrieb Splinte und Stanzteile aus Hartpappe für die Puppenindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte der Betrieb dann vom Zulieferer auf die eigene Spielwarenproduktion um, wie es auf der Unternehmenswebsite weiter heißt.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bestehende Geschäftsführung im Amt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren. Voraussetzung ist, dass eine Sanierung realistisch erscheint.

Immer topaktuell informiert bleiben über die wichtigsten Themen aus der Region? Über unseren WhatsApp-Kanal erfahren Sie alle Neuigkeiten aus erster Hand.

Hier geht es direkt zum WhatsApp-Channel - eine „Schritt für Schritt“-Anleitung finden Sie hier.